Uwe Becker

Schluss mit den Vernichtungsmärschen

Uwe Becker Foto: imago images/Reiner Zensen

Während die Leugnung des Massenmordes an sechs Millionen europäischen Juden in Deutschland zu Recht unter Strafe steht, darf der Aufruf zur ethnischen Säuberung von sechs Millionen israelischen Juden auf deutschen Straßen und Plätzen erfolgen.

Was vielleicht scharf klingen mag, hört sich indes nur für jene Ohren so an, die nicht wahrnehmen können oder wollen, was in zunehmender Häufigkeit und Hässlichkeit auf anti-israelischen Demonstrationen in den Städten unseres Landes geschieht. Wenn dort ein »freies« oder gar »befreites Palästina vom Fluss bis zum Meer« skandiert wird, dann stellt dies nichts anderes als die Forderung zur Auslöschung Israels zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer dar.

extremisten Dies ist mitnichten ein friedlicher Protest für vermeintlich fehlende Freiheitsrechte der Palästinenser im Westjordanland. Dies ist die immer deutlicher auch in Bildern einheitlich gefärbte Vorstellung eines Großpalästinas, das kein Israel und keine Israelis mehr kennt. Auf den gemalten und skandierten Landkarten der Extremisten kommt Israel nicht mehr vor.

Es muss Schluss sein mit diesen Märschen auf deutschen Straßen. In den vergangenen Jahren verbreitete sich der israelbezogene Antisemitismus, ohne dass die Gefahr für den öffentlichen Frieden und unsere freiheitliche Ordnung in ausreichendem Maße von der Justiz gewürdigt wurde. Denn selbst dort, wo Städte derartige Hass-Demonstrationen verbieten, ermöglichen Gerichte nahezu regelmäßig ebenjene Vernichtungsmärsche.

Was es braucht, ist der rechtliche Lückenschluss in Bezug auf israelbezogenen Antisemitismus.

Ja, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind hohe und besonders schützenswerte Güter in unserem Land, gerade mit Blick auf die deutsche Geschichte. Doch diese deutsche Geschichte verpflichtet uns auch, doppelt wachsam zu sein, wenn die Auslöschung jüdischen Lebens propagiert wird.

Unser Recht kennt an verschiedenen Stellen Versatzstücke, vom Vereinsverbot über die besondere strafrechtliche Einordnung der Holocaustleugnung bis hin zur Volksverhetzung. Was es braucht, ist der rechtliche Lückenschluss in Bezug auf israelbezogenen Antisemitismus, der Raum für politische Debatten lässt, jedoch die rote Linie für den Aufruf zur Vernichtung des jüdischen Staates zieht.

Der Autor ist Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG).

Kommentar

Strafanzeige als PR-Gag?

Laut und verwegen ist der Genozid-Vorwurf einer Schweizer Gruppierung gegen den Schweizer Bundesrat Ignazio Cassis. Mit einer Rechtsdebatte hat es aber nichts zu tun

von Nicole Dreyfus  06.02.2026

Kommentar

Antisemitismus im »Safe Place«: Die Kunstakademie Düsseldorf macht’s möglich

Eine Kunstakademie sollte Räume für kritisches Denken öffnen - aber nicht für Ideologien, die Menschenfeindlichkeit salonfähig machen

von Nicole Dreyfus  02.02.2026

Meinung

Antisemitismus auf Sendung

RTL zeigte ein Video zu einem »Betrüger-Gen« von Gil Ofarim – ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag. Nun wird das Video offline genommen. Doch das ist nur das Minimum an Konsequenzen

von Ayala Goldmann  03.02.2026 Aktualisiert

Meinung

Teilzeit ist kein »Lifestyle«

Der Wirtschaftsflügel der CDU und Bundeskanzler Merz wollen, dass die Deutschen mehr arbeiten. Sie missachten damit die vielfältigen Lebenswirklichkeiten der Menschen

von Günter Jek  02.02.2026

Meinung

Warum der Begriff »Davidstern-Skandal« unpassend ist

Die Formulierung beschreibt den Vorfall nicht nur falsch, sie deutet ihn auch als ein jüdisches Vergehen

von Martin Krauß  30.01.2026

Meinung

Warum es auch schwerfällt, die gelbe Schleife abzulegen

Zwei Jahre und drei Monate lang haben Menschen auf aller Welt mit der gelben Schleife ihre Solidarität mit den am 7. Oktober 2023 nach Gaza verschleppten Geiseln gezeigt. Nun können wir sie endlich ablegen

von Sophie Albers Ben Chamo  29.01.2026

Meinung

Die Täter müssen sich schämen

Ein Missbrauchsskandal erschüttert derzeit die jüdische Gemeinschaft Deutschlands. Wer solche Taten besser verhindern will, muss Betroffene in die Lage versetzen, angstfrei über ihre schrecklichen Erfahrungen sprechen zu können

von Daniela Fabian  29.01.2026

Meinung

Wenn Entwicklungspolitik Hamas-Propaganda übernimmt

Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) tätigt faktisch falsche Aussagen und übernimmt zentrale Narrative der palästinensischen Terrororganisation. Und dies ist nur die Spitze des Eisberges

von Sacha Stawski  29.01.2026

Meinung

Was würden Saba und Safta sagen?

Sie würden uns zurufen: »Wehrt euch gegen diesen Hass! Schließt euch mit denen zusammen, die in Deutschland bisher schweigen, aber dennoch die Mehrheit darstellen«

von Avitall Gerstetter  28.01.2026