Schleswig-Holstein

Antisemitismus im Norden

Der Kieler Hafen Foto: imago

Neun jüdische Gemeinden gibt es in Schleswig-Holstein, und laut den Zahlen der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) sind nur knapp 1900 der 2,9 Millionen Einwohner des Bundeslandes Juden.

Dennoch ist auch in Deutschlands Norden der Antisemitismus im täglichen Leben vieler Gemeindemitglieder sehr präsent. Jetzt hat die landesweite Informations- und Dokumentationsstelle Antisemitismus (LIDA) in Kiel erstmals eine Analyse zu antisemitischen Vorfällen in Schleswig-Holstein vorgelegt. Danach wurde in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 mehr als ein Vorfall mit judenfeindlichem Hintergrund pro Woche registriert.

Für den Auswertungszeitraum von Januar bis Oktober wurden insgesamt 51 antisemitische Vorfälle erfasst, die alle einen Bezug zu Schleswig-Holstein hatten. Für die LIDA zeigt diese Zahl die »erschreckende Alltäglichkeit« des Antisemitismus.

Straße Ein Großteil der judenfeindlichen Ausfälle fänden auf der Straße, vor allem in größeren Städten wie Kiel statt, aber auch im Internet. Die Ergebnisse zeigten auch, dass antisemitische Äußerungen keineswegs der Anwesenheit der Betroffenen bedürften. Hetze äußere sich vielfach in Form von Schmierereien, Memes und Kommentaren.

»Bei jenen Vorfällen, die sich konkret gegen bestimmte Personen oder Institutionen richten, haben wir es vor allem mit antisemitischen Beleidigungen, Bedrohungen und gezielten Sachbeschädigungen zu tun«, erläuterte LIDA-Projektleiter Joshua Vogel. Judenhass sei in Schleswig-Holstein nicht nur ein Randgruppen-Phänomen, sondern tief in der gesamten Gesellschaft verankert, sagte er.

Neben der negativen Erfahrungen der Opfer selbst, die häufig noch lange nach der Tat psychischen Belastungen ausgesetzt seien, wirke der Antisemitismus auch direkt in die jüdische Gemeinschaft hinein und löse dort Angst aus, so Vogel. Die Sorge vor zukünftigen antisemitischen Vorfällen erschwere den Betroffenen die Teilhabe am öffentlichen Leben und hindert sie oftmals auch daran, sich öffentlich als Jüdin oder Jude zu erkennen zu geben. Jüdisches Leben laufe so Gefahr, aus der Öffentlichkeit verdrängt zu werden.

Dunkelziffer Vogel geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Antisemitische Vorfälle würden oft nicht bei der Polizei angezeigt, weil die Betroffenen annähmen, dass sie nicht strafbar seien. Auch Vorkommnisse an Schulen würden oft nicht gemeldet, sagte er der »Jüdischen Allgemeinen«. Außerdem gebe es für Betroffene und Zeugen antisemitischer Vorfälle gewisse Hemmschwellen vor der Kontaktaufnahme mit einer offiziellen Stelle.

Die LIDA hat daher den Anspruch, ein möglichst niedrigschwelliges Angebot zu schaffen und setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit den jüdischen Gemeinden vor Ort und anderen Partnern. Betroffene können sich direkt melden, die LIDA will aber auch proaktiv antisemitische Vorfälle erfassen.

Ihre Arbeit aufgenommen hat die Stelle in Kiel erst vor 12 Monaten. Ähnliche Dokumentationsstellen gibt es bereits in anderen Bundesländern, wie zum Beispiel die RIAS in Berlin; weitere befinden sich gerade im Aufbau.

Berlin

CDU will Grünen und SPD Sondierungsgespräche anbieten

Nach einem Bericht über Sorgen der Berliner linken Wahlsiegerin Eralp um die Sicherheit ihrer Familie sorgt sich die CDU um die Sicherheit der Stadt. Welche Alternative sie zu Rot-Grün-Rot sieht

 29.10.2026

Berlin

Zentralrat warnt vor Linken-Regierungsbeteiligung in Berlin

»Die Ohnmacht der Parteiführung und die Angst, die Frau Eralp persönlich zu verspüren scheint, schockieren mich – aber sie überraschen mich nicht«, sagt Zentralratspräsident Josef Schuster

 29.10.2026

Meinung

Elif Eralp und die Angst

Die Linken-Politikerin traut sich nicht, Terrorsympathisanten beim Namen zu nennen. Wer nicht einmal die Israelfeinde in den eigenen Reihen bekämpfen kann, kann auch keine Stadt regieren

 29.10.2026

»Social Media«

Hasskampagne von Influencern gegen Bildungsstätte Anne Frank

Die Bildungsstätte Anne Frank klärt über Antisemitismus und Extremismus auf Social Media auf. Nun erlebt sie eine Hasskampagne von Fitness- und Ernährungs-Influencern

 29.10.2026

Auszeichnung

Shimon-Peres-Preis für deutsch-israelische Projekte

Für einen Dialog in Krisenzeiten werden jetzt zwei deutsch-israelische Projekte ausgezeichnet. Der Preis erinnert an den Friedensnobelpreisträger und israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres

 29.10.2026

Debatte

Nach der »Spiegel«-Enthüllung: Jetzt spricht Elif Eralp

Die wichtigsten Statements der Linkspartei-Spitzenkandidatin im Überblick

 29.10.2026 Aktualisiert

New York

NYPD stoppt Direktvergabe an israelischen Überwachungstechnik-Hersteller

Linke Politiker und Aktivisten aus dem Umfeld von Bürgermeister Zohran Mamdani hatten den geplanten Kauf eines Ortungssystems kritisiert

 29.10.2026

Straßburg/Prag

Europarat warnt vor zunehmendem Antisemitismus in Tschechien

Sowohl die Zahl als auch die Schwere der Judenhass-Vorfälle nimmt zu

 29.10.2026

Berlin

Wie sich Elif Eralp von Terrorunterstützern mundtot machen lässt

Das Nachrichtenmagazin »Spiegel« hat brisante Hintergründe zur Spitzenkandidatin der Linkspartei veröffentlicht

 29.10.2026 Aktualisiert