Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Brandenburg stagniert auf hohem Niveau. Das geht aus dem am Montag in Potsdam vorgestellten Jahresbericht der »Fachstelle Antisemitismus Brandenburg« hervor, der für 2025 insgesamt 461 antisemitische Vorfälle verzeichnet. Das seien 23 weniger als 2024. Gegenüber 2022, als 204 Vorfälle registriert wurden, hat sich die Zahl der registrierten Vorfälle damit mehr als verdoppelt.
»Jeder einzelne Fall ist einer zu viel«, sagte der Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, Johannes Wagner. »Es ist nicht nur die Menge, die uns Sorgen machen muss: Der Antisemitismus wird öffentlicher, gerade über die Sozialen Medien und das Internet, und er wird unverhohlener.«
Viele Fälle aus rechtsextremem Milieu
Unter den 2025 registrierten Vorfällen haben 208 einen rechtsextremistischen Hintergrund. »Etwa jeder zweite Fall ist aus diesem Milieu, das nach wie vor eine ernsthafte und wachsende Bedrohung darstellt«, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, Dervis Hizarci. Sie betreibt die Fachstelle im Auftrag des Landes Brandenburg.
84 Fälle hatten demnach einen antiisraelischen Hintergrund, 15 kamen aus »verschwörungsideologischen Milieus«. In zehn Fällen gab es einen islamistischen und in neun Fällen einen linken Hintergrund. In 134 Fällen sei die Tat nicht zuzuordnen gewesen. In 366 gab es verletzendes Verhalten; in 58 wurden Bedrohungen registriert, in 43 gezielte Sachbeschädigung. 18 mal kam es zu Angriffen, 17 mal antisemitische Massenzuschriften. Einmal wurde »extreme Gewalt« registriert.
Dunkelziffer wohl deutlich höher
Das Land Brandenburg hat seit 2022 die Bekämpfung des Antisemitismus und die Förderung jüdischen Lebens als Staatsziel in seiner Verfassung verankert. Hizarci sagte, dass die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Fälle deutlich höher liegen dürfte.
Antisemitismus erlebten Menschen im Internet, nach dem Besuch von Synagogen, an Bahnhöfen oder auf dem Schulweg. Auch in den Gästebüchern der Gedenkstätten fänden sich immer wieder antisemitische Einträge. Jüdinnen und Juden berichteten heute mehr denn je, dass sie Solidarität im Land vermissen.
Dazu beobachtet die Fachstelle nach eigenen Angaben eine zunehmende Enthemmung. Aussagen wie »Tötet alle Juden!« oder »Dich sollte man vergasen« würden mittlerweile öffentlich gerufen.