Rückblende

1988: Galinski bei Honecker

Heinz Galinski und Erich Honecker im November 1988 in Ost-berlin Foto: ullstein

Rückblende

1988: Galinski bei Honecker

Unsere Serie über die Geschichte der Juden in Deutschland nach 1945: Folge 43

von Michael Brenner  26.08.2013 18:37 Uhr

1988 tat sich etwas in der DDR. Erich Honecker spürte, dass sein Staat ohne Hilfe aus dem Westen nicht weiter existieren könne. Vor allem das ostdeutsche Handelsbilanzdefizit gegenüber dem »kapitalistischen Ausland« musste verringert werden. Dafür mussten Brücken nach Washington gebaut werden. Helfen dabei sollten vor allem die Juden.

Die gerade mal rund 350 registrierten Gemeindemitglieder zwischen Dresden und Schwerin konnten hierbei allerdings wenig tun. Immerhin war bereits 1987 für sie ein amerikanischer Rabbiner, Isaac Neuman, eingeladen worden, um in Ost-Berlin zu amtieren. Zudem wurde der Wiederaufbau des als Kriegsruine belassenen Vordergebäudes der ehemaligen Synagoge in der Oranienburger Straße beschlossen und hierzu die Stiftung »Neue Synagoge Berlin –Centrum Judaicum« ins Leben gerufen.

gedenkfeier Im Oktober 1988 kam Edgar Bronfman, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, nach Berlin und traf sich mit Erich Honecker und Heinz Galinski. Plötzlich betonte Honecker, der bisher immer daran festgehalten hatte, dass die Nazis im Westen und die Antifaschisten im Osten zu Hause seien, die DDR würde unter Umständen doch Entschädigungszahlungen in Betracht ziehen. Auch mit Israel könne man, wie manch andere Ostblockländer dies schon seit Beginn der 80er-Jahre getan hatten, bessere Beziehungen in Erwägung ziehen.

Der in Dresden aufgewachsene damalige israelische Innen- und Religionsminister Josef Burg folgte Bronfman einen Monat später, um an den erstmals staatlicherseits organisierten Gedenkfeiern zum Novemberpogrom 1938 teilzunehmen. Dem offiziellen Gedenken waren zahlreiche Bürgerinitiativen vorausgegangen, die auch einen Wandel »von unten« signalisiert hatten.

Skandal Während im Bonner Bundestag dessen Präsident Philipp Jenninger mit seiner Rede einen Skandal und letztlich seinen Rücktritt auslöste, fand in Ost-Berlin ein Festakt in der DDR-Volkskammer statt, bei dem Siegmund Rotstein als Vertreter der jüdischen Gemeinden der DDR eine Festrede hielt und der West-Berliner Gemeindevorsitzende Heinz Galinski prominent zwischen Erich Honecker und EgonKrenz platziert wurde. Niemand konnte damals ahnen, dass genau an diesem Gedenktag im folgenden Jahr die Mauer fallen würde.

Als Anfang 1989 eine Regierungsdelegation der DDR Israel besuchte, hielten ihre Vertreter weiterhin an der Doktrin fest, die in der DDR Regierenden seien selbst Opfer des Naziterrors gewesen, daher sehe man keine Veranlassung zu Entschädigungszahlungen. Erst unter der Regierung Modrow änderte sich 1990 die Haltung der DDR zu Israel und zur Verantwortung gegenüber der NS-Vergangenheit grundsätzlich. Michael Brenner

Berlin

CSD-Veranstalter: Anschlag nicht instrumentalisieren

Der Berliner CSD-Verein fordert Solidarität statt Spaltung nach dem Anschlag im Tiergarten. Was die Veranstalter noch betonen

 26.07.2026

Berlin

Wegner lobt nach Anschlag Einsatzkräfte und CSD-Veranstalter

Berlins Regierungschef Wegner hebt das rasche Handeln und das Zusammenspiel nach dem Terroranschlag am Rande des CSD hervor. Worüber er nun in den nächsten Tage sprechen möchte

 26.07.2026

Berlin

Bundeskanzler nennt CSD-Anschlag terroristisch und islamistisch

Nicht nur ein Angriff auf Teilnehmer des Berliner CSD, sondern auch einer gegen Freiheit und Offenheit – Bundeskanzler Merz kündigt an, genau das über Parteigrenzen verteidigen zu wollen

 26.07.2026

Karlsruhe

Generalbundesanwalt soll CSD-Ermittlungen übernehmen

Ein mutmaßlich islamistischer Hintergrund steht bei den Ermittlungen zum Anschlag am Rande des Berliner CSD im Fokus. Die Zuständigkeit wechselt daher bald zur obersten Anklagebehörde in Deutschland

 26.07.2026

Berlin

Dobrindt spricht von Terroranschlag – Verdächtiger flüchtig

Dramatisches Ende eines bunten Festes: Am Rande des CSD in Berlin fährt ein Fahrzeug in die Menge. Eine Person stirbt, 29 Menschen werden verletzt. Nach dem mutmaßlichen Täter wird gefahndet

 26.07.2026 Aktualisiert

Meinung

Die Gefahr des Islamismus endlich ernst nehmen

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD reichen Bekundungen der Trauer und Betroffenheit nicht. Es braucht konkretes gesetzgeberisches Handeln, um dem Terror zu begegnen

von Volker Beck  26.07.2026

Berlin

Blumen, Trauer und Tränen nach CSD-Angriff

Eine Frau stirbt, viele Menschen werden schwer verletzt. Der Angriff mit einem Auto im Berliner Tiergarten galt offensichtlich den Besuchern des Christopher Street Day

von Andreas Rabenstein, Monika Wendel  26.07.2026

Teheran

Iran droht USA mit Ausweitung des Konflikts

Das iranische Militär droht den USA mit einer Ausweitung der Kämpfe. Sollten die Luftangriffe andauern, werde Teheran neue militärische Strategien in der Region anwenden

 26.07.2026

Berlin

CSD-Angriff: Keine Lebensgefahr bei acht Charité-Patienten

Ein Mann steuert am Samstagabend einen Van in eine Menschenmenge. Eine Frau stirbt. Mehrere Menschen erleiden teilweise schwere Verletzungen. Acht von ihnen werden in die Charité gebracht

 26.07.2026