Brit MIla

Bundestag entscheidet über Resolution

Bundestag Foto: Deutscher Bundestag / Edgar Zippel

Die Bundestagsfraktionen von Union, FDP und SPD haben sich auf eine Resolution zur Beschneidung von Jungen verständigt. Darin soll die Bundesregierung nach Angaben aus Fraktionskreisen aufgefordert werden, eine gesetzliche Erlaubnis religiös motivierter Beschneidungen zu schaffen.

Wie aus dem Text hervorgeht, will die Regierungskoalition den entsprechenden Gesetzentwurf bereits im Herbst vorlegen. Er soll sicherstellen, »dass eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist«.

Die Resolution soll am Donnerstagnachmittag bei einer Sondersitzung des Bundestages zu den Finanzhilfen für Spanien verabschiedet werden, nach der Abstimmung in den Fraktionssitzungen.

Diskussionen »Jüdisches und muslimisches Leben, Religion und Kultur müssen in Deutschland möglich sein. Dazu gehört die Beschneidung von Knaben«, sagte Volker Kauder der Jüdischen Allgemeinen. Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende hat den parteienübergreifenden Beschluss initiiert. »Dafür muss so schnell wie möglich Rechtssicherheit geschaffen werden. Diese Botschaft soll der Bundestag durch eine Aufforderung an die Bundesregierung in der Sondersitzung zum Ausdruck bringen.«

Bei der Fraktion der SPD hieß es vor der Debatte: »Wir wollen schnell ein deutliches Signal an die Menschen jüdischen und muslimischen Glaubens senden, wie hier Rechtssicherheit geschaffen werden kann, damit religiöses Leben in Deutschland weiter ermöglicht wird«, sagte Christine Lambrecht, die für die Fraktion im Bundestag sprechen wird. Für die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sei klar, dass jüdisches und muslimisches Leben und damit auch die religiösen Riten fester Bestandteil der Gesellschaft in Deutschland seien, heißt es in Lambrechts Statement.

Die Fraktionsvertreter der Grünen Renate Künast und Jürgen Trittin haben nach der am frühen Nachmittag einberufenen Sondersitzung betont, dass sie sich dem Hauruck-Verfahren nicht anschließen möchten. »Unser Ziel war es, nach der Sommerpause Fachgespräche zu führen«, sagte Künast. Man wolle die Ausübung der jüdischen und muslimischen Religion in allen Facetten ermöglichen, betonte die Politikerin.

Die FDP-Fraktion wollte sich vor der Debatte nicht äußern.

Sitzung Der Bundestagsabgeordnete der Linken und religionspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion »Die Linke«, Raju Sharma, hat erklärt, dass er sich bei der Abstimmung über den von der Regierungspartei gemeinsam mit den SPD-Abgeordneten eingebrachten Resolutionsentwurf enthalten wird. Wie sich die Fraktion verhalte, werde jedoch in einer Fraktionssitzung, die um 13 Uhr beginnt, diskutiert.

»Ich hätte mir gewünscht, dass das Thema der Beschneidung erst in den entsprechenden Ausschüssen des Bundestages beraten worden wäre.« Am weiteren Procedere verändere die Entschließung nichts, da vor Herbst keine gesetzlichen Aktivitäten mehr zu erwarten seien. Die Abgeordneteninitiative sei der Versuch der Bundesregierung, sich über die »Sommerpause zu retten und zu verhindern, dass die Diskussion über die Beschneidung das Sommerloch füllt«. Schnellschüsse würden nicht helfen, sagte Sharma, der noch einmal betonte, dass er »die Beschneidung« nicht generell ablehne.

Die kirchenpolitische Sprecherin der SPD, Kerstin Griese, betonte am Mittwoch, dass eine schnelle Regelung wichtig sei, um die Rechtsunsicherheit für jüdische und muslimische Familien zu beenden. Nach ihrer Auffassung solle Beschneidung nur erlaubt werden, »wenn sie von medizinischem Personal im Krankenhaus oder in einer Arztpraxis und unter örtlicher Betäubung ausgeführt wird«, sagte sie der Nachrichtenagentur epd.

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte am Mittwoch erneut, dass die Bundesregierung die Beschneidung minderjähriger Jungen »zügig« regeln will. Ein Urteil des Landgerichts Köln, dass die Beschneidung aus anderen als medizinischen Gründen als Körperverletzung gewertet hatte, sorgt derzeit für Unsicherheit bei Juden und Muslimen, bei denen die Beschneidung zur Tradition gehört. epd/ja

Washington

Trump widerspricht Iran: Straße von Hormus ist offen

Trotz gegenseitigen Angriffen erklärt der US-Präsident die Meerenge für offen. Die iranische Seite sieht das anders

 12.07.2026

Meinung

Das iranische Regime hat sich verkalkuliert

In Teheran glaubte man, dass US-Präsident Trump den Konflikt bis zu den Midterm-Wahlen nicht mehr eskalieren lassen würde. Doch in der amerikanischen Außenpolitik hat offenbar ein Lernprozess eingesetzt

von Michael Spaney  12.07.2026

Leipzig

Wie der MDR auf die Ankündigungen der AfD reagiert

Der MDR stellt sich auf juristische Auseinandersetzungen im Fall eines Wahlsiegs der AfD in Sachsen-Anhalt ein

von Katharina Rögner  12.07.2026

Washington

Trump-Freund und Israel-Unterstützer: Senator Lindsey Graham ist tot

Gerade hatte der US-Republikaner Graham noch Kiew besucht, im November wollte er sich erneut zur Wahl stellen. Nun ist der langjährige Senator überraschend gestorben

 12.07.2026

Meinung

Wenn die Brandmauer bröckelt

Immer öfter erlebt unser Autor, dass die rechtsextreme AfD selbst in der gesellschaftlichen Mitte verharmlost wird. Ein persönlicher Erfahrungsbericht aus Düsseldorf

von Jacques Abramowicz  12.07.2026

Interview

Karin Prien: »Würde mit Davidstern-Kette nicht in bestimmte Stadtviertel«

Die Bundesfamilienministerin (CDU) über Einsparungen in ihrem Ressort, das Programm »Demokratie leben« und ihre persönliche Betroffenheit vom wachsenden Antisemitismus in Deutschland

von Alexander Riedel, Birgit Wilke  12.07.2026

Magdeburg

Die AfD und ihr Plan für Sachsen-Anhalt

Jubel für Ulrich Siegmund, Vorwürfe gegen die CDU und ein 100-Tage-Plan mit radikalen Forderungen – was die AfD in Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl vorhat

von Christopher Kissmann  12.07.2026

Teheran

Iranische Tageszeitung fordert Rache – auch gegen Merz

Die iranische Zeitung »Hamshahri« ruft in einer Online-Grafik zu Vergeltung gegen westliche Politiker auf. Darunter sind auch europäische Regierungschefs abgebildet

 12.07.2026

Maskat

Oman meldet Drohnenangriffe nahe Straße von Hormus

Der Oman hat sich im Iran-Krieg um eine möglichst neutrale Haltung bemüht, wurde aber auch selbst zum Ziel von Angriffen. Jetzt meldet das Land neue Drohnenangriffe

 12.07.2026