England

Brandanschlag in London verstärkt Angst in jüdischer Gemeinschaft

Der Tatort in Golders Green Foto: picture alliance / empics

Nach einem antisemitischen Brandanschlag auf mehrere Rettungsfahrzeuge in London berichten Vertreter der jüdischen Gemeinschaft von wachsender Verunsicherung und einem zunehmenden Gefühl der Isolation. Die Publikation »The Independent« berichtete.

Die Tat ereignete sich in der Nacht zum Montag im Stadtteil Golders Green. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um ein Hassverbrechen. Videoaufnahmen sollen zeigen, wie mehrere Täter in den frühen Morgenstunden ein Fahrzeug anzündeten. Verletzt wurde niemand, dennoch hat der Vorfall in der Gemeinschaft tiefe Spuren hinterlassen.

Mark Gardner, Leiter der Organisation Community Security Trust (CST), die antisemitische Vorfälle im Vereinigten Königreich dokumentiert, beschreibt eine seit längerem angespannte Lage. Viele Juden hätten ihr Verhalten im Alltag bereits angepasst. »Die Menschen sind vorsichtig, welchen Namen sie angeben, wenn sie ein Uber-Fahrzeug bestellen«, sagte er. Auch gebe es Sorgen, in Krankenhäusern schlechter behandelt zu werden, wenn die eigene jüdische Identität bekannt werde.

Mehrere tausend antisemitische Zwischenfälle

Solche Überlegungen zeigten, wie stark antisemitische Stimmungen inzwischen den Alltag beeinflussten. »Das sind Dinge, bei denen die Sorge über das Ausmaß des Antisemitismus die Würde britischer Juden beeinträchtigt«, erklärte Gardner laut »The Independent«.

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Statistiken untermauern diese Wahrnehmung. Jüdische Menschen sind laut offiziellen Zahlen überproportional häufig Ziel religiös motivierter Hasskriminalität. Auch die vom CST erfassten Vorfälle bewegen sich auf hohem Niveau: Im vergangenen Jahr wurden mehrere tausend antisemitische Zwischenfälle registriert – einer der höchsten Werte seit Beginn der Erhebungen.

Die Entwicklung steht im Zusammenhang mit den Ereignissen seit dem 7. Oktober 2023 und den darauffolgenden Konflikten im Nahen Osten. Laut Gardner hat dies zu einem deutlichen Anstieg antisemitischer Angriffe in Großbritannien geführt und zugleich das Gefühl verstärkt, gesellschaftlich isoliert zu sein. »Britische Juden sind entschlossen, ihr Leben so zu führen, wie sie es wollen. Aber gleichzeitig treffen viele Vorsichtsmaßnahmen – und niemand sollte ihnen das vorwerfen«, sagte er laut Bericht.

Kritik an fehlender Solidarität

Neben der Bedrohungslage sorgt auch die öffentliche Reaktion für Unmut. Gardner beklagte, dass Teile der Medien und der Aktivistenszene nicht die Unterstützung zeigten, die sich viele in der jüdischen Gemeinschaft erhofften. Zwar gebe es Rückhalt durch Regierung und Polizei, doch aus anderen Bereichen der Gesellschaft komme oft wenig Resonanz.

Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf jüngste Ermittlungen gegen mutmaßliche iranische Spione mit Bezug zur jüdischen Gemeinschaft. Die Reaktionen darauf seien verhalten ausgefallen. »Der Unterschied wäre gravierend, wenn es um andere Gruppen ginge«, sagte er.

Auch lokale Vertreter reagierten mit Besorgnis. Damon Hoff von der betroffenen Synagoge sprach von einem Angriff auf grundlegende Werte. »Wenn man einen Ort des Gebets und Rettungsfahrzeuge angreift, trifft man den Kern dessen, was dieses Land ausmacht«, sagte er dem »Independent«. Zugleich betonte er: »Die Gemeinschaft fühlt sich verletzlich und verängstigt, aber wir werden uns davon nicht unterkriegen lassen.« im

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