Kommentar

Shiri, mein Herz bricht für dich

Sarah Cohen-Fantl Foto: privat

Kommentar

Shiri, mein Herz bricht für dich

Sarah Cohen-Fantl will nicht verzeihen, dass Shiri, Kfir und Ariel Bibas nicht gerettet wurden

von Sarah Cohen-Fantl  21.02.2025 11:26 Uhr

Shiri, wo bist du? Diese Frage stellt sich seit heute Morgen ein ganzes Land – allen voran dein Mann Yarden. Die Terroristen der Hamas haben gestern wieder einer ihrer niederträchtigen Übergabe-Zeremonien veranstaltet und dabei vier tote Geiseln vor antisemitischer Bildsprache in Särgen zur Schau gestellt. Umgeben von jubelnden Palästinensern, mit Kleinkindern auf dem Arm und tanzend auf der Bühne zu frenetischer Musik, wurden deine Söhne Kfir (9 Monate) und Ariel (4) und der Journalist und Friedensaktivist Oded Lifshitz (83) nach Israel überführt.

Du solltest in dem vierten Sarg liegen. Doch seit heute wissen wir, dass es sich laut forensischen Untersuchungen nicht um deinen leblosen Körper handelt, sondern um eine nicht identifizierbare Frau aus Gaza. Hamas hat zum wiederholten Mal gegen die Absprachen des Geiseldeals verstoßen, und einen neuen Tiefpunkt in diesem Krieg erreicht. Einen, den sie jede Woche aufs neue unterbieten. 

Doch nicht nur die Nachricht deiner Abwesenheit zerbricht uns, sondern auch die Gewissheit, dass nicht –  wie seit einem Jahr von der Terrororganisation behauptet – israelische Raketen Kfir und Ariel umgebracht haben, sondern dass die Hamas deine unschuldigen Rotschöpfe brutal im November 2023 ermordet hat. Ihr alle solltet bei diesem ersten Geiseldeal nach Hause kommen, ihr alle wart am Leben, doch Hamas entschied sich bewusst dagegen und tötete deine – unsere – jüdischen Kinder, so wie wir es von den Nazis kennen. 

Shiri, mein Herz bricht für dich, als Mutter, Jüdin und Israelin. Wir alle sehen uns in dir – und doch bist du diejenige, die diesen Horror durchleben musste. Es tut mir und uns allen so leid, dass ihr am 7. Oktober nicht besser beschützt wurdet. Es tut uns leid, dass wir es nicht geschafft haben, euch lebendig, beziehungsweise überhaupt nach Hause zu holen. Es tut uns leid, dass dein Mann und deine Familie diesen Horror erleben müssen. Wir beide sind deutsch-israelische Staatsbürgerinnen und es tut mir leid, dass der deutsche Bundeskanzler und die Außenministerin es nicht geschafft haben, dich und deine Kinder zu retten. Stattdessen lassen sie wieder nur mit leeren Phrasen unsere Seelen unberührt und schicken gleichzeitig unkontrolliert Gelder nach Gaza, das bei euren Mördern landet. Die ganze Welt hat euer Schicksal mitzuverantworten und wir werden das niemals vergessen, noch vergeben.

Lesen Sie auch

Noch etwas, dass ich niemals verzeihen werde, ist die Tatsache, dass man dich als Mutter von ihren Kindern getrennt hat – ganz egal ob lebendig oder auf ihrer letzten Reise. Es ist unverzeihlich. Du, Ariel und Kfir habt etwas Besseres verdient. Und auch wenn die Chance groß ist, dass die Hamas dich mit Absicht nicht nach Hause gelassen hat oder – wie sie jetzt behaupten – deinen Leichnam nicht finden können, will ich mich für einen kleinen Moment an die Hoffnung klammern, dass du lebend nach Hause kommst. Es ist ein unwahrscheinlicher und auch egoistischer Gedanke, weil ich einer Mutter diesen unbeschreiblichen Schmerz, ihre Kinder beerdigen zu müssen, niemals wünschen würde. Aber zumindest müsste Yarden nicht allein zurückbleiben – und vielleicht könnten wir alle eine kleines bisschen mit euch heilen. Shiri, egal wo du bist, wir werden dich nach Hause bringen.

Die Autorin ist Journalistin und lebt in Israel.

Ugandische Truppen

Nahost

Ugandas Parlament billigt Truppenentsendung nach Gaza

Auf US-Anfrage soll sich ein Kontingent der ugandischen Armee der geplanten internationalen Stabilisierungstruppe anschließen. In Afrika zählt das Land zu den größten Truppenstellern für Friedensmissionen

 07.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Justiz

Israelischer Siedler wegen Tötung eines Palästinensers angeklagt

Der getötete Aktivist setzte sich gegen Siedlergewalt ein und war an dem Oscar-prämierten Film »No Other Land« beteiligt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht

 07.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 07.08.2026

Thailand

Israelische Mutter und Tochter nach Angriff im Krankenhaus

Die Touristinnen wurden auf der Insel Koh Phangan von einem Mann attackiert, der zuvor Israels Vorgehen im Gazastreifen kritisiert hatte. Eines der Opfer erlitt eine Gehirnblutung

 07.08.2026

Washington/Rom

USA: Annäherung bei Gesprächen zwischen Libanon und Israel

Man sei sich »nun deutlich näher« bei der Frage, was getan werden müsse, um die sogenannten Pilotzonen weiterzuführen und auszubauen, sagt ein Sprecher des US-Außenministeriums

 07.08.2026

Westjordanland

Mutter und Sohn entgehen Lynchversuch nach Irrfahrt in Dschenin

»Dutzende Araber versuchten, die Türen zu öffnen, warfen Steine auf uns und versuchten, uns anzuhalten«, sagt die Frau

 07.08.2026

Nahost

UNICEF-Erhebung: Kaum Mangelernährung bei Kindern in Gaza

»Im Gazastreifen herrscht keine Hungersnot«, heißt es im israelischen Außenministerium. Dies sei das eindeutige Ergebnis

 07.08.2026

Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Überreste von Schimon und Rikva Herzl, Vorfahren väterlicherseits des Zionismus-Begründers und prägende Gestalten in Theodor Herzls Jugend, wurden von Serbien nach Israel überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt

 06.08.2026