Volker Beck

Rente: Respekt für Zuwanderer

Volker Beck Foto: Marco Limberg

Ohne die Zuwanderung von Juden aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion gäbe es nicht das blühende jüdische Leben, über das sich – zu Recht! – viele Deutsche dankbar zeigen. Seit 1990 hat Deutschland aus Verantwortung für seine Geschichte mehr als zwei Millionen Spätaussiedler und 220.000 jüdische Kontingentflüchtlinge aufgenommen.

Die Vorfahren beider Gruppen waren aus den deutschen Landen in das Zarenreich eingewandert und kehrten nun zurück. »Die im Mittelalter aus Aschkenas ausgewanderten Juden waren allemal so deutsch wie die Vorfahren der sogenannten Russlanddeutschen«, sagt der Wissenschaftler Micha Brumlik.

LEBENSLEISTUNG Beide Gruppen hatten im 20. Jahrhundert viel zu leiden. Die Russlanddeutschen standen in der Sowjetunion unter Verdacht der Kollaboration mit dem Deutschen Reich. Und es gibt kaum eine jüdische Familie, die nicht Angehörige zu beklagen hat, die von deutscher Hand ermordet wurden. Zudem waren die Opfer der Schoa im Erinnern an den antifaschistischen Kampf und den Großen Vaterländischen Krieg ein Tabu.

Beide Gruppen fanden vor dem Hintergrund dieser Geschichte Aufnahme in unserem Land. Doch die einen als Deutsche, die anderen als Kontingentflüchtlinge. Mit dem Effekt, dass bei den meisten Spätaussiedlern ihre Lebensleistung bei der Rentenberechnung zählte, bei den jüdischen Rückwanderern jedoch nur ihre Arbeitszeiten in Deutschland. Das ist nicht gerecht, gleiche Lebensleistung muss bei der Rente gleich viel zählen.

Reden Sie mit Ihren Abgeordneten
und erzählen Sie denen die Lebensgeschichten von Zuwanderern.

AUFRUF Dass da etwas nicht stimmt, hat man in Berlin inzwischen wahrgenommen. Der Koalitionsvertrag will eine Fondslösung für die Gruppe der Spätaussiedler und der jüdischen Kontingentflüchtlinge prüfen. Nun hat der Bundesrat beschlossen, die Bundesregierung möge sich um Verbesserungen bemühen. Es bewegt sich etwas. Die Initiative »Zedek Gerechtigkeit« will mit einem Aufruf mehr Menschen für das Problem sensibilisieren.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Und was können Sie tun? Teilen Sie einfach die Informationen von »Zedek Gerechtigkeit« in den sozialen Netzwerken. Oder gehen Sie ruhig mal zu ihren örtlichen Bundestagsabgeordneten und erzählen Sie denen die Lebensgeschichten Ihrer Familie oder solche, die Sie in Ihrer Gemeinde gehört haben. Nichts ist überzeugender als die Geschichten, die das Leben schreibt!

Der Autor war Bundestagsabgeordneter der Grünen und ist jetzt Lehrbeauftragter an der Ruhr-Universität Bochum.

Meinung

Das ibug-Festival 2025 – eine sächsische Documenta?

Antisemitismus in der Kunst: Auf dem internationalen ibug-Festival in Chemnitz wurden im vergangenen Jahr Werke gezeigt, die antisemitische Klischees reproduzierten. Droht dieses Jahr eine Wiederholung?

von Vladimir Shikhman  28.07.2026

The OpenAI logo is displayed on a mobile phone screen in this photo illustration, as artificial intelligence tools continue to expand across consumer and business applications in Brussels, Belgium, on February 28, 2026. (Photo by Jonathan Raa/NurPhoto)

Meinung

KI: Wie die Welt einmal untergehen könnte

Der Kontrollverlust der Softwarefirma OpenAI über ihr neuestes Modell macht erneut die Notwendigkeit deutlich, KI-Technologie stärker zu regulieren. Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunft der Menschheit

von Joshua Schultheis  28.07.2026

Meinung

Wir müssen darüber sprechen, was der Terror mit dem Islam zu tun hat

Die islamistische Ideologie muss endlich als solche benannt werden – auch weil Muslime zu den ersten Opfern der Terroristen gehören

von Ali Ertan Toprak  28.07.2026

Filmkritik

»Blutspur Antwerpen« – Ein Lehrstück in Sachen Antisemitismus

Keine einzige Rezension hat den Krimi bislang als das gewertet, was er ist: Ein rassistisches Machwerk in Gestalt einer »antisemitischen Parabel«

von Achim Bühl  27.07.2026

Meinung

Die Gefahr des Islamismus endlich ernst nehmen

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD reichen Bekundungen der Trauer und Betroffenheit nicht. Es braucht konkretes gesetzgeberisches Handeln, um dem Terror zu begegnen

von Volker Beck  26.07.2026

Meinung

»Glückwunsch« zum Genozid-Vorwurf

Solange die Grüne Jugend einseitig gegen Israel gerichtete Beschlüsse fasst, kann sie kein Partner im Kampf gegen Antisemitismus sein

von Anika Schmütz  26.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  26.07.2026

Meinung

Wo ist der Geist von Sarajevo?

Auch in Deutschland rufen Vertreter der bosnischen Diaspora zunehmend nach harten Sanktionen gegen Israel und scheuen den Dialog mit den jüdischen Gemeinden hier. Das war schon einmal anders

von Marc Simon  24.07.2026

Meinung

Notbremse gegen Antisemitismus

Die Hochschulleitungen müssen den Judenhass ihrer Mitarbeiter und Studierenden als das ernst nehmen, was er ist: eine Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland

von Debora Eller  22.07.2026