Theodor-Herzl-Preis

An der Seite Israels und der jüdischen Gemeinschaft

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekommt vom Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, den Theodor-Herzl-Preis verliehen. Foto: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Theodor-Herzl-Preis des Jüdischen Weltkongresses (WJC) erhalten. Merkel nahm die Auszeichnung am Montagabend in München entgegen.

Mehrere Redner lobten das Engagement der Kanzlerin (65) für die Renaissance jüdischen Lebens in Deutschland und ihr Eintreten für die Sicherheit Israels. Diese hatte Merkel 2008 im israelischen Parlament, der Knesset, zur deutschen Staatsräson erklärt.

INTEGRITÄT WJC-Präsident Ronald S. Lauder würdigte die Kanzlerin als »Hüterin der Demokratie und der Zivilisation«. In ihrer ganzen politischen Karriere habe sie sich moralische Integrität und menschliches Einfühlungsvermögen bewahrt. Der existenziellen Nöte von Juden und des jüdischen Staates habe sich Merkel wirklich angenommen.

Mit dem Herzl-Preis ehrt der Jüdische Weltkongress Personen, die sich für das jüdische Volk einsetzen.

Lauder forderte in seiner Rede ein Verbot von Parteien, »die Neo-Nazi-Ideologie unterstützen«. 75 Jahre nach Auschwitz erhebe der alte Judenhass wieder sein Haupt, betonte Lauder. Jetzt müsse gehandelt werden.

Die AfD, die bei der Landtagswahl am Sonntag zweitstärkste Partei geworden war, erwähnte er nicht namentlich.

SCHOCK Lauder rief alle Parteien auf, Antisemiten auszuschließen. Antisemitische Taten müssten härter bestraft werden. Alle Synagogen und jüdischen Schulen müssten Polizeischutz erhalten. Dass die Synagoge in Halle am höchsten jüdischen Feiertag vor drei Wochen ohne Polizeischutz gewesen sei und nur eine Tür ein größeres Massaker des rechtsextremen Attentäters verhindert habe, sei schockierend.

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«Wir müssen zusammenstehen gegen Antisemitismus, Rassismus, Islamophobie, Fremdenhass und Homophobie», forderte Lauder. Merkel stehe wie ein Bollwerk dagegen. «Deutschland, Europa und dem Westen zuliebe wünsche ich Ihnen eine lange Amtszeit. Und wenn Sie manchmal ein wenig erschöpft sind, erinnern sie sich bitte daran, dass wir sie brauchen!»

PREISTRÄGERIN Bundeskanzlerin Merkel ging auf Lauders Forderung nach einem Verbot von Neo-Nazi-Parteien nicht ein. Sie rief die Gesellschaft zum Schulterschluss gegen jede Form des Antisemitismus auf: Er richte sich «gegen alles, was unser Land trägt und zusammenhält» und zeige sich «nicht erst in Gewalttaten, sondern schon viel früher und subtiler». Es gelte, den Anfängen zu wehren.

Das Attentat von Halle beschäme Deutschland zutiefst, sagte Merkel. Jüdisches Leben sei «Teil der Identität Deutschland».

Das Attentat von Halle beschäme Deutschland zutiefst, sagte Merkel. Aber schon Pöbeleien gegen Juden auf der Straße seien nicht hinnehmbar. Rechtsextremismus sowie islamistisch motiviertem Antisemitismus und Angriffen auf das Existenzrecht Israels müsse entgegengetreten werden. Jüdisches Leben sei «Teil der Identität Deutschlands», und Israels Sicherheit sei deutsche Staatsräson, sagte die Kanzlerin.

An der Feier nahmen unter anderem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, die Präsidentin der Kultusgemeinde in München, Charlotte Knobloch, sowie der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) teil.

VERDIENSTE Für ihre Verdienste um die «Wohlfahrt des jüdischen Volkes in Deutschland» würdigte Zentralratspräsident Josef Schuster Preisträgerin Angela Merkel. Die Politikerin habe viel dafür getan, «dass wir hier in Deutschland wieder ein lebendiges, aktives Judentum haben», sagte Schuster.

Josef Schuster machte deutlich, dass sich die jüdische Gemeinschaft trotz der wachsenden Bedrohung nicht vertreiben lässt.

Schuster würdigte die Anstrengungen der Bundesregierungen unter Merkel und ihren Vorgängern für eine Renaissance jüdischen Lebens in Deutschland. Dass Merkel bei ihrer Rede in der Knesset 2008 die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson erklärt habe, sei mutig gewesen.

Im Gegensatz zu anderen deutschen Politikern habe Merkel auch verstanden, «dass man nicht gegen Judenhass in Deutschland sein kann, gleichzeitig aber über Israel mit Schaum vor dem Mund herziehen kann», sagte Schuster. Deshalb genieße die Kanzlerin das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.

DEUTSCHLAND Bei dem Festakt machte Schuster deutlich, dass sich die jüdische Gemeinschaft in Deutschland trotz der wachsenden Bedrohung nicht vertreiben lasse, «schon gar nicht mit Waffen und Sprengstoff». Juden gehörten zur deutschen Gesellschaft dazu.

Dass Merkel bei ihrer Rede in der Knesset 2008 die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson erklärt habe, sei mutig gewesen, betonte der Zentralratspräsident.

«Diejenigen, die das nicht wollen, dürfen gerne gehen, wenn ihnen das nicht passt», sagte Schuster. Im Kampf gegen Hass und Hetze müsse sich die Gesellschaft und jeder Einzelne aber noch mehr anstrengen.

ISRAEL Mit dem Theodor-Herzl-Preis ehrt der Jüdische Weltkongress Personen, die sich für Herzls Ideal einer sicheren und toleranten Welt für das jüdische Volk einsetzen. Theodor Herzl (1860-1904) war ein österreich-ungarischer Schriftsteller und gilt als Vordenker eines eigenen jüdischen Staates.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen der frühere US-Außenminister Colin Powell, der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden und der posthum geehrte Zeitungsverleger Axel Springer.  dpa/kna/ja

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