Ein Bericht der frankokanadischen Tageszeitung »La Presse« über Auftritte israelischer Soldaten an jüdischen Privatschulen in Montreal sorgt für heftige Reaktionen – politisch wie innerhalb der betroffenen Familien. Mehrere Eltern erklärten gegenüber »The Jerusalem Post«, sie seien »entsetzt« und »verängstigt«, nachdem ihre Schulen prominent ins Visier geraten seien.
Im Zentrum der Debatte stehen staatlich subventionierte jüdische Bildungseinrichtungen wie die Herzliah High School in Montréal und die Bialik-Schulen in Côte-Saint-Luc. Laut dem Zeitungsbericht traten dort seit Herbst 2023 wiederholt aktive oder ehemalige Angehörige der israelischen Armee (IDF) als Gastredner auf. Kritiker argumentieren, öffentlich geförderte Schulen dürften während eines laufenden Krieges keine Plattform für militärnahe Beiträge bieten.
Quebecs Bildungsministerin Sonia LeBel sprach von einer »äußerst besorgniserregenden Situation«. Ihr Ministerium prüfe, ob die Schulen gegen Auflagen zur politischen Neutralität verstoßen hätten. Öffentliche Gelder dürften ausschließlich für Bildungsleistungen verwendet werden, hieß es aus dem Ressort.
Schulen verweisen auf Gedenken an 7. Oktober
Mit Ausnahme der Liberalen Partei von Quebec reagierten alle Parteien in der Nationalversammlung empört. Die Abgeordnete Ruba Ghazal von Québec solidaire nannte es »skandalös«, dass mit öffentlichen Mitteln finanzierte Schulen Soldaten eines ausländischen Militärs einlüden. Auch die Parti Québécois sprach von einem inakzeptablen Vorgang. Vertreter der Liberalen mahnten hingegen Zurückhaltung an und verwiesen auf die laufende Prüfung.
Die betroffenen Einrichtungen weisen den Vorwurf politischer Propaganda zurück. Die Einladungen seien Teil von Gedenk- und Bildungsformaten rund um die Ereignisse des 7. Oktober gewesen. So nahmen Schüler an einem Virtual-Reality-Projekt teil, das die Angriffe jenes Tages dokumentierte. Zudem berichteten einzelne Referenten über persönliche Erfahrungen – darunter auch ein muslimischer israelischer Polizist, der von seinen Einsätzen erzählte.
Eine Schule erklärte, die betreffenden Veranstaltungen seien nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert worden. Man halte es für legitim, Persönlichkeiten einzuladen, die eine Verbindung zwischen Israel und der jüdischen Jugend in Kanada stärken. Israel sei eine Demokratie mit Wehrpflicht. Es sei »absurd«, ehemaligen Soldaten grundsätzlich den Austausch zu verwehren.
Eltern sprechen von Gefährdung
Mehrere Eltern äußerten weniger Sorge über die Inhalte als über die öffentliche Bloßstellung. »Nicht die Besuche schockieren mich, sondern dass unsere Schulen auf der Titelseite erscheinen und damit unsere Kinder in Gefahr bringen«, sagte ein Vater. Seine Kinder trügen Schuluniformen und seien im Alltag leicht als Schüler der betroffenen Einrichtungen zu erkennen. »Ich habe Angst. Sehr große Angst.«
Ein Großelternteil sprach von einem Gefühl, es gebe »einen Krieg gegen unsere Kinder«. Erst seien jüdische Sommercamps angegriffen worden, nun die Schulen. In den vergangenen Monaten hatten israelfeindliche Gruppen in Kanada zu Protesten gegen Einrichtungen aufgerufen, denen sie »explizite Unterstützung für das israelische Militär« vorwerfen.
Das Centre for Israel and Jewish Affairs (CIJA) kritisierte die Berichterstattung scharf. In einer Stellungnahme hieß es, angesichts wachsender extremistischer Bedrohungen sei es unverantwortlich, ein Dossier zu veröffentlichen, das an eine »Hexenjagd« erinnere. Die Darstellung kultureller oder sportlicher Aktivitäten unter militärischem Blickwinkel schüre Verschwörungstheorien über die jüdische Gemeinschaft.
Bereits zuvor hatten israelfeindliche Aktivisten Listen mit angeblichen Verbindungen kanadischer Einrichtungen zu israelischen Soldaten veröffentlicht. Vertreter jüdischer Organisationen warnten, solche Verzeichnisse könnten als Zielkatalog für feindselige Akteure dienen. im