Frankfurt am Main

Gipfel gegen Judenhass

Politiker, Experten und Vertreter jüdischer Organisationen nahmen an der Veranstaltung teil. Foto: screenshot

Mit einer deutlichen Mahnung, alle Formen des Judenhasses zu bekämpfen, wandte sich Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker (CDU) an seine Kollegen aus aller Welt.

Er sprach als Gastgeber des ersten, digitalen »Mayors Summit Against Anti-Semitism« (Gipfel der Bürgermeister gegen Antisemitismus), der am Dienstag stattfand und live im Internet übertragen wurde. Über 40 Politiker, Experten und Vertreter jüdischer Organisationen aus rund 20 Ländern nahmen daran teil. 

Organisiert wurde der vierstündige, auf Englisch abgehaltene Gipfel von Uwe Becker und der Bewegung »Combat Anti-Semitism Movement«.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Kommunalpolitiker spielten eine führende Rolle im Kampf gegen den Antisemitismus, hieß es in der Ankündigung des Gipfels. Die Veranstaltung sollte einen weltweiten Dialog zwischen Städten ermöglichen.

William Peduto sprach über die Bewältigung des Attentats auf die Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh.

»Der Antisemitismus ist divers geworden«, stellte Becker fest. Er komme in rechtsradikalem und linksintellektuellem Gewand, aber auch von Menschen, die mit dem Hass auf Juden aufwuchsen. Diese Diversität mache einen breiteren Ansatz im Kampf gegen den Antisemitismus erforderlich. 

Die auf den Gastgeber folgenden Redner setzten unterschiedliche Akzente. Pittsburghs Bürgermeister William Peduto sprach über die Bewältigung des Attentats auf die dortige Tree-of-Life-Synagoge im Oktober 2018.

GEMEINSCHAFT »Es ist ein Angriff auf uns alle«, sagte er. »In Pittsburgh sind wir stolz auf unsere interreligiöse Gemeinschaft«, betonte Peduto. Christen, Juden und Muslime arbeiteten zusammen. 

Remigijus Šimašius, Bürgermeister von Vilnius, betonte vor allem die jahrhundertelange jüdische Tradition der litauischen Hauptstadt. Vor dem Zweiten Weltkrieg seien 40 Prozent der Bevölkerung jüdisch gewesen, ein Großteil sei in der Schoa ermordet worden.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Es sei, so Šimašius, wichtig zu zeigen: »Es ist unsere Geschichte. Es gibt kein ’sie‘ und ‚wir‘.« Auch Mārtiņš Staķis, Bürgermeister der lettischen Hauptstadt Riga, betonte die Bedeutung der gemeinsamen Erinnerung an die Schoa: »Die Ermordeten waren keine Fremden.«

Amsterdams Bürgermeisterin Femke Halsema kündigte die Einweihung eines von Daniel Libeskind entworfenen Schoa-Mahnmals an. »In Amsterdam investieren wir in den Schutz von Synagogen, Moscheen und anderen Gotteshäusern«, berichtete sie außerdem.

Mehrere Sprecher betonten den Stellenwert der IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus.

Aber auch Worte zählten. »Alle Amsterdamer sollten füreinander aufstehen, etwas sagen, nicht schweigen«, mahnte Halsema. Zugleich plädierte sie für eine Unterscheidung zwischen Antisemitismus und legitimer Kritik an Israel. Es sollte erlaubt sein, die Politik des Staates Israel zu kritisieren, problematisch werde es dann, wenn Israel obsessiv kritisiert werde und für den jüdischen Staat andere Maßstäbe gelten sollen als bei anderen Ländern, sagte Amsterdams Bürgermeisterin.

DEFINITION Mehrere Sprecher betonten den Stellenwert der IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus. Sie sei ein starkes Werkzeug, um zu zeigen, was Judenhass ist, sagte Lord John Mann, Antisemitismusberater der britischen Regierung. In seinem Land hätten viele Städte die Definition übernommen. Man sei dabei, auch Universitäten und Fußballvereine dazu zu bewegen.

