Wuligers Woche

Deborah Feldman und wie sie die Welt sieht

Den »Antisemitismus als Knüppel« schwingen nicht die Juden. Foto: Thinkstock

Wuligers Woche

Deborah Feldman und wie sie die Welt sieht

Die Autorin von »Unorthodox« und »Überbitten« zeigt sich unreflektiert

von Michael Wuliger  16.10.2017 21:18 Uhr

Dass Juden lügen, sich Vorrechte anmaßen und diejenigen, die das anprangern, mit miesen Methoden mundtot machen, gehört zu den ältesten und bis heute verbreitetsten antisemitischen Gemeinplätzen. Man hört sie von rechts, man hört sie von links, man hört sie aus der Mitte der Gesellschaft. Und sie kommen zur Freude der Judenhasser gelegentlich auch aus jüdischem Mund.

»Mich stört, dass das Gespräch über Jüdischsein von unserer Seite unaufrichtig geführt wird. Dass wir nie zugeben, dass wir eine privilegierte Minderheit sind. Dass wir Antisemitismus stets als Knüppel bedienen können und damit auch unangenehme Meinungen unterdrücken.« So die Schriftstellerin Deborah Feldman in einem ausführlichen Interview mit dem Berliner »Tagesspiegel« Anfang des Monats.

Berlin Feldman ist mit ihrem Erinnerungsbuch Unorthodox bekannt geworden. Dort erzählt sie von ihrer schmerzhaften Loslösung aus dem charedischen Milieu der Satmarer Chassidim, in dem sie aufgewachsen ist. Sowohl die Kindheit und Jugend in dieser Sekte als auch der Bruch mit ihr waren, wie die Autorin beschreibt, traumatisch. Das mag erklären, warum sie jetzt, da sie in Berlin lebt und versucht, sich hier ein neues Leben aufzubauen, zu radikalen Aussagen neigt. Die werden dadurch allerdings nicht richtiger.

»Wir sind eine privilegierte Minderheit« – falls das wirtschaftlich und sozial gemeint sein sollte, stimmt es nicht. Man frage die Tausenden jüdischen Rentner hierzulande, die ihren Lebensabend in Armut fristen müssen. Oder bezieht sich Deborah Feldman darauf, dass Juden vergleichsweise häufiger zur Mittel- und oberen Mittelschicht gehören als andere Bevölkerungsgruppen? Das trifft tatsächlich zu, ist aber Ergebnis individueller und familiärer Aufstiegs- und Bildungsanstrengungen, nicht Resultat irgendwelcher gewährter Sonderrechte (so definiert der Duden das Wort »Privilegien«).

vorurteil Vielleicht meint die Autorin aber mit den »Privilegien« etwas anderes: dass Juden sich unter Verweis auf die Schoa gegen Kritik immunisieren. Auch das ist ein gängiges Klischee. Und ebenfalls nicht wahr.

Man kann in Deutschland unbehelligt Israel als Wiedergänger Nazideutschlands bezeichnen, bei Demos »Juden ins Gas!« skandieren und sogar, wie in Wuppertal geschehen, Brandbomben auf Synagogen werfen und mit Bewährung davonkommen, weil, so das rechtskräftige Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf, es sich dabei nicht um Judenhass handele, sondern lediglich um eine Art exzessiver »Israelkritik«. Den »Antisemitismus als Knüppel« schwingen nicht die Juden.

Deborah Feldman ist, wie sie in Unorthodox eindrücklich beschreibt, in einer Art Paralleluniversum groß geworden. Aus dem hat sie sich befreit, nur um, wie es aussieht, jetzt in einer anderen, diesmal selbst konstruierten, Scheinwirklichkeit zu landen. Die ist zwar – anders als die Satmarer-Welt – gesellschaftlich mainstreamkonform. Sehr viel klüger indes geht es dort offenbar auch nicht zu.

Nahost

Italien nimmt als Beobachter an Trump-»Friedensrat« teil

Bislang sind in dem Gremium des US-Präsidenten nur zwei EU-Staaten dabei

 14.02.2026

Solidarität

Für Freiheit im Iran: 200.000 Demonstranten in München

Unter den Rednern war auch der Publizist Michel Friedman: »Ein Regime, das für Terrorismus steht, gehört abgesetzt«

 14.02.2026

USA/Iran

US-Präsident Trump: Machtwechsel im Iran wäre wohl das Beste

US-Präsident droht Teheran im Streit über das Atom- und Raketenprogramm mit einem Angriff. Er legt nach: Nur ein Deal könne dies verhindern

 14.02.2026

NS-Raubkunst

Wolfram Weimer kündigt Restitutionsgesetz an

»Eine Frage der Moral«: Der Kulturstaatsminister stimmt einem unter anderem vom Zentralrat der Juden geforderten Gesetz zu

 14.02.2026

Berlin

Brandenburger Tor leuchtet als Zeichen der Solidarität mit Iran-Protesten

»Die gewaltsame Niederschlagung der Proteste ändert nichts daran, dass der Drang nach Freiheit bleibt«, sagt Kai Wegner (CD), der Regierende Bürgermeister

 13.02.2026

Augsburg

Gericht kippt Redeverbot für Höcke im Allgäu

Am Wochenende sollte Thüringens AfD-Landtagsfraktionschef in zwei Hallen in Bayern als Gastredner auftreten. Die Gemeinden wehren sich – aber vorerst nur in einem Fall mit Erfolg

 13.02.2026

Meinung

Danke, Herr Minister!

Johann Wadephul hat sich von Francesca Albanese distanziert und ihren Rücktritt gefordert. Doch jetzt müssen Deutschland und andere Staaten den Druck weiter erhöhen

von Michael Thaidigsmann  13.02.2026

Meinung

Jeffrey Epstein: Ein schlechter Mensch

Der verurteilte amerikanische Sexualstraftäter ist und bleibt ein beliebig formbares Vehikel für jedweden Verschwörungsmythos

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Diplomatie

Berichte: USA schicken weiteren Flugzeugträger nach Nahost

Der Schritt ist eine Drohung an das Regime im Iran, mit dem US-Präsident Donald Trump gerne ein Atom-Abkommen abschließen möchte

 13.02.2026