Hilfe

Deutschland evakuiert ukrainische Schoa-Überlebende

Die ukrainische Holocaust-Überlebende Tatyana Zhuravliova lebt jetzt in einem Altenheim in Frankfurt. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Bislang sind 55 pflegebedürftige Holocaust-Überlebende aus der Ukraine nach Deutschland gebracht und aufgenommen worden. Mit jedem Tag kämen mehr dazu, sagte der Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), Aron Schuster, der Jüdischen Allgemeinen.

Die Aufnahme dieser Personen geschehe »in unserer besonderen Verantwortung als Deutsche«, erklärte Bundesinnenministerin Nancy Faeser gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagsausgaben). »Wir geben ihnen eine vorübergehende Heimat. Das ist uns europaweit in diesen ersten Kriegswochen sehr gut gelungen.«

KRIEGSVERBRECHEN Die Berichte über Gräueltaten an Hunderten Bewohnern ukrainischer Städte kommentierte die Bundesinnenministerin scharf. »Ich bin Juristin. Natürlich soll man niemanden vorverurteilen. Aber es deutet alles darauf hin, dass Wladimir Putin und seine Armee in der Ukraine furchtbare Kriegsverbrechen begehen.«

https://twitter.com/JuedischeOnline/status/1511663418775949313

Die Jewish Claims Conference schätzt, dass sich insgesamt rund 400 bis 600 schwerstpflegebedürftige Überlebende in der Ukraine befinden. Nicht alle von ihnen könnten und wollten aber das Land verlassen, so Aron Schuster. Diejenigen, die sich dennoch dazu entschließen, würden einzeln mit Krankentransportern nach Deutschland gebracht.

ZUSAMMENARBEIT Im Hinblick auf die Unterbringung dieser hochbetagten Überlebenden spüre man eine große Welle der Hilfsbereitschaft, auch bei nichtjüdischen Einrichtungen, so der ZWST-Direktor.

»Wir können leider nicht alle in den wenigen vollstationären Heimen der jüdischen Altenpflege unterbringen und sind deshalb auf die Kooperation mit Caritas, Diakonie, Parität, Arbeiterwohlfahrt und Deutschem Roten Kreuz angewiesen. Alle diese Verbände bringen sich enorm ein, und es ist rührend zu sehen, wie sehr man sich in den Einrichtungen um die Überlebenden kümmert«, sagte Schuster dieser Zeitung.

Aron Schuster, der Direktor der ZWST, lobte auch die Unterstützung durch die Bundesregierung bei der Organisation der Evakuierungen.

Er lobte auch die Unterstützung durch die Bundesregierung bei der Organisation der Evakuierungen. Am Mittwoch hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Bundestag ein besonderes Engagement für Schoa-Überlebende in den ukrainischen Kriegsgebieten zugesagt. Diese Menschen verdienten den »besonderen Schutz« Deutschlands, sagte Scholz in der Fragestunde des Parlaments.

VORBEREITUNGEN Die Bundesregierung handele dabei auch in enger Abstimmung mit den europäischen Verbündeten »im Hinblick auf das, was getan werden kann, um das zu organisieren«. Die Evakuierungen müssten angesichts des Alters der Betroffenen »sehr sorgfältig vorbereitet werden«, so der Kanzler.

Insgesamt sind rund sechs Wochen nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine in Deutschland 313.200 Flüchtlinge registriert worden. Die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich aber höher, weil es an der deutsch-polnischen Grenze keine regulären Kontrollen gibt und sich Menschen mit ukrainischem Pass zunächst für 90 Tage frei in der EU bewegen können. Sie müssen sich erst registrieren, wenn sie staatliche Leistungen beantragen. Alle Geflüchteten aus der Ukraine haben Anspruch auf finanzielle Hilfeleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. mth/dpa/epd

Nahost

Italien nimmt als Beobachter an Trump-»Friedensrat« teil

Bislang sind in dem Gremium des US-Präsidenten nur zwei EU-Staaten dabei

 14.02.2026

Solidarität

Für Freiheit im Iran: 200.000 Demonstranten in München

Unter den Rednern war auch der Publizist Michel Friedman: »Ein Regime, das für Terrorismus steht, gehört abgesetzt«

 14.02.2026

USA/Iran

US-Präsident Trump: Machtwechsel im Iran wäre wohl das Beste

US-Präsident droht Teheran im Streit über das Atom- und Raketenprogramm mit einem Angriff. Er legt nach: Nur ein Deal könne dies verhindern

 14.02.2026

NS-Raubkunst

Wolfram Weimer kündigt Restitutionsgesetz an

»Eine Frage der Moral«: Der Kulturstaatsminister stimmt einem unter anderem vom Zentralrat der Juden geforderten Gesetz zu

 14.02.2026

Berlin

Brandenburger Tor leuchtet als Zeichen der Solidarität mit Iran-Protesten

»Die gewaltsame Niederschlagung der Proteste ändert nichts daran, dass der Drang nach Freiheit bleibt«, sagt Kai Wegner (CD), der Regierende Bürgermeister

 13.02.2026

Augsburg

Gericht kippt Redeverbot für Höcke im Allgäu

Am Wochenende sollte Thüringens AfD-Landtagsfraktionschef in zwei Hallen in Bayern als Gastredner auftreten. Die Gemeinden wehren sich – aber vorerst nur in einem Fall mit Erfolg

 13.02.2026

Meinung

Danke, Herr Minister!

Johann Wadephul hat sich von Francesca Albanese distanziert und ihren Rücktritt gefordert. Doch jetzt müssen Deutschland und andere Staaten den Druck weiter erhöhen

von Michael Thaidigsmann  13.02.2026

Meinung

Jeffrey Epstein: Ein schlechter Mensch

Der verurteilte amerikanische Sexualstraftäter ist und bleibt ein beliebig formbares Vehikel für jedweden Verschwörungsmythos

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Diplomatie

Berichte: USA schicken weiteren Flugzeugträger nach Nahost

Der Schritt ist eine Drohung an das Regime im Iran, mit dem US-Präsident Donald Trump gerne ein Atom-Abkommen abschließen möchte

 13.02.2026