München

Bayern: Zahl antisemitischer Vorfälle bleibt auf Rekordhoch

Annette Seidel-Arpacı leitet RIAS Bayern. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Bayern bleibt weiter auf Rekordhoch. 2025 verzeichnete die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Bayern 1551 antisemitische Vorfälle im Freistaat. 2024 waren es 1526 gewesen. Vermehrt seien Online-Bedrohungen mit teils expliziten und potenziell strafbaren Gewaltaufrufen dokumentiert worden, teilte RIAS zur Vorstellung des neuen Jahresberichts in München mit.

Insbesondere online werde oft ganz unverblümt gegen »die Juden« gehetzt, erläuterte RIAS-Bayern-Leiterin Annette Seidel-Arpacı. »Antisemitische Ausdrucksformen wurden enthemmter, bedrohlicher und direkter.«

Unter den dokumentierten Fällen war auch ein Fall extremer Gewalt: In einer Coburger Asylbewerberunterkunft soll ein Bewohner einen Mann mit einem Messer angegriffen und verletzt haben, weil er diesen fälschlicherweise für einen Juden hielt - das geht aus dem neuen Jahresbericht hervor.

Etablierter Judenhass

Zudem registrierte RIAS 14 Angriffe, 22 gezielte Sachbeschädigungen, 78 Bedrohungen, zehn Massenzuschriften und 1426 Fälle verletzenden Verhaltens. Darunter werden antisemitische Äußerungen gegenüber jüdischen oder israelischen Personen oder Institutionen gefasst, aber auch antisemitische Beschimpfungen oder Kommentare gegenüber anderen.

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Die Zahl der Online-Vorfälle stieg von 385 auf 827. Es gab Beschimpfungen, Bedrohungen und Gewaltaufrufe. »Das gesellschaftliche Tabu des öffentlich geäußerten Judenhasses scheint zunehmend einzubrechen«, sagte Seidel-Arpacı.

»Die antisemitische Radikalisierung ist alarmierend: 1551 dokumentierte Fälle sind erschreckend. Jeder Fall ist einer zu viel«, erklärte Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU). Der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle betonte: »Wir müssen Jüdinnen und Juden vor dem wachsenden Hass von Rechts- und Linksextremen sowie von Islamisten schützen.«

»Permanente Unsicherheit«

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte: »Jüdinnen und Juden in Bayern müssen seit zweieinhalb Jahren in permanenter Unsicherheit leben.« Er warnte: »Der Judenhass hat sich in Deutschland etabliert, und nur enorme Kraftanstrengungen können diesen Trend umkehren.«

Die Zahl der antisemitischen Vorfälle schnellte seit dem Hamas-Massaker im Oktober 2023 und dem anschließenden Gaza-Krieg drastisch in die Höhe. Justizminister Georg Eisenreich (CSU) teile mit, im vergangenen Jahr seien in Bayern 906 neue Ermittlungsverfahren wegen antisemitischer Straftaten eingeleitet worden. Gleichzeitig gab es demnach 203 Verurteilungen. dpa

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