Cyberwar

Dem Programm schaden

Eine neue Dimension: digitale Kriegsführung Foto: JA

Ein kleines, seltsames Wort beschäftigt die internationale Politik. Es heißt Stuxnet und ist wohl das ausgeklügeltste Computervirus der vergangenen Jahre. Woher es kommt, was es beabsichtigt – alles Spekulation.

Eines ist allerdings sehr wahrscheinlich: Stuxnet soll ein Gemeinschaftsprojekt der USA und der Israelis gewesen sein, das darauf abzielte, das iranische Atomprogramm zu torpedieren. So geschehen im Juni 2010, als der Wurm die Siemens-Industriecomputer der Atomanlage in Natans sabotierte und so die Zentrifugen zum Stillstand brachte.

Trend Um von einer neuen Form der Kriegsführung mithilfe von Informationstechnik, einem sogenannten Cyberwar, zu sprechen, sei es allerdings noch viel zu früh, sagt Experte Reinhard Hutter: »Der wirkliche Cyberwar ist bis jetzt noch schwer vorstellbar.« Ob mit Stuxnet eine Schwelle zu einem neuen Trend überschritten wurde, ließe sich nicht mit Sicherheit sagen. Ähnlich sieht das Stefan Ritter, Leiter des Lagezentrums im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). »Cyberwar ist kein Einzelereignis, sondern eine militärische Operation zur Durchsetzung politischer Ziele.«

Howard Schmidt, Cyber-Security-Koordinator von US-Präsident Barack Obama, glaubt, der Begriff Cyberwar sei nur von Leuten geprägt worden, die Karriere machen wollen: »Auf einmal sind sie Experten, und man schenkt ihnen große Aufmerksamkeit.« Trotzdem, so Stefan Ritter, müsse man auf die neue Qualität in Computernetzwerkoperationen aufmerksam machen. Mit Blick auf den Stuxnet-Angriff schreibt Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, alles deute darauf hin, »dass der Einsatz von Cyberwaffen zum Regelfall der klandestinen Auseinandersetzung wird«.

Das macht den Cyber war auch für Terroristen interessant. Gegenwärtig sind Gruppen wie Al-Qaida zu solchen Attacken wohl noch nicht in der Lage, aber der US-Militärexperte John Arquilla verweist darauf, dass sie sich bald damit auskennen müssen, »um ihre eigenen Operationen zu schützen«. Experten raten dennoch, Ruhe zu bewahren. »Um ein Schadprogramm in der Qualität von Stuxnet zu programmieren«, sagt Stefan Ritter vom BSI, »braucht man enorme Fähigkeiten, die sich normalerweise nicht ohne Weiteres erwerben lassen«.

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportlerinnen und Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Berufung

Hamburg hat wieder eine Beauftragte gegen Antisemitismus

Nach Monaten der Vakanz ist das Amt wieder besetzt: Anna von Villiez wird Hamburgs neue Beauftragte gegen Antisemitismus. Ein Rechtsstreit hatte die Auswahl verzögert

von Michael Althaus  30.06.2026

Kommentar

Für Islamisten existiert kein Kindeswohl

In glühender Hitze wurden Kinder von Islamisten gefesselt durch Berlin geführt. Dass so etwas mitten in der Hauptstadt geschehen kann, ist die Folge einer fehlgeleiteten Migrationspolitik

 30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Interview

»Soziale Medien sind Brandbeschleuniger für Judenhass«

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung gegen Antisemitismus, wechselt nach Paris. Am Dienstagabend zog er auf einem Podium in Berlin Bilanz. Im Interview blickt er zusätzlich auch auf Persönliches

von Leticia Witte  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Hamburg

Mutmaßlicher Block-Entführer: »Wir sind hier wie in einer Mossad-Operation«

Im Block-Prozess wird ein Zeuge aus Israel weiter per Video befragt. Der 42-Jährige steuerte bei der gewaltsamen Rückholung der Kinder einen der Wagen. Wie er heute auf die Ereignisse blickt.

von Stephanie Lettgen  30.06.2026

Berlin

Verfassungsschutz: Immer mehr Extremisten in Deutschland

Die Sicherheitsbehörden melden einen deutlichen Anstieg bei Rechtsextremen – und sehen auch im linken Lager neue Dynamik. Was hinter dem Zuwachs steckt und warum die Aufklärung manchmal schwierig ist

von Anne-Beatrice Clasmann  30.06.2026

Proteste gegen Kushner-Projekt

Ein Land sieht pink: Albaniens Flamingo-Revolution ist nicht zu stoppen

Flamingos überall - und kein Ende in Sicht: EU-Beitrittskandidat Albanien ist fest im Griff einer Protestwelle. Fällt die Regierung unter der pinken Revolution?

von Markus Schönherr  30.06.2026