Nahost

Der Strippenzieher

Ist mit dem Libyer Gaddafi und mit dem Israeli Lieberman befreundet: Martin Schlaff Foto: Reuters

Er gibt so gut wie keine Interviews, selten erscheinen Porträts über ihn, und wenn er dann doch mal in den Medien auftaucht, dann geht es dabei immer um irgendetwas Geheimnisvolles. So wie in diesen Tagen, in denen bekannt wurde, dass er wieder einmal im Nahen Osten vermittelt hat. Dass am Donnerstag vergangener Woche das von Libyen auf die Reise nach Gaza geschickte Schiff doch abdrehte und einer Konfrontation mit Israel aus dem Weg ging, lag offenbar an ihm – Martin Schlaff, 56 Jahre alt, geboren und wohnhaft in Wien, Geschäftsmann.

Förderer Schlaff ist das, was man wohl am besten als Netzwerker, als Strippenzieher bezeichnen kann. Er hat beste Kontakte in alle Richtungen, das gilt sowohl für sein Heimatland Österreich, in dem Schlaff informelle Beziehungen zu nahezu allen Parlamentsparteien pflegt, wie in einem globa- leren Sinn, und auch dabei hat er keinerlei ideologische Bedenken. Schlaff gilt einerseits als finanzieller Förderer des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman – Lieberman war etwa im Vorjahr bei der Hochzeit des ältesten Schlaff-Sohns als geladener Gast in Wien. Immer wieder wurde Schlaff in den Medien genannt, wenn es um Korruptionsfälle rund um Lieberman aber vor allem auch den ehemaligen Ministerpräsidenten Ariel Scharon ging. Andererseits kennt Schlaff aber auch die Familie Gaddafi gut: Er gilt als Freund von Saif-al-Islam Gaddafi, einem Sohn des libyschen Revolutionsführers, und war bereits mehrmals bei ihm zu Gast.

Im aktuellen Fall, mutmaßen israelische Medien, habe sich Lieberman an seinen Freund Schlaff gewandt, um bei dessen Freund Gaddafi zu vermitteln. Und Martin Schlaff hat keine Berührungsängste, denn sie wären wohl auch schlecht für das Geschäft. Das Privatvermögen des Wiener Geschäftsmanns wird auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt, und im Wesentlichen kam er zu diesem Geld durch Vermittlungen. Einer seiner spektakulärsten Coups war zum Beispiel die Errichtung des Casinos in Jericho, dabei zog er für die österreichischen Lotterien die Strippen, und dabei halfen ihm seine guten Kontakte zu Israelis und Palästinensern: Das einzige Casino, in das die spielfreudigen Israelis relativ problemlos gelangen konnten, erwies sich als Goldgrube für die palästinensische Autonomiebehörde, für die österreichischen Lotterien – und auch für Schlaff. Seit dem Beginn der Intifada ist es geschlossen, und Schlaff versucht derzeit ein Casinoschiff in das internationale Gewässer vor Eilat zu legen.

Party Dass der Netzwerker keinerlei Berührungsängste hat, war und wird aber auch in Österreich häufig deutlich. Hier unterstützte er den ehemaligen SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und schmiss für ihn am Abend seines überraschenden Wahlsieges 2006 eine fulminante Party. Gusenbauers Vorgänger, der ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel, durfte dafür mindestens einmal mit Schlaffs Privatjet mitreisen. Auch sonst ist er mitunter durchaus hilfsbereit: So stellte der Österreicher die Kaution, als der der SPÖ zugerechnete Banker Helmut Elsner in Südfrankreich verhaftet wurde. Denn der ehemalige ÖVP-Parteichef Josef Taus ist einer seiner wichtigsten Geschäftspartner. Auch der ehemalige FPÖ-Vizekanzler Hubert Gorbach hat einen kleinen bescheidenen Job im Schlaff-Imperium abbekommen.

Schlaffs spektakulärste Geschäfte kreisten dabei immer um Mobilfunklizenzen in osteuropäischen Ländern: Der Unternehmer kaufte sie in instabilen Zeiten oder bei zwielichtigen Staatspräsidenten wie in Weißrussland und verkauft seine Anteile dann an den österreichischen Marktführer Telekom Austria weiter. Im Fall seiner Beteiligung an einem bulgarischen Mobilfunkbetreiber streifte Schlaff auf diese Art einen Aufschlag von 800 Millionen Euro ein. Für die Beteiligung in Weißrussland kassierte Schlaff zusammengerechnet rund 600 Millionen Euro. Das nennt man ein gutes Geschäft.

Washington D.C.

Ein Begräbnis und ein Gipfeltreffen

Israels Premier Netanjahu und Ukraine-Präsident Selenskyj waren offiziell angereist, um an der Beerdigung von US-Senator Lindsey Graham teilzunehmen. Doch das Begräbnis wird auch für ein geopolitisches Gipfeltreffen mit US-Präsident Trump genutzt

 29.07.2026

The OpenAI logo is displayed on a mobile phone screen in this photo illustration, as artificial intelligence tools continue to expand across consumer and business applications in Brussels, Belgium, on February 28, 2026. (Photo by Jonathan Raa/NurPhoto)

Meinung

KI: Wie die Welt einmal untergehen könnte

Der Kontrollverlust der Softwarefirma OpenAI über ihr neuestes Modell macht erneut die Notwendigkeit deutlich, KI-Technologie stärker zu regulieren. Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunft der Menschheit

von Joshua Schultheis  28.07.2026

Dresden

Petition wirft AfD Missbrauch der Marke Simson vor

Die Traditionsmarke Simson steht für eine erfolgreiche Firmengeschichte. Die AfD nutzt das positive Image, das stößt auf Widerstand

 28.07.2026

Terror

Nach dem CSD-Anschlag: Wo Berlin trauert

Blumen, Botschaften und Regenbogenflaggen: Im Berliner Tiergarten suchen Menschen Trost am Ort des Terroranschlags. Was ein Notfallseelsorger erzählt

 28.07.2026

Berlin

Bekennervideo des mutmaßlichen CSD-Attentäters auf Mobiltelefon entdeckt

Was ist in der Aufnahme zu sehen?

 28.07.2026

Meinung

Wir müssen darüber sprechen, was der Terror mit dem Islam zu tun hat

Die islamistische Ideologie muss endlich als solche benannt werden – auch weil Muslime zu den ersten Opfern der Terroristen gehören

von Ali Ertan Toprak  28.07.2026

München

Deutsche Post will Davidstern-Briefmarke doch drucken

Die Poste lehnte eine Briefmarke mit einem Davidstern und dem Schriftzug »Antisemitismus – ohne mich!« erst ab. Nach Kritik hat sie sich nun umentschieden

 28.07.2026 Aktualisiert

Washington D.C./Rom

USA kündigen weitere Gespräche zwischen Israel und Libanon in Rom an

Nach jahrzehntelangem Kriegszustand gab es zuletzt Annäherungsversuche zwischen Jerusalem und der libanesischen Regierung. Die USA als Vermittler setzen vor allem auf den Erfolg sogenannter Pilotzonen

 28.07.2026

Washington D.C.

Trump weist Netanjahus Kritik an möglichem F-35-Verkauf an die Türkei zurück

»Niemand schreibt mir vor, was wir verkaufen sollen«, sagt der amerikanische Präsident vor seinem Treffen mit Benjamin Netanjahu

 28.07.2026