Eren Güvercin

Wir müssen Erdogans Drohung gegen Israel ernst nehmen

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Eren Güvercin

Wir müssen Erdogans Drohung gegen Israel ernst nehmen

Der türkische Präsident ist kein Autokrat, der verrückt ist. Er weiß, was er sagt

von Eren Güvercin  30.07.2024 10:22 Uhr

In Momenten, in denen Recep Tayyip Erdoğan spontan redet, statt vom Teleprompter abzulesen, kommen seine wahren Ansichten zum Vorschein. So geschehen auf einer Pressekonferenz am Sonntag in Rize am Schwarzen Meer.

Eigentlich sollte es um die türkische Verteidigungsindustrie gehen, doch der türkische Präsident redete sich schnell in Rage: »Wir müssen sehr stark sein, damit Israel den Palästinensern diese Dinge nicht antun kann. So wie wir nach Karabach gegangen sind, so wie wir nach Libyen gegangen sind, können wir mit ihnen das Gleiche machen. Es gibt nichts, was wir nicht tun können.«

Erdogan kennt kein Halten mehr

Der Hass auf Israel und Juden war immer schon eine zentrale Säule von Erdoğans Politik. Auch wenn er in den vergangenen 20 Jahren wiederholt aus strategischen Gründen die Nähe zu Israel gesucht hat, sein Antisemitismus und seine Parteinahme für die Terrororganisation Hamas schimmerten stets durch.

Seit dem 7. Oktober gibt es für Erdogan kein Halten mehr. Immer wieder glorifizierte er die Hamas als Freiheitsbewegung, und auch die türkische Religionsbehörde Diyanet, die ihm untersteht, dämonisiert Israel.

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Erdogans Drohung, in Israel einzumarschieren, sollte unserer Bundesregierung und den anderen Nato-Bündnispartnern eines verdeutlichen: Sobald Erdogan die Macht und die notwendigen militärischen Möglichkeiten hat, wird er seinen Worten auch Taten folgen lassen.

Er markiert nicht nur nach innen mit diesen markigen Sprüchen den starken Mann, sondern inszeniert sich zugleich als die Speerspitze des Antisemitismus und des Israelhasses der muslimischen Welt. Erdogan ist kein Autokrat, der verrückt ist. Er weiß, was er sagt, und an diesen seinen Worten muss man ihn auch messen.

Auch Putin wurde zu lange ignoriert

Doch das breitbeinige Auftreten Erdogans, den unser Bundespräsident Steinmeier vor einigen Wochen in Ankara noch als »werten Freund« bezeichnete, findet kaum ein Echo in Berlin und den Hauptstädten der Nato-Mitglieder.

Wir haben auch Putin lange Jahre ignoriert, obwohl er kein Hehl daraus gemacht hat, was seine politische Agenda ist und was er vorhat. Das böse Erwachen kam dann erst mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Wenn wir daraus wirklich eine Lehre gezogen haben, wenn wir es mit der Zeitenwende und mit der Staatsräson ernst meinen, dann dürfen wir die Augen vor Erdogans Drohungen gegen Israel nicht verschließen.

Das ist nicht nur eine außenpolitische Angelegenheit, sondern auch innenpolitisch relevant. Denn die systematische Hetze von Erdogan ist auch eine Botschaft an seine Anhänger bei uns in Deutschland.

Der Autor ist Gründer der Alhambra-Gesellschaft – Muslime für ein plurales Europa.

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