Eisenach

Bewaffnete Täter verschandeln Synagogen-Gedenkstätte

Bei den mutmaßlichen Tätern wurden ein Elektroschocker, ein Schlagring, Sturmhauben und Kopfbedeckungen mit Symbolen verfassungswidriger Organisationen gefunden. Foto: dpa

Eisenach

Bewaffnete Täter verschandeln Synagogen-Gedenkstätte

Die jugendlichen Verdächtigen konnten noch in Tatortnähe von der Polizei festgestellt werden

 08.10.2018 16:55 Uhr

Eine Gruppe Jugendlicher hat in der Nacht zum Sonntag die Synagogen-Gedenkstätte in Eisenach mit rechtsextremistischen Aufklebern verschandelt. Die Tatverdächtigen konnten noch in Tatortnähe festgestellt werden, teilte die Polizei in Gotha am Montag mit.

Bei den vier 16- bis 20-Jährigen, darunter eine Frau, seien weitere Aufkleber sowie Sturmhauben und Kopfbedeckungen mit Symbolen verfassungswidriger Organisationen, ein Elektroschocker und ein Schlagring gefunden worden.

Ursachen Die Jüdische Landesgemeinde bedankte sich bei der Polizei für die schnelle Aufklärung der Tat. Ihr Vorsitzender Reinhard Schramm kündigte an, an einem Prozess gegen die vier jungen Leute teilnehmen zu wollen.

Mehr als das Urteil interessierten ihn Ursachen und Motivation der Jugendlichen, die die Erinnerung an die Synagoge zerstören wollten, sagte er. »Es ist für uns sehr traurig. Ich glaube, es tut auch manchen unserer nichtjüdischen Nachbarn weh. Aber Traurigkeit und Mitleid werden nicht reichen«, sagte Schramm.

Schramm sieht die Tat als weiteres Beispiel für den wiedererstarkenden Antisemitismus in Deutschland und Europa. »Ich hatte einst geglaubt, die Opfer unserer Familien wären eine ewige Mahnung gegen Antisemitismus«, sagte Schramm, der regelmäßig zu Vorträgen und Gesprächen mit rechtsextremen Straftätern in das Jugendgefängnis Arnstadt kommt.

Respekt Leider gewähre man nicht einmal den verwaisten Friedhöfen und zerstörten Synagogen Frieden und Respekt. »Soll unsere Jugend in Deutschland bleiben, wenn ihr schon wieder ihre Geburt übelgenommen wird«, fragte der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde.

Eine Synagoge existierte in Eisenach bereits seit dem Mittelalter. 1885 wurde ein neues jüdisches Gotteshaus in der heutigen Karl-Marx-Straße eingeweiht. In der Pogromnacht am 9. November 1938 drangen Mitglieder der Hitler-Jugend und der SA in die Synagoge ein, zerstörten das Mobiliar und plünderten die Ritualgegenstände.

Gegen 22.30 Uhr wurde das Gebäude in Brand gesetzt. Die Ruine wurde kurz darauf abgetragen. Heute erinnert hier unter anderem ein Gedenkstein an die frühere Synagoge und die einstige große jüdische Gemeinschaft in der Stadt.

Einbruch Erst kürzlich hatten Verbände in Thüringens Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt angesichts der Zunahme rechtsextremistischer und antisemitischer Gewalt im Allgemeinen und nach einem Einbruch bei der Jüdischen Gemeinde zu Dessau im Besonderen bessere Schutzmaßnahmen gefordert.

Ende September waren Unbekannte in die Räume der über 500 Mitglieder zählenden Gemeinde in Dessau eingebrochen. Bei dem Vorfall wurden Türen eingeschlagen, mehrere Büroräume verwüstet und religiöse Gegenstände wie Kippot respektlos auf dem Boden verstreut. epd

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