Antisemitismus

»Das ist keine Meinungsfreiheit, was da stattfindet. Es ist Aufhetzungsfreiheit«

Israels Botschafter Ron Prosor in der Gedenkstätte Sachsenhausen Foto: picture alliance/dpa

Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, hat bei einem feierlichen Gedenken im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen an die sechs Millionen jüdischen Opfer der Nationalsozialisten erinnert. Er rief auch dazu auf, Antisemitismus etwa an Hochschulen stärker zu bekämpfen. Seit dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel kommt es immer wieder zu Protestaktionen und Hörsaalbesetzungen durch propalästinensische Aktivisten an Berliner Hochschulen. 

In Israel wird heute der nationale Gedenktag Jom Haschoa begangen. Wie dort üblich, ertönte am Vormittag auch bei der Zeremonie in der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg für zwei Minuten eine Sirene.

Prosor sagte: »Ich glaube, dass dieser Tag uns alle erinnert, warum wir tagtäglich gegen Antisemitismus und Hass wirklich angehen müssen.« Er sprach von einem neuen Gesicht des Antisemitismus unter anderem im linken Spektrum. »Das ist keine Meinungsfreiheit, was da stattfindet. Es ist Aufhetzungsfreiheit. Es ist Gewalt«, sagte Prosor am Rande der Gedenkfeier der Deutschen Presse-Agentur. Jüdische Studenten hätten Angst, an die Uni zu gehen.

Prosor fordert härtere Strafen

Erst am Mittwoch hatte das Präsidium der Humboldt-Universität in Berlin entschieden, einen Hörsaal von der Polizei räumen zu lassen. Nach Angaben der Hochschulleitung hatten die Besetzer unter anderem auf Bannern das Existenzrecht Israels geleugnet und den Hörsaal erheblich beschädigt. 

Prosor sagte der dpa, er habe auch hohe Erwartungen an die neue Bundesregierung, Antisemitismus stärker zu bekämpfen, insbesondere »was aus der linken Ecke kommt« - an Hochschulen und im kulturellen Bereich. »Die roten Linien werden überquert.« Es müsse über härtere Strafen gesprochen werden, »dass die Leute zwei oder drei Mal nachdenken, bevor sie antisemitische Sachen tun«.

Lesen Sie auch

Beim Gedenken an der »Station Z«, wo die frühere Vernichtungsstätte im KZ Sachsenhausen stand, wurden als Symbol für die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust sechs Kerzen entzündet. Auch die 96 Jahre alte Überlebende Ruth Winkelmann war bei der Gedenkstunde dabei. dpa/ja

Debatte

»Sie war mehr als froh, als alles zu Ende war«: Berlinale-Kreise: Tuttle überfordert und resigniert

Wie geht es nach Debatten um die Berlinale weiter? Eine Krisensitzung bringt nach Angaben des Kulturstaatsministers keine Entscheidung - zumindest vorerst

 26.02.2026

Berlin

Gedenktafel für NS-Gegner Otto Weidt geplant

In Berlin soll der Unternehmer Otto Weidt eine Gedenktafel bekommen: In der NS-Zeit bewahrte er blinde und gehörlose Jüdinnen und Juden vor der Deportation

 26.02.2026

Genf

USA und Iran pausieren Verhandlungen

Es sind womöglich entscheidende Gespräche zwischen den USA und dem Iran. Nun ziehen sich beide Seiten jedoch erst einmal zu internen Beratungen zurück

 26.02.2026

Online-Handel

Der »Pali Schal« aus Corona-Zeiten

Der führende Parfüm- und Kosmetikhändler Douglas verkauft seit sechs Jahren einen Mund-Nasen-Schutz im Kufiya-Design. Jetzt will das Unternehmen den »Pali Scarf« aus dem Sortiment nehmen

von Sophie Albers Ben Chamo, Michael Thaidigsmann  26.02.2026

Köln

Vorerst nicht gesichert rechtsextrem: AfD gewinnt Eilverfahren

Der Verfassungsschutz muss den Ausgang des Hauptsacheverfahrens abwarten

 26.02.2026 Aktualisiert

Berlin

Messerattacke am Mahnmal: Anklage fordert lebenslange Haft

Ein spanischer Tourist wird am Holocaust-Mahnmal in Berlin-Mitte von hinten angegriffen und schwer verletzt. Der Täter soll den Ort gezielt gewählt haben. Ein Jahr später ist ein Urteil in Sicht

 26.02.2026

Epstein-Akten

Neuvermessung eines Monsters

Die Dokumente sind wie ein großes Puzzle. Sie räumen mit vielen Legenden auf und zeigen, wer den Aufstieg des millionenschweren Investors und Sexualstraftäters förderte – und davon profitierte

von Lennart Pfahler  26.02.2026

Verstrickungen

Geschäfte mit einem Mörderregime

Wie ein iranischer Banker ein europäisches Immobilienimperium aufbaute – inklusive Hilton-Hotels in Deutschland

von Philip Plickert  26.02.2026

Genf

WEF-Chef tritt nach Prüfung seiner Epstein-Kontakte zurück

Børge Brende sagt: Dies sei der richtige Zeitpunkt für einen Abgang, damit das Forum seine Arbeit »ohne Ablenkungen« fortsetzen könne

 26.02.2026