Rückblende

2000: Anschlag auf die Düsseldorfer Synagoge

Spuren des Anschlags Foto: ddp

Es gehört seit Langem zu den traurigen Begleiterscheinungen antisemitischer Anschläge, dass man nicht weiß, aus welcher Ecke sie kommen. Stecken Neonazis, Linksextremisten oder arabische Terroristen dahinter?

Das fragt man sich, seit der Terror gegen jüdische und israelische Institutionen in Deutschland in den späten 60er-Jahren aufflackerte. Dabei ist es kein Trost, zu wissen, dass es diesmal ein angeblich Ewiggestriger war und beim nächsten Mal vielleicht ein Irrgänger, der den Nahostkonflikt an den Rhein verlegt hat.

brandsätze Genau dies war der Fall, als ausgerechnet in der Nacht vor dem Tag der deutschen Einheit mehrere Brandsätze im Eingangsbereich der Düsseldorfer Synagoge explodierten. Der damalige Präsident des Zentralrats, Paul Spiegel, vermutete die Täter zunächst im rechtsextremen Milieu und beklagte, dass derartige Attacken nun keineswegs mehr auf Ostdeutschland beschränkt seien.

Man müsse sich fragen, so Spiegel, ob es richtig war, hier wieder jüdisches Leben aufzubauen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement forderte die Bevölkerung auf, »Flagge zu zeigen« gegen den wiederauflodernden Rechtsextremismus. Einen Tag später reiste Bundeskanzler Gerhard Schröder demonstrativ nach Düsseldorf.

Im Dezember wurden dann zwei junge arabischstämmige Männer festgenommen, die auch sofort geständig waren. Sie hätten aus Rachegefühlen wegen des im Gazastreifen begangenen Unrechts durch Israelis gehandelt, behaupteten sie. Israeliten und Israelis lagen hier im Bewusstsein der Täter wieder einmal eng beieinander.

Dass man in den Wohnungen der beiden Täter auch rechtsextremes Propagandamaterial fand, zeigt nur, wie durchlässig die Grenzen zwischen den verschiedenen antisemitisch motivierten Extremisten sind.

tellvertreterkrieg Der Düsseldorfer Anschlag fiel in eine Phase antijüdischer Terrorakte, die vor allem in Frankreich und Großbritannien zu spüren waren. Eine Zeit lang hatte man das Gefühl, dass in Europa ein regelrechter Stellvertreterkrieg von extremistischen Arabern gegen die Juden geführt wurde. Egal, inwelcher Weise die jüdischen Gemeinden sich mit Israel solidarisierten – sie waren (und sind) ein leichteres Opfer als Einrichtungen in Israel.

Israelkritische jüdische Intellektuelle wie Tony Judt sprachen auf einmal davon, dass der Staat Israel keine Sicherheit mehr für die Juden der Welt biete, sondern umgekehrt eine Quelle der Gefahr für diese darstelle. Hier wurden Ursache und Wirkung verkehrt. Und eines scheint klar: Terror gegen die jüdischen Gemeinden bindet diese nur noch stärker an Israel.

New York

Epstein-Akten: Falsche Leiche zur Ablenkung der Medien

Der Tod des jüdischen Straftäters ist Gegenstand etlicher Verschwörungserzählungen. In einem Dokument aus den jüngst veröffentlichten Akten wird der Abtransport der Leiche zur Gerichtsmedizin beschrieben

 11.02.2026

Jerusalem

Klöckner rät Israel von Einführung der Todesstrafe ab

Die Bundestagspräsidentin betont vor Journalisten Israels Recht auf Selbstverteidigung gegen den Hamas-Terror. Sie spricht aber auch heikle Themen an

 11.02.2026

Interreligiöser Dialog

Oberrabbiner gibt Co-Vorsitz in jüdisch-muslimischem Gremium auf

Seit 2016 setzt sich der Muslim Jewish Leadership Council für den Dialog zwischen beiden Religionen ein. Hintergrund des Rücktritts von Oberrabbiner Goldschmidt soll Enttäuschung über seinen muslimischen Kollegen sein

von Christoph Schmidt  11.02.2026

Kommentar

 »Nie wieder!« ist eine grenzüberschreitende Daueraufgabe

Die Antisemitismus-Konferenz in St. Gallen macht klar: Judenhass macht vor Grenzen nicht halt und muss entsprechend bekämpft werden

von Jonathan Kreutner  11.02.2026

Washington D.C.

US-Regierung erwägt Beschlagnahmung iranischer Öltanker

Das Vorhaben gilt als Teil einer verschärften Sanktionsstrategie, mit der die Vereinigten Staaten Irans wichtigste Einnahmequelle ins Visier nehmen

 11.02.2026

Übersicht

Von Adel bis Politik: Das »Who is Who?« der Epstein-Akten

Der US-Multimillionär und Pädokriminelle Jeffrey Epstein verkehrte in höchsten Kreisen. Die nun veröffentlichten Akten bringen viele in Bedrängnis - dabei hatte nicht jeder direkt mit Epstein zu tun

 11.02.2026

Diplomatie

Felix Klein soll Botschafterposten bekommen

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung wird nach Informationen von »Table.Briefings« im Sommer die Leitung der Vertretung der Bundesrepublik bei der OECD in Paris übernehmen

 11.02.2026

Meinung

Sprachrohr der Hamas, Maulheldin der Vereinten Nationen

Wieder einmal macht Francesca Albanese mit ungeheuerlichen Äußerungen von sich reden. Doch Europas Politiker bleiben seltsam still

von Michael Thaidigsmann  11.02.2026

Nahost

Netanjahu mit Iran-Agenda in Washington – Gaza bleibt Streitpunkt

Der israelische Ministerpräsident will dem US-Präsidenten darlegen, welche Bedingungen aus seiner Sicht für ein Abkommen unverzichtbar sind, um Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten zu gewährleisten.

 11.02.2026