Meinung

527 Hingerichtete und eine Ausnahme

Es ist bekannt, wie Staaten im Namen des Volkes ihre Straftäter hinrichten: Erschießen, Erhängen, Enthaupten oder auf dem Elektrischen Stuhl. Barbarische Regime wie der Iran ergötzen sich sogar an der Steinigung der Verurteilten. Jetzt hat Amnesty International seinen Jahresbericht über Todesstrafen in aller Welt vorgelegt. Doch anders als sonst – bei den üblichen Listen mit den üblichen Verdächtigen – fehlt zwischen Iran und Jamaika ein Land, das dort dem Alphabet nach stehen müsste: Israel. Denn immer dann, wenn es um nachweisbare Tatbestände geht, versagt die Anklage, und der jüdische Staat erweist sich als das, was er ist – eine rechtsstaatliche Demokratie mit machtvoller Zivilgesellschaft. Und die hat 1954 die Todesstrafe abgeschafft.

Ausnahmefall 2010 wurden laut Amnesty International weltweit mindestens 527 Menschen hingerichtet. In den Palästinensergebieten zum Beispiel starben fünf Verurteilte mit richterlichem Segen durch eine Kugel. Auch in Israel existiert ein – im In- und Ausland zu Recht kritisiertes – Gesetz, wonach im Ausnahmefall überführten Terroristen die endgültigste aller Strafen droht. Sie ist aber nie angewendet worden. Bis zum heutigen Tag verhängte und vollstreckte Israel in seiner über 60-jährigen Geschichte nur ein Mal ein Todesurteil.

Das war 1962, als Adolf Eichmann, Mitorganisator der Schoa, im Namen des israelischen Volkes erhängt wurde. Zur Bestrafung dieses Menschheitsverbrechens nahm sich der jüdische Staat das Recht, gegen zivilisatorische Prinzipien zu verstoßen. Einmalig. Als Antwort auf die einmalige Mordmaschinerie der Nazis.

Straße von Hormus

US-Marine soll jeden Minenleger versenken

Der amerikanische Präsident Donald Trump verschärft seinen Kurs gegen den Iran

 23.04.2026

Berlin

Bundesregierung sieht Chance bei Verhandlungen zwischen USA und Iran

Kehren die Washington und Teheran zurück an den Verhandlungstisch? Die Bundesregierung sieht in Verhandlungen eine Chance für den Frieden

 23.04.2026

Parteien

Streit um Israel: Linke auf der Sandbank?

Die Linke ringt weiter über ihre Haltung zu Israel und zum Nahostkonflikt. Der Parteivorstand will mit einem Leitantrag für den Parteitag in Postdam im Juni den Streit befrieden. Doch auch eine Personalie sorgt für Diskussionen

von Michael Thaidigsmann  23.04.2026

Zukünftige Führung

Schah-Sohn Reza Pahlavi wirbt in Berlin für härteren Kurs gegen Mullahs

Reza Pahlavi sieht keine Reformer in der iranischen Führung und wirbt für einen politischen Wandel. Vor seinem Auftritt wurde er mit Tomaten beworfen

 23.04.2026 Aktualisiert

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon warnt: Räumung von Minen in Straße von Hormus könnte ein halbes Jahr dauern

Der Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus wird darüber informiert, dass Teheran mindestens 20 Minen in und um der wichtigen Meerenge platziert haben soll

 23.04.2026

China

Viraler Judenhass in China

Im Zuge des Iran-Kriegs nimmt der Antisemitismus im Diskurs der asiatischen Großmacht dramatisch zu. Eine Analyse

von Sven Benentreu  23.04.2026

Magdeburg

Landtag setzt mit Staatsvertrag Zeichen gegen Antisemitismus

Am 12. Dezember 2025 hatten das Land und die jüdischen Gemeinden Sachsen-Anhalt den geänderten Staatsvertrag unterzeichnet. Am Mittwochabend hat der Landtag den Vertrag beschlossen

 23.04.2026

Houston

Jüdisches Gemeindezentrum nach Drohungen geschlossen

Betroffen ist auch die Shlenker School, eine zur Gemeinde gehörende Gesamtschule. Das FBI und die Polizei ermitteln

 23.04.2026