Nachrichten

Antisemitismus, Zoom-Störungen, Studie

»Zoom-Bombing« in Düsseldorf Foto: pr

Nachrichten

Antisemitismus, Zoom-Störungen, Studie

Meldungen aus Politik

 30.04.2020 09:07 Uhr

Antisemitismus in Sachsen-Anhalt
Nicht erst seit dem rechtsextremen Terroranschlag in Halle im Oktober 2019 ist Antisemitismus für Juden in Sachsen-Anhalt alltagsprägend. Das geht aus einer Befragung jüdischer Gemeinden hervor, die der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Bundesverband RIAS) am Montag vorstellte. In der Studie mit dem Titel »Problembeschreibung: Antisemitismus in Sachsen-Anhalt« gaben die Befragten an, dass subtile und unterschwellige Formen von Antisemitismus mit Bezug zur Schoa oder zu Israel ihren Alltag prägen würden. Die Bereitschaft, antisemitische Erfahrungen anzuzeigen oder zivilgesellschaftlichen Organisationen zu melden, wird von den Befragten als niedrig angegeben. Aufgrund des Terroranschlags im Oktober in Halle ergeben sich neue Herausforderungen für die jüdischen Gemeinden, wie eine schriftliche Nachbefragung offenbarte. Für den Zeitraum 2014 bis 2018 wertete der Bundesverband RIAS zudem 334 antisemitische Vorfälle aus, von verbalen und schriftlichen Anfeindungen über Bedrohungen und gezielte Sachbeschädigungen bis hin zu körperlichen Angriffen, von denen 270 auch polizeilich registriert wurden. In 63 Prozent der 334 strafbaren und nichtstrafbaren Vorfälle wurde die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen angegriffen oder ein positiver Bezug zum Nationalsozialismus festgestellt. Die »Problembeschreibung« mündet in die Empfehlung, auch in Sachsen-Anhalt eine zivilgesellschaftliche Meldestelle für antisemitische Vorfälle und damit eine leichtere Erreichbarkeit für Betroffene einzurichten.  ja

Zoom-Störungen durch Nazis
Mit Nicknames wie »Hitler« oder auf den Bildschirm gezeichneten Hakenkreuzen haben Rechtsextremisten in den vergangenen Tagen mindestens vier Gebete und Torastunden gestört, die von Rabbinern in Deutschland per Zoom abgehalten wurden. Rund um den 20. April, den Jahrestag des Geburtstags von Adolf Hitler, drangen die Täter in Online-Veranstaltungen der orthodoxen Rabbiner Avichai Apel und Raphael Evers ein. In Frankfurt war eine Gruppe von etwa 15-jährigen Mädchen aus ganz Deutschland betroffen, die gemeinsam online Tora lernten. »Sie haben die Kontrolle über das Meeting übernommen. Sie schrien ›Jude, Jude‹, gleichzeitig zeichneten sie Hakenkreuze auf den Bildschirm«, sagte Rabbiner Apel der Jüdischen Allgemeinen. Er habe das Meeting sofort beendet. Ähnliches berichtete der Düsseldorfer Gemeinderabbiner Raphael Evers. »Wir hatten am Sonntagabend einen Schiur auf Zoom. Etwa zehn Leute haben daran teilgenommen, die meisten von ihnen Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.« Um 21 Uhr 35 kam ein neuer Teilnehmer dazu. »Der Bildschirm teilte sich, und der Mann schrieb darauf: ›Heil Hitler‹ und ›Hitler did nothing wrong‹. Zum Schluss wurden auch pornografische Bilder gezeigt.« Er sei vollkommen geschockt gewesen, sagte Rabbiner Evers. »Ich konnte einfach nicht glauben, dass das passiert. Ich war wie gelähmt. Ich wollte das Meeting beenden, aber es dauerte eine Minute, bis ich den Aus-Knopf gefunden hatte.« Er werde jetzt keine IDs mehr für Zoom-Meetings veröffentlichen. »Wir müssen jetzt alle Teilnehmer vorab kontrollieren«, so Evers. In den vergangenen Wochen ist es laut der amerikanischen Anti-Defamation League häufiger zu ähnlichen Störaktionen (»Zoom-Bombing«) rechtsextremer Aktivisten gekommen.  ja

