Frankfurt/Main

Der den Römer regiert

Mit Programm und Energy-Drink: Peter Feldmann gibt der hessischen SPD Hoffnung. Foto: ddp

Frankfurt/Main

Der den Römer regiert

Peter Feldmann ist der erste jüdische OB seit 1933

von Heide Sobotka  27.03.2012 07:17 Uhr

Die Wahl von Peter Feldmann (SPD) zum Frankfurter Oberbürgermeister ist für viele eine Überraschung. Weder im Arbeitskreis Jüdischer Sozialdemokraten noch in der jüdischen Gemeinschaft hatte man mit einem solch überwältigenden Sieg des eher unbekannten Mitarbeiters der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gerechnet.

»Schon, dass er sich innerparteilich gegen Michael Paris durchgesetzt hat, war erstaunlich«, sagt Gregor Wettberg, der Feldmann aus dem Arbeitskreis kennt. Bei einem SPD-Mitgliederentscheid hatte sich Feldmann gegen den eher zum rechten Flügel zählenden Paris mit 53,76 Prozent durchgesetzt und wurde so zum Gegenkandidaten von Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU).

rot-grün Für den Publizisten Micha Brumlik bedeutet Feldmanns Wahl eine politische Aufwertung des Arbeitskreises. Brumlik sieht in der Entscheidung für den SPD-Kandidaten auch eine politische Wende grüner Wähler zurück zum alten rot-grünen Bündnisgedanken.

»Die Wahl Feldmanns ist eine tolle Sache«, sagt die Frankfurter Rabbinerin Elisa Klapheck. »Selbst die Beter des Egalitären Minjan haben diskutiert, ob Feldmann eine Chance haben könnte, sich durchzusetzen, und eher mit Nein geantwortet.« Erfreulich sei, dass der Wahlkampf ohne nennenswerte antisemitische Anfeindungen geführt wurde.

Genosse Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Arno Hamburger, ist ebenfalls verblüfft. Vor allem mit einem so überzeugenden Ergebnis hat er nicht gerechnet. Als SPD-Stadtrat verfolge er ohnehin, wer, wo und warum kandidiere und sich engagiere, deswegen habe er auch die Wahl in Frankfurt verfolgt.

Feldmann kenne er zwar nicht, sagt der 89-jährige Genosse, er sei sich aber sicher, dass der Frankfurter in erster Linie wegen seines Engagements gewählt wurde und nicht wegen seines Judentums. »Er ist ein guter Arbeiter, und seine Bürgernähe ist das Wichtigste für einen Politiker«, sagt Hamburger.

Sein Jüdischsein habe im Wahlkampf keine Rolle gespielt, sind sich viele einig. Für Feldmann ist das Judentum eine »wichtige Privatsache«. Was die Religion anbelangt, bezeichnet er sich als »eher liberal«.

Feldmann wurde 1958 in Helmstedt geboren, nach dem Abitur lebte er ein Jahr lang in Israel. Ab 1. Juli wird er die 680.000-Einwohnerstadt Frankfurt regieren und ist dann der zweite jüdische Oberbürgermeister einer bundesdeutschen Großstadt nach Herbert Weichmann (1965–1971) in Hamburg.

Die Umfrageergebnisse für Feldmann waren seit Jahresbeginn kontinuierlich nach oben geklettert. Von etwa 19 Prozent im Januar stieg die Zustimmung für ihn wenige Wochen später auf 22 Prozent. Mit 33 Prozent belegte er schließlich nach Boris Rhein bei der Wahl am 11. März den zweiten Platz. Die letztlich notwendig gewordene Stichwahl gewann er gegen den 40-jährigen hessischen Innenminister am vergangenen Sonntag deutlich und sensationell mit 57,4 Prozent.

»Er war enorm fleißig«, sagt Jürgen Richter, AWO-Chef in Frankfurt und aus gemeinsamen Zeiten bei den Falken mit Feldmann befreundet. Innerhalb weniger Wochen habe sein Parteifreund tausende Haushalte besucht. Er klingelte an Haustüren und stellte sich vor.

programm »Das ist wirklich ein Beispiel gelebter Bürgernähe«, sagt Miriam Noa, die im Herbst 2011 für das Berliner Abgeordnetenhaus kandidierte und Feldmann aus dem Arbeitskreis Jüdischer Sozialdemokraten kennt. Umweltschutzthemen seien für Feldmann nicht nur Phrasen, sondern Handlungsanweisungen, sagt Noa. So übernachtete er bei Demonstranten gegen den Fluglärm, um sich selbst einen Eindruck von der Beeinträchtigung verschaffen zu können. Dieses Engagement, ist Richter überzeugt, schlage sich wohl im Ergebnis nieder.

»Ich stehe für Inhalte«, lautet denn auch Feldmanns Devise, die offenbar bei den Frankfurtern ankam. »Ich verpflichte mich für den Kampf gegen Kinderarmut, gegen Wohnungsnotstand, gegen Ausgrenzung der Senioren, für Internationalität und Bildung.« Mit diesem Programm tritt er ein schweres Erbe an.

Am 1. Juli wird seine Amtsvorgängerin Petra Roth fast 17 Jahre die Großstadt am Main regiert haben. Sie hat sich dabei Anerkennung und Respekt der verschiedenen politischen Lager erworben. Die sozialen Nöte in der Stadt kennt Feldmann, der AWO-Mann, genau. Er will sich vor allem auch für Bürger mit Migrationshintergrund einsetzen.

Washington

Berichte: Iran bricht Kontakt mit US-Seite ab

Wenige Stunden vor Ablauf seines Ultimatums droht US-Präsident Trump dem Iran mit harschen Worten. Laut Berichten zieht Teheran daraus Konsequenzen

 07.04.2026

New York

Russland und China stimmen gegen UN-Resolution zur Straße von Hormus

Seit dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran ist die Meerenge für die Handelsschifffahrt weitgehend blockiert. Eine UN-Resolution zur Entschärfung der Lage ist nun gescheitert

 07.04.2026

Washington

Trump: »Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen«

Mit Drohungen hat der US-Präsident bereits in den Tagen vor Ablauf seiner Frist versucht, den Druck auf den Iran zu erhöhen. Nun legt er noch einmal nach

 07.04.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragter gegen »Kufiyas in Buchenwald«

Vor dem Gedenken an die Befreiung des früheren NS-Konzentrationslagers wird über angekündigten propalästinensischen Protest gestritten. Felix Klein solidarisiert sich mit der Gedenkstättenleitung

 07.04.2026

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke

Israels Militär droht mit Angriffen auf das iranische Schienennetz. Nur wenige Stunden später meldet der Iran die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke

 07.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Iran-Krieg

Medien: USA greifen Dutzende Ziele auf Ölinsel Charg an

Bereits Mitte März hat das US-Militär die Insel Charg im Persischen Golf bombardiert. Nun berichten US-Medien über neue Angriffe

 07.04.2026 Aktualisiert

Türkei

Schüsse vor Israels Konsulat in Istanbul – Ein Angreifer tot

Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul sind Schüsse gefallen. Einer von drei Angreifern wird nach offiziellen Angaben getötet. Was steckt dahinter?

 07.04.2026 Aktualisiert