Weimar

Buchenwald will einzelne Dokumente aus abgesagter Auktion übernehmen

Das Lagertor der Gedenkstätte Buchenwald Foto: picture alliance/dpa

Der Direktor der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, hat nach der abgesagten Versteigerung von rund 600 Dokumenten und historischen Objekten aus NS-Konzentrationslagern angekündigt, sich um die Übernahme der Stücke zu bemühen. Man werde den Eigentümer über das Auktionshaus auffordern, die Artefakte unentgeltlich an die zuständigen Gedenkstätten zu übergeben, sagte Wagner. Dazu gehöre auch ein »Judenstern mit Gebrauchsspuren«.

Wagner befürchtet nach der Absage der Auktion einen »stillen Verkauf« an private Sammler oder eine Versteigerung im Ausland. Der öffentliche Druck, der unter anderem vom Internationalen Auschwitz-Komitee, mehreren Gedenkstätten und der polnischen Regierung zur Rücknahme des Angebots geführt habe, reiche nicht aus.

Das grundlegende Problem bestehe weiter, betonte er: »Es gibt einen blühenden Markt für Dokumente und Objekte aus der Provenienz der Konzentrationslager.« Daran beteiligten sich nicht nur private Sammler, sondern teils auch Museen außerhalb Deutschlands.

Lesen Sie auch

Der Gedenkstättenleiter forderte daher ein grundsätzliches Verbot des Handels solcher Archivalien durch Dritte. Viele dieser Objekte seien für die Forschung unverzichtbare Quellen. Ihre private Veräußerung entziehe sie häufig dauerhaft der historischen Aufarbeitung. Einen staatlichen Zugriff durch Enteignung sieht Wagner indes kritisch: »Manchmal sind es Angehörige von KZ-Opfern, die die Dokumente aus dem Nachlass ihrer Angehörigen verkaufen. Das geschieht oft nur zu einem symbolischen Preis, manchmal aber auch nicht. Sie wird man kaum enteignen können und auch nicht wollen.«

Meist handele es sich auch nicht um Diebesgut aus Archiven, sondern um private Korrespondenzen, Kleidung, Häftlingsnummern oder Objekte, die Überlebende, amerikanische Befreier oder Anwohner entlang der Todesmärsche nach 1945 an sich genommen und über Jahrzehnte aufbewahrt hätten. Auch in ehemaligen Zwangsarbeitsbetrieben seien nach dem Krieg Dokumente entdeckt worden und teilweise in privaten Beständen verblieben. Die Zahl der heute im Umlauf befindlichen Originale schätzt Wagner »auf Tausende, wenn nicht Zehntausende«.

Die abgesagte Auktion betraf ein Auktionshaus in Neuss, das rund 600 Lose aus KZ-Provenienz anbieten wollte. Nach massiver Kritik wurde der Verkauf kurzfristig gestoppt. Die Herkunft der Objekte sowie der künftige Umgang mit ihnen sind derzeit ungeklärt. epd

Diplomatie

Jens Spahn reist nach Israel

Der Unions-Fraktionschef wird am Mittwoch unter anderem Gespräche in der Knesset führen

 03.02.2026

Vorwurf

Büttner kritisiert linken Antisemitismus

Linke glaubten häufig, sie könnten keine Antisemiten sein, sagt Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter. Dieses Selbstbild werde jedoch von der Realität widerlegt

 03.02.2026

Wiesbaden

Letzte Geisel identifiziert - Hessen holt Israel-Flagge ein

Zur Klarheit über das Schicksal aller Verschleppter sagt Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU): »Wir hoffen, dass das ein weiterer Schritt zur Befriedung des Nahostkonflikts ist.«

 03.02.2026

Umwidmung

Kein Zeitplan für Yad-Vashem-Straße in Berlin

Nach der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem soll ein Straßenabschnitt im Herzen von Berlin benannt werden. Bislang ist unklar, wann dies erfolgt

 03.02.2026

USA

Trump will eine Milliarde Dollar von Elite-Uni Harvard

Der Präsident wirft der Fakultät antisemitisches Verhalten vor. Ein Bericht der »New York Times« bringt neuen Schwung in den Streit

 03.02.2026

Teheran

Regime fürchtet Eskalation: US-Schlag könnte Machtapparat ins Wanken bringen

Externer Druck könnte einen erneuten landesweiten Aufstand begünstigen, heißt es aus dem Umfeld hochrangiger Entscheidungsträger im Iran

 03.02.2026

USA

Massiver Anstieg antisemitischer Straftaten in New York

Im Vergleich zum Vorjahresmonat verdoppelt sich die Zahl der durch Judenhass motivierten Taten fast

 03.02.2026

Washington D.C./Teheran

Können Gespräche zwischen den USA und Iran eine Eskalation verhindern?

In den kommenden Tagen könnte es in Istanbul zu hochrangigen Gesprächen über das iranische Atomprogramm kommen. Regionalmächte vermitteln zwischen dem Teheraner Regime und den USA

 03.02.2026

Kommentar

Antisemitismus im »Safe Place«: Die Kunstakademie Düsseldorf macht’s möglich

Eine Kunstakademie sollte Räume für kritisches Denken öffnen - aber nicht für Ideologien, die Menschenfeindlichkeit salonfähig machen

von Nicole Dreyfus  02.02.2026