NS-Unrecht

»Authentische Stimme«

Rüdiger Mahlo Foto: Marco Limberg

Herr Mahlo, im ARD-»Polizeiruf« am Sonntag ging es um die Restitution eines Hauses einer jüdischen Familie, deren Mitglieder fast alle in der Schoa ermordet wurden. Wie realitätsgetreu fanden Sie den Film?
Er war, wie ich finde, gut gemacht. Sowohl der Überlebende als auch seine Tochter kamen authentisch rüber. Die Geschichte beschreibt nuanciert eine Situation, die unzählige Juden in der BRD und nach dem Ende der DDR persönlich erlebt haben, als sie versuchten, Vermögensansprüche geltend zu machen.

Wissen die Deutschen heute besser Bescheid über das Thema Entschädigung?
Im allgemeinen Bewusstsein ist das nicht verankert. Sichtbar wird das im Film in der Figur der Kommissarin. Sie sagt lakonisch, dass »Vergangenheitsgewühle« nicht so ihr Ding sei. Den wenigsten ist bewusst, dass es sich bei Restitutionsfragen um NS-Unrecht handelt und dieser Unrechtszustand bis heute andauert. Solche Filme helfen, ein abstraktes, oft unbekanntes Thema für die Breite verständlich und bewusst zu machen.

Gibt es Zahlen, wie viele Gebäude in Deutschland heute noch bewohnt sind, die vor 1945 Juden gehörten?
Leider nicht im Detail. Um Ihnen aber eine Größenordnung zu geben: Der Berliner Generalbauinspektor erfasste damals das gesamte jüdische Grundvermögen in der Stadt ab 1939. Diese akribisch geführte Liste enthält weit mehr als 7000 Einzel­einträge, Mehr- und Einfamilienhäuser, Villen, Geschäftsgebäude bis hin zur letzten Laube. Wie viele davon den Krieg überdauert haben und heute noch bewohnt sind, ist uns aber nicht bekannt.

Bekommen Sie noch Anfragen von Überlebenden oder deren Nachfahren hinsichtlich von Eigentum in Deutschland?
Ja, regelmäßig. Dabei sind es oft Anfragen der Erben. Nach dem Tod der Überlebenden entdecken sie oft Dokumente über Vermögen und Eigentum, das von Nazis entzogen wurde. Rechtliche Möglichkeiten, das Vermögen zurück oder eine Entschädigung dafür zu bekommen, gibt es nach heutiger Gesetzeslage aber nicht mehr.

Die Claims Conference existiert seit 70 Jahren. Was hat sie in dieser Zeit erreicht, und worauf liegt künftig Ihr Hauptaugenmerk?
Erstmals in der Geschichte haben dank der Arbeit der Claims Opfer eines Völkermordes individuelle Anerkennungsleistungen erhalten. In jahrelangen Verhandlungen mit der Bundesregierung gelang es zudem, allen zuvor nicht berücksichtigten Gruppen wie zum Beispiel Überlebenden aus der früheren Sowjetunion Leistungen zukommen zu lassen. Viele hochbetagte Überlebende sind einsam und bedürftig. Um ihnen einen Lebensabend in Würde zu ermöglichen, haben wir ein weltweites Fürsorgeprogramm aufgelegt. Außerdem haben wir begonnen, die authentische Stimme der Überlebenden auch für künftige Generationen hörbar zu machen.

Mit dem Repräsentanten der Claims Conference in Deutschland sprach Michael Thaidigsmann.

Potsdam

Linke sucht Kontakt mit Juden im Kampf gegen Antisemitismus

Der Partei wird immer wieder Antisemitismus vorgeworfen. Nun heißt es in einem Beschluss, dass der Parteivorstand mit jüdischen Verbänden in den Austausch gehen soll

 21.06.2026

Luzern

US-Vizepräsident Vance sieht »große Fortschritte« in Iran-Verhandlungen

In der Schweiz wird über ein Ende des Iran-Kriegs verhandelt. US-Vizepräsident Vance bewertet den Auftakt der Gespräche offenbar als Erfolg

 21.06.2026

Teheran

Iran: Verhandlungen mit USA auf einen Tag begrenzt

Die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington in der Schweiz wurden mit Spannung beobachtet. Nun dämpft der Iran die Erwartungen

 21.06.2026

Meinung

Die Linkspartei ist für Juden unwählbar geworden

Jede Hoffnung, »Die Linke« könnte ein vernünftiger Partner werden, wurde enttäuscht. Die Partei unterstützt konsequent die Kräfte, die jüdisches Leben unmöglich machen wollen

von Sigmount A. Königsberg  21.06.2026

Berlin

Mann mit Kippa beleidigt und bespuckt

Laut eines Medienberichts kam es am Samstag in Berlin-Charlottenburg zu einem antisemitischen Vorfall

 21.06.2026 Aktualisiert

Kiew

Selenskyj schickt polnischen Orden zurück

Weil er eine Einheit ehrt, die im Zweiten Weltkrieg Massaker an Polen und Juden begangen hat, entzieht Polens Präsident Nawrocki dem ukrainischen Staatschef Selenskyj die höchste Auszeichnung des Landes. Der schickt den Orden jetzt per Post zurück

 21.06.2026

Potsdam

Neuer Linken-Chef: Kein Unterschied zwischen CDU »und den Faschisten selbst«

Luigi Pantisano sorgte am Wochenende auf dem Linken-Parteitag in Brandenburg mit einer Aussage für Empörung. Kurz darauf wurde er mit lediglich 53 Prozent zum Co-Vorsitzenden der Partei gewählt

 21.06.2026

Luzern

Gespräche zwischen Iran und USA starten

Es geht um Teherans Atomprogramm und ein Ende der Kämpfe zwischen der Terrormiliz Hisbollah und Israel: Heute wollen Vertreter der USA und des Irans in der Schweiz Lösungen für diese heiklen Probleme näherkommen

 21.06.2026

Essay

Fallstricke des Wokeismus

Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte bilden ein berechtigtes Korrektiv, aber was über Israel verbreitet wird, bedarf grundlegender Korrekturen

von Richard Blättel  20.06.2026