Weißes Haus

Autonomiebehörde zu unglaubwürdig, um Gaza zu regieren

John Kirby, Koordinator für Strategische Kommunikation des Nationalen Sicherheitsrates der USA Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

John Kirby, der Koordinator für Strategische Kommunikation des Nationalen Sicherheitsrates der Vereinigten Staaten von Amerika, hat in einem Interview mit dem Fernsehkanal ABC über die Zukunft des Gazastreifens gesprochen. Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) habe nicht die erforderliche Glaubwürdigkeit, um den Küstenstreifen regieren zu können, erklärte er.

»Wie auch immer die zukünftige Regierung in Gaza aussehen mag: Sie muss auf die Bestrebungen des palästinensischen Volkes eingehen«, erklärte Kirby. »Im Moment ist die PA nicht glaubwürdig genug für diese Aufgabe.«

Erst Anfang November hatte US-Außenminister Antony Blinken sich noch für eine Beteiligung der Autonomiebehörde an der Regierung ausgesprochen. Eine »effektive und neu belebte Palästinensische Autonomiebehörde« wäre die beste Lösung für den Gazastreifen, so Blinken.

Die neue Position der USA deckt sich zum Teil mit Aussagen von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Er hatte zuvor erneut betont, die PA dürfe nach dem Krieg nicht nach Gaza zurückkehren. Sie hatte dort im Jahr 2007 einen Machtkampf und Wahlen gegen die Terrorgruppe Hamas verloren.

Nicht demokratisch legitimiert

Wahlen gab es seither nicht mehr. Weder ist die Terrorgruppe Hamas demokratisch legitimiert, noch Palästinenserpräsident Abbas. Er wurde vor 18 Jahren für vier Jahre gewählt. Seither fanden keine Wahlen mehr statt.

In dem Fernsehinterview betonte John Kirby, es gehe nicht darum, Palästinenser davon abzuhalten, Gaza zu regieren. Das Problem sei vielmehr der Zustand der Autonomiebehörde.

»Netanjahu hat gesagt, dass es im Moment eine unreformierte PA gibt, und das sei für ihn inakzeptabel. Auch für uns ist dies inakzeptabel«, betonte Kirby. »Wir glauben nicht, dass die Palästinensische Autonomiebehörde derzeit in der Lage ist, eine glaubwürdige Kontrolle über die Regierungsführung in Gaza zu haben, wie auch immer diese aussehen mag«, sagte er.

»Revitalisierung« der Autonomiebehörde

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin einer der engsten Partner und Unterstützer Israels. Bei den Vereinten Nationen votieren sie im Gegensatz zu Deutschland gegen so gut wie alle Anti-Israel-Resolutionen. Auch diplomatisch erfährt Israel viel Unterstützung aus Washington.

US-Vizepräsidentin Kamala Harris äußerte sich ebenfalls zur Situation in Gaza. »Die Hamas kann Gaza nicht mehr kontrollieren und Israel braucht Sicherheit«, sagte sie vor ihrer Abreise von der Klimakonferenz COP28 in den Vereinigten Arabischen Emiraten, bevor sie telefonisch mit Israels Präsident Isaac Herzog und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach.

Eine »Revitalisierung« der Palästinensischen Autonomiebehörde sei ebenso erforderlich wie die Umsetzung einer Zwei-Staaten-Lösung. Im Gegensatz zu Kirby gab sie an, die Sicherheitskräfte der PA müssten gestärkt werden, um eine Verantwortung in Gaza wahrnehmen zu können. Bis dahin müsse es eine Übereinkunft bei der Sicherheit geben, die sowohl für Israel, als auch die Bevölkerung Gazas, die Autonomiebehörde und die internationalen Partner akzeptabel sei. im



Nahost

Wie der Konflikt im Libanon den US-Deal mit Iran gefährdet

Der Gesprächsbeginn zwischen Washington und Teheran in der Schweiz lässt auf sich warten. Derweil spitzt sich die Lage zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon zu. Es gibt Tote auf beiden Seiten

von Hans Dahne, Christoph Meyer, Mathis Richtmann  19.06.2026

Meinung

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Berlin

Nouripour zu Iran-Rahmenabkommen: »Weg in Normalität für Regime«

Ist das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ein Weg in den Frieden? Bundestagsvizepräsident Nouripour bezweifelt das. Die Übereinkunft gebe dem Iran vielmehr »eine andere Legitimität«

 19.06.2026

Bayreuth

Bayreuther Gedenkveranstaltung mit Michel Friedman soll nun doch stattfinden

Eine Gedenkveranstaltung zum Bayreuther Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Michel Friedman und Charlotte Knobloch zeigen sich entsetzt – jetzt rudert das weltbekannte Opernfestival zurück

 19.06.2026

Washington D.C.

Republikaner kritisieren Trumps Iran-Abkommen ungewöhnlich scharf

»Die Geschichte zeigt, dass es eine außergewöhnlich schlechte Idee ist, Milliarden Dollar an theokratische Verrückte zu geben, die uns ermorden wollen«, sagt Senator Ted Cruz

 19.06.2026

Wahlkampf in Israel

Trump signalisiert Unterstützung für Netanjahu

»Ich werde mir ansehen müssen, wer kandidiert, aber ich mag Bibi sehr«, sagt der amerikanische Präsident

 19.06.2026

Genf

Absage aus Bern: Heute keine USA-Iran-Gespräche

Abkommen unterzeichnet, Treffen abgesagt: Die geplante Gesprächsrunde in der Schweiz findet heute doch nicht statt

 19.06.2026

Bayreuth

Scharfe Kritik nach abgesagter Gedenkveranstaltung

Eine Gedenkveranstaltung zum Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Charlotte Knobloch ist entsetzt über die Bayreuther Festspiele

 19.06.2026

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026