Ein Anschlag auf ein jüdisches Altenheim in München im Jahr 1970 könnte doch noch aufgeklärt werden. Laut einem Bericht des »Spiegels« verdächtigen Ermittler einen 2020 verstorbenen Neonazi aus München, der der Justiz bereits bekannt gewesen sei und auch immer wieder durch Diebstähle und Einbrüche aufgefallen sei. Zeugen hätten ihn demzufolge als einen »glühenden Antisemiten« beschrieben, zudem sei er Fan von Adolf Hitler und 1971 am Diebstahl der »Blutenburger Madonna« beteilig gewesen. Bei dem Anschlag in der Reichenbachstraße am 13. Februar 1970 waren sieben Menschen getötet worden.
Ermittler verdächtigen einen 2020 verstorbenen Neonazi aus München
Die Generalstaatsanwaltschaft München hatte 2025 ein neues Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dem Bericht zufolge meldete sich eine Zeugin, die angab, dass ein naher Verwandter von ihr Mitglied der Einbrecherbande des Verdächtigen gewesen sei. Dieser habe von einem fehlgeschlagenen Einbruchsversuch in ein Juweliergeschäft in der Nähe berichtet, nach dem der Verdächtige wütend geworden sei und auf Juden geschimpft habe. Schließlich habe er in Richtung des nahe gelegenen jüdischen Gemeindezentrums samt Altenheim gedeutet und sinngemäß gesagt, dass er sie nun anzünden werde.

Ein zweiter Hinweis sei von einem ehemaligen Zellennachbarn des Verdächtigen gekommen, der ihm gegenüber angedeutet haben soll, das Feuer gelegt zu haben. In alten Akten hätten die Ermittler zudem Hinweise auf einen verdächtigen Mann in der Nähe des Tatorts gefunden, der zur Beschreibung des mutmaßlichen Täters passe.
Die Generalstaatsanwaltschaft München wollte den Bericht auf Anfrage nicht bestätigen, da die Ermittlungen noch andauerten. Bis wann mit deren Abschluss zu rechnen sei, stehe noch nicht fest.
Kultusgemeinde zeigt sich erfreut
Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern zeigte sich erfreut »Dass der Anschlag in der Reichenbachstraße nach fast 56 Jahren womöglich doch noch aufgeklärt werden kann, hätte ich nicht mehr für möglich gehalten«, sagte Präsidentin Charlotte Knobloch laut Mitteilung von Freitag. Man habe lange auf diese Nachricht gewartet, auch wenn von Erleichterung keine Rede sein könne. »Die Ermordeten werden davon schließlich nicht wieder lebendig. Aber wenigstens hätten wir damit endlich eine Antwort auf eine Frage, die uns über ein halbes Jahrhundert bedrückt hat.«
Es schmerze sie, dass der mutmaßliche Täter nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden könne, so Knobloch weiter. »Wer jüdische Menschen ermordet, noch dazu aus dem einzigen Grund, weil sie Juden sind, der darf gerade in diesem Land nicht straffrei ausgehen.« Zugleich dankte sie den Ermittlungsbehörden sowie dem Kabarettisten Christian Springer. Dieser habe immer wieder mit Installationen und Aktionen auf den Anschlag aufmerksam gemacht und so dazu beigetragen, dass dieser nicht aus dem Gedächtnis der Stadt verschwinde.