Studie zu Juden in der AfD
Eine Studie des Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrums zu »Juden in der AfD« (JAfD) kommt zu dem Schluss, dass beim Bemühen der AfD, rassistische, radikalnationalistische, antisemitische und islamfeindliche Positionen und Parolen wieder »sagbar« zu machen, den »Juden in der AfD« eine gewisse Rolle zukomme. »Die JAfD dienen in allererster Linie dem Parteivorstand bei seinem Bestreben, die AfD als nicht rechtsextrem und nicht antisemitisch darzustellen, ohne am politischen Kurs und der personellen Zusammensetzung der Partei substanziell etwas zu ändern«, schreibt Gideon Botsch, Leiter der mit der Studie betrauten Forschungsstelle. Eine wesentliche Funktion der JAfD bestehe darin, jüdische und israelische Kritiker der AfD zu delegitimieren, indem ihnen abgesprochen werde, für das Judentum oder für Israel sprechen zu dürfen.  ja

Washington

Trump: Iran muss sofort seine Stellvertreter im Libanon stoppen

Der Iran muss seine Proxys im Libanon unter Kontrolle bringen, fordert Trump. Andernfalls müsse Teheran mit harten Konsequenzen rechnen

 21.06.2026

Potsdam

Linke sucht Kontakt mit Juden im Kampf gegen Antisemitismus

Der Partei wird immer wieder Antisemitismus vorgeworfen. Nun heißt es in einem Beschluss, dass der Parteivorstand mit jüdischen Verbänden in den Austausch gehen soll

 21.06.2026

Iran-Verhandlungen

US-Vizepräsident Vance sieht »große Fortschritte«

In der Schweiz wird über ein Ende des Iran-Kriegs verhandelt. US-Vizepräsident Vance bewertet den Auftakt der Gespräche offenbar als Erfolg

 21.06.2026

Teheran

Iran: Verhandlungen mit USA auf einen Tag begrenzt

Die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington in der Schweiz wurden mit Spannung beobachtet. Nun dämpft der Iran die Erwartungen

 21.06.2026

Meinung

Die Linkspartei ist für Juden unwählbar geworden

Jede Hoffnung, »Die Linke« könnte ein vernünftiger Partner werden, wurde enttäuscht. Die Partei unterstützt konsequent die Kräfte, die jüdisches Leben unmöglich machen wollen

von Sigmount A. Königsberg  21.06.2026

Berlin

Mann mit Kippa beleidigt und bespuckt

Laut eines Medienberichts kam es am Samstag in Berlin-Charlottenburg zu einem antisemitischen Vorfall

 21.06.2026 Aktualisiert

Kiew

Selenskyj schickt polnischen Orden zurück

Weil er eine Einheit ehrt, die im Zweiten Weltkrieg Massaker an Polen und Juden begangen hat, entzieht Polens Präsident Nawrocki dem ukrainischen Staatschef Selenskyj die höchste Auszeichnung des Landes. Der schickt den Orden jetzt per Post zurück

 21.06.2026

Potsdam

Neuer Linken-Chef: Kein Unterschied zwischen CDU »und den Faschisten selbst«

Luigi Pantisano sorgte am Wochenende auf dem Linken-Parteitag in Brandenburg mit einer Aussage für Empörung. Kurz darauf wurde er mit lediglich 53 Prozent zum Co-Vorsitzenden der Partei gewählt

 21.06.2026

Luzern

Gespräche zwischen Iran und USA starten

Es geht um Teherans Atomprogramm und ein Ende der Kämpfe zwischen der Terrormiliz Hisbollah und Israel: Heute wollen Vertreter der USA und des Irans in der Schweiz Lösungen für diese heiklen Probleme näherkommen

 21.06.2026