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Neuerscheinung

»Aus den Fugen geraten«: Neues Buch zur Lage von Juden heute

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, am Dienstag bei der Vorstellung der Broschüre »Die Umsturzpartei - Wie die AfD unsere Demokratie gefährdet« Foto: picture alliance/dpa

»Es ist etwas aus den Fugen geraten in diesem Land«: Das ist der Titel eines neuen Buchs, das Reden, Interviews und Beiträge von Josef Schuster versammelt. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland spannt einen zeitlichen und thematischen Bogen vom 7. Oktober 2023 bis zum 27. Januar 2025. Also vom Tag des Massakers der Terrororganisation Hamas in Israel bis zum 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz. Der Vorsitzende der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert, steuerte das Vorwort bei.

Der Titel des Buchs aus dem Freiburger Herder Verlag stammt aus einer Rede Schusters vom 9. November 2023 zum Gedenken an die gegen Juden gerichteten Novemberpogrome der Nazis. Die Feststellung, dass etwas aus den Fugen geraten sei, sei heute »leider nicht weniger wahr, als sie es damals war«, schreibt Schuster jetzt einleitend zu dem Buch.

»Wütender Mob«

Und: Immer wieder überlagere sich das Gedenken an die Nazi-Verbrechen mit dem Terror des 7. Oktober - »dem Pogrom unserer Zeit« - und mit einem in der Bundesrepublik nie dagewesenen Judenhass sowie einer »entfesselten Israelfeindlichkeit«, so Schuster. »Auch das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland ist dadurch aus den Fugen geraten.«

Er verweist immer wieder auf gestiegenen Antisemitismus, auch im unmittelbaren privaten Umfeld von Jüdinnen und Juden hierzulande. Schuster schreibt von einem »wütenden Mob«. Für 2023, also das Jahr des Massakers vom 7. Oktober, meldete das Bundeskriminalamt einen Höchststand bei der Zahl antisemitisch motivierter Straftaten mit 5.164 Delikten in Deutschland.

60 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

Schuster bilanziert: »Noch immer verstehen zu viele gesellschaftliche und politische Akteure nicht, dass die Lebensrealität für Juden in Deutschland kein Grundkurs in politischer Theorie ist.« Auch sei es beunruhigend, dass aus gesellschaftlichen Debatten eine Mäßigung und Gelassenheit zu verschwinden drohten. Aus einem zu rauen Ton entwickele sich zunehmend eine Akzeptanz von Radikalität.

Auch Lammert zeichnet Ausprägungen von Antisemitismus und dessen Folgen nicht nur hierzulande nach: Störaktionen an Universitäten, Sportturniere unter Polizeischutz, gecancelte Wissenschaftler. Alles im 60. Jahr des Bestehens der deutsch-israelischen Beziehungen. Solidaritätsadressen seien leicht formuliert - der »Realitätstest« finde jedoch im Alltag statt.

Das Buch »Etwas ist aus den Fugen geraten in diesem Land« erscheint heute im Herder-Verlag.

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