Nils Kottmann

Steinmeier auf Kuschelkurs mit einem Terrorfreund

Nils Kottmann Foto: Marco Limberg

Wie würden Sie jemanden nennen, der einen Juden mit Hitler vergleicht und gern mit Terroristen kuschelt? Einen Antisemiten? Dann sind Sie wohl nicht Bundespräsident.

Denn für Frank-Walter Steinmeier ist der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan ein »werter Freund«. Gemeint ist jener Erdogan, der immer wieder gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hetzt, die Hamas als »Freiheitskämpfer« bezeichnet und wenige Tage vor Steinmeier den Hamas-Chef Ismail Haniyya und dessen Delegation herzlich in Istanbul empfangen hat. Für die Terroristen, die das größte Massaker an Juden seit dem Holocaust zu verantworten haben, gab es vom türkischen Präsidenten eine Umarmung, Küsschen und warme Worte.

Vier Tage später behauptet Steinmeier dennoch in Ankara, dass Erdogan und er ganz fest an eine Zweistaatenlösung glauben würden. Dabei ist der türkische Präsident schon lange ein Verbündeter der Hamas, die Israel vernichten will. Was soll dieser Zirkus also?

Auch die Antwort liefert der Bundespräsident: »Wir brauchen einander«, sagte er bei einem Statement in Ankara. Von der Nato bis zur Flüchtlingspolitik sei Deutschland auf Erdogan angewiesen. »Deshalb sollten wir den deutsch-türkischen Beziehungen wieder neue Wichtigkeit verleihen«, so Steinmeier.

Der Besuch des deutschen Staatsoberhauptes in der Türkei untergräbt einmal mehr die Idee, dass Israels Sicherheit deutsche Staatsräson sei. Wer möchte, dass Juden in Israel sicher leben, darf nicht den Freund ihrer Mörder seinen Freund nennen.

Natürlich kann Erdogan die Flüchtlingskrise in Europa anheizen, wenn er die rund drei Millionen Syrer, die in der Türkei ausharren, über die Ägäis schickt, aber auch Deutschland hat als einer der drei wichtigsten Handelspartner Druckmittel in der Hand. Die Partei des türkischen Präsidenten ist nach den verlorenen Kommunalwahlen geschwächt, seine politische Karriere neigt sich dem Ende zu, und die Wirtschaft liegt nach Jahren der Misswirtschaft am Boden. Es gibt also keinen Grund für einen Kuschelkurs mit dem Terrorfreund.

Glosse

Ein Clan-Chef als Antisemitismusbeauftragter!

Warum Issa Remmo der »Linken« offiziell Persilscheine ausstellen und Arafat Abou-Chaker neuer Polizeipräsident in Berlin werden sollte

von Ayala Goldmann  22.09.2026

Kommentar

Schwesigs Erfolg: Wie man die AfD im Zaum halten kann

Manuela Schwesig hat gezeigt, wie man dem Populismus der Rechtsextremen begegnen kann. Das ist nicht nur eine gute Nachricht für die SPD, sondern für alle Demokraten

von Michael Thaidigsmann  22.09.2026

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Kommentar

Wo ist mein Berlin, in dem es keinen Hass auf Juden mehr geben sollte?

Unsere Gastautorin Dorothea Schupelius warnt vor der unheiligen Allianz der Linkspartei mit radikalen Muslimen - und vermisst das Berlin, in dem sie aufgewachsen ist

von Dorothea Schupelius  20.09.2026

Es braucht eine Brandmauer gegen die Linkspartei

Wenn Rassismus von rechts für Regierungsverantwortung disqualifiziert – warum sollte Antisemitismus von links weniger schwer wiegen?

von Nelly Eliasberg  20.09.2026 Aktualisiert

Kommentar

Michael Lüders, Groß-Palästina und seine Vorliebe für Wassermelonen

Wie BSW-Spitzenkandidat Michael Lüders sich als verrückter Rand einer Wahldebatte präsentierte

von André Anchuelo  19.09.2026 Aktualisiert

Kommentar

Hohe Feiertage, wichtige Wahl

Die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern wählen am 20. September ihr Parlament. Wird der besorgniserregende Trend, der in Sachsen-Anhalt zu beobachten war, fortgesetzt und verfestigt?

von Juri Rosov  19.09.2026

Offener Brief

Javier Bardem und ich

Ich habe dich als neugierig, warmherzig, offen für den Menschen vor dir kennengelernt. Wenn du über Israel sprichst, erkenne ich dich nicht wieder – und sehe nur noch blindwütigen Hass

von Gabriella Meros  13.09.2026

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  13.09.2026 Aktualisiert