»Um Antisemitismus effektiv bekämpfen zu können, muss man ihn zuerst definieren«, betonte auch Věra Jourová, Vizepräsidentin der EU-Kommission. Die Kommission habe die Definition 2018 angenommen. Jourová äußerte die Hoffnung, dass viele Städte diesem Beispiel folgen werden. 

Haim Bibas sprach über die Gefahr des Antisemitismus in sozialen Medien.

Hermano Sanches Ruivo, stellvertretender Bürgermeister von Paris, berichtete, auch die französische Hauptstadt habe kürzlich die IHRA-Definition übernommen. Bürgermeisterin Anne Hidalgo sei stolz auf diese Errungenschaft.

PRÄVENTION Auch ein israelischer Teilnehmer des Eröffnungspanels, Haim Bibas, betonte die wichtige Rolle der IHRA-Definition. Er stellte zudem die Gefahr des Antisemitismus in sozialen Medien heraus. »Es ist einfach, Hass online zu säen«, sagte der Bürgermeister von Modi’in-Maccabim-Re’ut. 

Fortgesetzt wurde der Gipfel mit einer Paneldiskussion über Prävention, Bildung und die Anwendung der IHRA-Arbeitsdefinition.

Anschließend ging es um Fragen der Gesetzgebung, Sicherheit und Strafverfolgung im Kampf gegen den Judenhass. Das Abschlusspanel widmete sich interreligiösen Beziehungen im digitalen Zeitalter. 

Gemeinden

Ratsversammlung des Zentralrats der Juden tagt in Frankfurt

Das oberste Entscheidungsgremium des jüdischen Dachverbands kommt einmal im Jahr zusammen

 30.11.2025

Berlin

Späte Gerechtigkeit? Neue Schiedsgerichte zur NS-Raubkunst

Jahrzehnte nach Ende der Nazi-Zeit kämpfen Erben jüdischer Opfer immer noch um die Rückgabe geraubter Kunstwerke. Ab dem 1. Dezember soll es leichter werden, die Streitfälle zu klären. Funktioniert das?

von Cordula Dieckmann, Dorothea Hülsmeier, Verena Schmitt-Roschmann  29.11.2025

Interview

»Es ist sehr viel Zeit verloren gegangen«

Hans-Jürgen Papier, ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts, zieht eine Bilanz seiner Arbeit an der Spitze der »Beratenden Kommission NS-Raubgut«, die jetzt abgewickelt und durch Schiedsgerichte ersetzt wird

von Michael Thaidigsmann  29.11.2025

Interview

»Weder die Verwaltung noch die Politik stehen an meiner Seite«

Stefan Hensel hat seinen Rücktritt als Antisemitismusbeauftragter Hamburgs angekündigt. Ein Gespräch über die Folgen des 7. Oktober, den Kampf gegen Windmühlen und kleine Gesten der Solidarität

von Joshua Schultheis  29.11.2025

Meinung

Wenn ein Botschafter Schoa-Überlebende zu Lügnern erklärt

Tom Rose, neuer US-Botschafter in Warschau, hat in einer Rede die Komplizenschaft Tausender Polen während des Holocaust bestritten. Das ist fatal für das Ansehen der USA

von Menachem Z. Rosensaft  29.11.2025

Staatsbesuch

Kanzler Merz reist am nächsten Wochenende nach Israel

Das Datum steht: Bundeskanzler Merz reist in gut einer Woche zum Antrittsbesuch nach Israel. Der Gaza-Krieg hatte die Reise verzögert, durch die Waffenruhe wird sie jetzt möglich

 28.11.2025

Berlin

Anschlag auf israelische Botschaft geplant? Prozess beginnt

Ein mutmaßlicher IS-Unterstützer kommt vor Gericht. Der Prozess gegen den inzwischen 19-Jährigen beginnt am Montag

 28.11.2025

Brüssel

Weimer warnt vor Antisemitismus und Ausgrenzung beim ESC

Der Kulturstaatsminister will darüber mit seinen europäischen Kollegen sprechen

 28.11.2025

Eurovision Song Contest

Spanien bekräftigt seine Boykottdrohung für ESC

Der Chef des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE gibt sich kompromisslos: José Pablo López wirft Israel einen »Genozid« in Gaza und Manipulationen beim Public Voting vor und droht erneut mit dem Austritt

 28.11.2025