Meinung

Xavier Naidoos antisemitische Aussagen? Haken dran!

Xavier Naidoo, hier auf dem Giessener Kultursommer Fest im August 2019 Foto: picture alliance / Kadir Caliskan

Xavier Naidoo steht wieder auf den großen deutschen Bühnen. Die ersten Konzerte finden am 16. und 17. Dezember in Köln statt, weitere Termine sind für das kommende Jahr unter anderem in Berlin, München, Leipzig und Hamburg angekündigt.

Vor dieser Rückkehr ins Rampenlicht war der 54-jährige Mannheimer wegen antisemitischer, homophober und verschwörungsideologischer Aussagen aus der Öffentlichkeit mehr oder minder verschwunden. Naidoo hatte unter anderem die Neuauflage der antisemitischen Ritualmordlegende verbreitet, den Holocaust als eine »gelungene historische Fiktion« bezeichnet und behauptet, dass das Gas »Zyklon B« untauglich für die Ermordung von Menschen sei.

Im deutschen Kulturbetrieb beschäftigt man sich nur ungern mit dem virulenten antisemitischen Gedankengut in den eigenen Reihen.

Protestaktionen gegen Naidoos Auftritte wurden bisher nicht angekündigt, und die öffentliche Kritik an seinem Comeback hält sich in Grenzen. Seine Fans freuen sich dagegen inbrünstig. Bedenken wegen seiner diskriminierenden Aussagen haben sie nicht. Schließlich habe sich der Soulsänger für all seine unzähligen Invektiven entschuldigt. In einem dreiminütigen Video in den sozialen Medien. Haken dran.

Vergessen scheinen seine Auftritte mit Neonazis, vor Reichsbürgern und mit rechten Musikern. Eine Aufarbeitung der von ihm unter anderem geäußerten Formulierungen wie »ziemlich viele Juden (sind) in diesen Kinderschänder-Dreck verwickelt« oder »Zentralrat der Lügen« ist auch nicht in Sicht.

Lesen Sie auch

Dieses kollektive Schulterzucken zur Rehabilitierung des Sängers garniert ein weiteres Detail perfekt: Gegen Naidoo sind derzeit am Landgericht Mannheim noch zwei Verfahren anhängig, unter anderem wegen der Relativierung des Holocaust.

Im deutschen Kulturbetrieb beschäftigt man sich nur ungern mit dem virulenten antisemitischen Gedankengut in den eigenen Reihen. Das erfolgreiche Comeback von Xavier Naidoo ist hierfür ein weiteres Beispiel. Das jedoch führt den allseits wortreich vorgetragenen Anspruch, den Antisemitismus bekämpfen zu wollen, ad absurdum.

Der Autor ist freier Journalist in Berlin.

Berlin

Liebermann-Villa zeigt »Alles für die Kunst!«

Seinen Erfolg musste sich der Künstler Max Liebermann hart erkämpfen. Eine Ausstellung in der Liebermann-Villa am Berliner Wannsee zeigt, wie strategisch und konsequent er dabei vorging.

 05.02.2026

Kulturkolumne

Make Judaism cool again!

Wie Tel Aviver Mode für Empowerment und Hoffnung sorgt

von Sophie Albers Ben Chamo  05.02.2026

Theater

Mit Kufiya und Kippa

Noam Brusilovskys Stück »Fake Jews« in Berlin knüpft an die Geschichte von Fabian Wolff an

von Stephen Tree  05.02.2026

Film

Ganz links in der Ecke

»Coexistance, my Ass« porträtiert die israelische Comedian Noam Shuster Eliassi und ein polarisiertes Land. Doch eine wichtige Info fehlt

von Ayala Goldmann  05.02.2026

Los Angeles

Barry Manilow sagt nach Lungenkrebs-OP Konzerte ab

Nach wochenlanger Bronchitis fanden Ärzte einen »krebsartigen Fleck« in seiner Lunge - so erzählte es der jüdische Sänger im Dezember. Nun braucht er Ruhe nach dem Eingriff und zieht Konsequenzen

 05.02.2026

Fernsehen

Lebensziel Dschungelkönig

Im aktuellen RTL-Dschungel geht der Wahlkampf um die so sehr begehrte Dschungelkrone in die heiße Phase. Welches Ziel hat Gil Ofarim?

von Martin Krauß  05.02.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Imanuel Marcus, Katrin Richter  04.02.2026

Zahl der Woche

2000 Jahre

Fun Facts und Wissenswertes

 04.02.2026

Programm

Colloquium, Konservatorium, Mysterium: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. Februar bis zum 12. Februar

 04.02.2026