Meinung

Cyberkrieg im Wasserglas

Das Szenario klingt bedrohlich: Ein Kreuzzug gegen Israel stehe an, denn das sei eine »Kriegsverbrecher-Nation« und daher »in der jetzigen Form nicht würdig zu existieren«. Also werde man nun israelische Einrichtungen angreifen. Was wie eine tödliche Drohung klingt, ist jedoch nur das neueste Video-Statement der Internet-Aktivisten von »Anonymous«.

Die Gruppe, die sich gern als globales Netzwerk von Zigtausenden politisch interessierten und internetaffinen jungen Menschen sieht, war in der Vergangenheit immer wieder durch amerika- und israelfeindliche Äußerungen und Aktionen aufgefallen.

Dass Anonymous als gefährlich gilt, verdanken die stets mit Guy-Fawkes-Masken Auftretenden dabei jedoch hauptsächlich der Tatsache, dass in Berichten über ihre Aktionen kaum differenziert wird: zwischen tatsächlichen Hacks einerseits – also dem Eindringen in fremde Rechner, um zum Beispiel Daten zu stehlen – und andererseits Attacken per »Distributed Denial of Service« (DDoS).

Naiv Wenn Anonymous angreift, handelt es sich meist um solche DDoS-Angriffe, bei denen eine Webseite von vielen Tausend beteiligten Rechnern mit Anfragen überschüttet wird, bis sie schließlich nicht mehr erreichbar ist. Um eine DDoS-Attacke selbst zu starten, muss man aber kein ausgewiesener Computerexperte sein, sondern bloß ein Programm anklicken – und ein bisschen naiv sein, denn die Urheber dieser Aktionen sind oft leicht zu ermitteln.

Besteht also überhaupt eine reale Gefahr, dass die Unternehmen des Hightech-Landes Israel massiven Schaden erleiden werden? Vermutlich nicht: Wer von Anonymous zum Ziel erklärt wird, erlebt maximal ein paar unangenehme Tage, an denen die eigene Webseite für Kunden nicht erreichbar ist.

Große Unternehmen wie Amazon und Paypal etwa waren vor rund einem Jahr von Anonymous attackiert worden und aus dem Netz verschwunden. Nach einer Weile wurde den Angreifern die Sache dann jedoch zu langweilig, und die Geschäfte liefen wieder ganz normal. Außerdem sind israelische Webseiten Attacken gewöhnt: Erst im November waren einige per DDoS angegriffen worden – außer zeitweiliger Nichterreichbarkeit der betroffenen Seiten und den üblichen irreführenden Schlagzeilen über angebliche Hacks ist jedoch nichts weiter passiert.

Die Autorin ist freie Journalistin in Berlin.

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  26.10.2026

Wilko Möller (AfD), Landtagsabgeordneter in Brandenburg, guckt nachdenklich

Rechtsextremismus

Urteil gegen AfD-Politiker wegen Wahlplakats rechtskräftig

Hat der AfD-Abgeordnete Wilko Möller mit einem »Hitlergruß« auf Plakaten Wahlkampf gemacht? Das Landgericht Frankfurt (Oder) hatte ihn zu einer Geldstrafe verurteilt. Dagegen legte der Politiker Revision ein – vergeblich

 26.10.2026

Leerer Klassenraum (Symbolbild)

Hessen

Strafverfahren gegen Lehrer wegen israelfeindlicher Posts eingestellt

Wegen Instagram-Beiträgen, die als »antisemitisch und israelfeindlich« eingestuft wurden, ist ein Gymnasiallehrer seit einem Jahr vom Dienst suspendiert. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung wurde nun eingestellt

 26.10.2026

Krieg

Selenskyj: Warten fast einen Monat auf Hegseth-Unterschrift

Der Ukraine mangelt es nach eigenen Angaben an Raketen zur Abwehr russischer Angriffe. Nun äußert Präsident Selenskyj Kritik am US-Verteidigungsminister Hegseth

 26.10.2026

Deutschland

Zentralrat der Juden warnt vor möglicher antisemitischer Gewalt bei Protesten am 31. Oktober

In einem Schreiben wird für das Wochenende zu Vorsicht und verschärften Sicherheitsmaßnahmen geraten

 26.10.2026

Regierungsbildung

Berliner SPD plant Mitgliederbefragung über Koalition

Die Basis soll über eine Koalition mit Linken und Grünen mitentscheiden

 26.10.2026

Debatte

Zentralrat der Juden warnt vor AfD in Sachsen-Anhalt und nimmt Linke in Berlin Abkehr von Antisemitismus nicht ab

Präsident Josef Schuster blickt sorgenvoll auf zwei deutsche Bundesländer

 26.10.2026

Berlin

Linke-Kandidat für Neukölln: Recherchen dokumentieren Nähe zu PFLP-Sympathisanten

Ein Dossier der Monitoringgruppe Amit, über das die »Welt« berichtet, dokumentiert mehrere Berührungspunkte des 45-jährigen Rechtsanwalts mit Personen und Veranstaltungen, bei denen Sympathien für die Organisation erkennbar waren.

 26.10.2026

Berlin

Schuster: Nehme der Linken Abkehr von Antisemitismus nicht ab

Der Kampf gegen Judenhass erschwert die Gespräche über Rot-Grün-Rot in Berlin. Eine Erklärung der Linken reicht dem Präsidenten des Zentralrats der Juden nicht

 26.10.2026