Medienbericht

AfD-Politiker halten Kontakt zu Reichsbürger-Putschistin

Die frühere AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann sitzt in Untersuchungshaft. Foto: picture alliance / Michael Kappeler/dpa

Gut ein Jahr nach der Verhaftung einer Gruppe um Heinrich XIII. Prinz Reuß beleuchten »Stern« und RTL weitere Details mutmaßlicher Umsturzpläne aus der Reichsbürger-Szene. Dabei hätten drei frühere Bundeswehrsoldaten größeren Einfluss gehabt als öffentlich bekannt, heißt es in dem Bericht vom Donnerstag. Zudem geht es um die Rolle der ehemaligen AfD-Bundestagsabgeordneten Birgit Malsack-Winkemann, die wegen Terrorverdachts in Berlin in Haft sitzt. Bislang unbekannt: AfD-Politiker hielten mit ihr dort Kontakt, wie ein Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion bestätigte.

»Die Fraktionsspitze hat Kenntnis von Kontakten, die persönlicher Natur waren und in keinem Zusammenhang mit der Arbeit der Fraktion stehen«, erklärte der Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. »Stern« und RTL berichteten, drei Abgeordnete hätten eine Dauerbesuchsgenehmigung. Auf dpa-Anfrage zu Zahl und Motivation der Besuche äußerte sich nur der Abgeordnete Jürgen Pohl: »Würden Sie sich (...) nach über einem Jahr Untersuchungshaft nicht auch freuen, wenn Sie von Dritten Besuch bekommen würden?«, schrieb er.

Militärs sollen Gruppe gegründet haben

Die Bundesanwaltschaft hatte im Dezember 2022 nach Ermittlungen in der Reichsbürger-Szene 25 Frauen und Männer um Heinrich XIII. Prinz Reuß wegen Terrorverdachts festnehmen lassen, darunter Malsack-Winkemann. Danach kamen weitere Verdächtige hinzu. Vor wenigen Wochen brachte die Bundesanwaltschaft Anklagen auf den Weg, unter anderem wegen Mitgliedschaft und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Die Beschuldigten sollen vorgehabt haben, das politische System in Deutschland zu stürzen. Dabei sollen sie bewusst Tote in Kauf genommen haben.

Einzelheiten gehen bereits aus Mitteilungen der Bundesanwaltschaft zur Anklageerhebung hervor. So bezeichnen die Ermittler neben Heinrich XIII. Prinz Reuß auch einen früheren Bundeswehroffizier als »Rädelsführer«. Dieser Offizier und zwei weitere ehemalige Soldaten sollen die »terroristische Vereinigung« nach Darstellung der Bundesanwaltschaft Ende Juli 2021 gegründet haben, bevor sich Prinz Reuß Ende Oktober 2021 angeschlossen haben soll.

Die Bundesanwaltschaft sprach von einem militärischen Arm und dem geplanten Aufbau von 286 sogenannten Heimatschutzeinheiten. Einzelne sollen »bereits weitgehend einsatzbereit« gewesen sein. Ob die Anklagen bei den Oberlandesgerichten in Frankfurt, München und Stuttgart zugelassen werden, wird derzeit geprüft. Grundsätzlich gilt für Beschuldigte bis zu einem etwaigen Urteil die Unschuldsvermutung.

Erkundung im Bundestag?

»Stern« und RTL schildern nun unter Berufung auf öffentlich nicht zugängliche Ermittlungsakten wie Abhörprotokolle und Chatverläufe die mutmaßlichen Zusammenhänge genauer. Von Bundesanwaltschaft und Bundesgerichtshof gab es zu den ergänzenden Details auf dpa-Anfrage keine offizielle Bestätigung. Dies galt auch für die Information aus der Recherche, in der Gruppe seien vor den Festnahmen Ende 2022 verdeckte Ermittler eingesetzt worden.

Die frühere AfD-Politikerin Malsack-Winkemann soll nach offizieller Darstellung der Bundesanwaltschaft seit August 2021 Mitglied der Vereinigung gewesen sein. Als Bundestagsabgeordnete soll sie mit ihren Zugangsrechten mehreren Personen aus der Gruppe geholfen haben, Parlamentsgebäude auszukundschaften. Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag im Herbst 2021 soll sie die Gruppe mit Informationen versorgt haben. Eine dpa-Anfrage zu diesen Vorwürfen ließ ihr Anwalt unbeantwortet.

Die Juristin hatte nach ihrer Zeit im Bundestag versucht, auf ihren Posten als Berliner Richterin zurückzukehren - was die damalige Justizsenatorin Lena Kreck (Linke) verhindern wollte. In der Gruppe der mutmaßlichen Verschwörer soll Malsack-Winkemann laut Bundesanwaltschaft dem »Rat« - einer Art Schattenregierung - angehört haben und für das Ressort Justiz zuständig gewesen sein.

Die AfD war nach Entdeckung der Pläne von anderen Parteien unter anderem als Brandbeschleuniger angeprangert worden. Partei- und Fraktionschefin Alice Weidel kritisierte hingegen, dass 3000 Beamte bei Razzien gegen »Rentner« losgeschickt worden seien, gegen einen »angestrebten Rollator-Putsch«.

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  30.07.2026

Kommentar

Die Hinrichtungen gehen weiter

Nach der brutalen Niederschlagung der Protestbewegung im Januar setzt das Regime die Exekutionen vor den Augen der Welt fort

von Nila Mozafari  30.07.2026

Hannover

Mehrere AfD-Bewerber von Kommunalwahl ausgeschlossen

Bis Mittwoch mussten Niedersachsens Wahlausschüsse über alle Kandidaturen für die Kommunalwahl entscheiden. Mehrere Politiker der rechtsextremistischen Partei dürfen wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue nicht antreten

 30.07.2026

Berlin

Mitarbeiter und Gäste des Kulturschiffs MS Goldberg antisemitisch beschimpft

Der Mann fuhr mit seinem Boot neben dem Kulturschiff und pöbelte dabei. Später soll er noch Beleidigungen per Email und via Facebook verschickt haben

 30.07.2026

Berlin

Antisemitismus ohne Scham

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte wurde nach eigenen Angaben auf der Straße mit dem Tode bedroht

von André Anchuelo  30.07.2026 Aktualisiert

Berlin

Tödliche Ignoranz

Der Attentäter vom Christopher Street Day war Islamist. Doch manchen fällt es schwer, die Hintergründe der Mordtat konkret zu benennen. Sie kennen nur Reflexe

von Ralf Balke  30.07.2026

Berlin

Breites Bündnis fordert Klartext beim Thema Islamismus

Die meisten Muslime in Deutschland lehnten islamistische Ideologien ab. Gerade deshalb müssten sie ihnen »innerhalb der eigenen Gemeinschaft entschlossen entgegenzutreten«, heißt es in einem von 23 Organisationen unterzeichneten Aufruf

 30.07.2026

Interlochen (Michigan)

Neue Missbrauchsvorwürfe gegen Jeffrey Epstein im Umfeld einer US-Kunstschule

Zwei ehemalige Schülerinnen schilderten grenzüberschreitendes sexuelles Verhalten des Finanzinvestors

 30.07.2026

Berlin

Nach CSD-Anschlag: Technoparade »Zug der Liebe« abgesagt

Nach dem Anschlag am Rande des Christopher Street Days wird die Technoparade »Zug der Liebe« abgesagt. Die Ereignisse hätten die Lage »drastisch verändert«, so die Veranstalter

 30.07.2026