Nicole Dreyfus

Null Toleranz für Gewaltaufrufe

Nicole Dreyfus Foto: Claudia Reinert

Nicole Dreyfus

Null Toleranz für Gewaltaufrufe

Ein Großereignis wie der Eurovision Song Contest darf keine Sicherheitslöcher zulassen, findet unsere Schweiz-Redakteurin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  07.05.2025 12:08 Uhr

Das Sicherheitsrisiko beim Eurovision Song Contest (ESC) in Basel ist hoch. Auch die Terrorgefahr wird derzeit in der Schweiz als hoch eingestuft. Die Basler Sicherheitsbehörden stehen daher am Vorabend des ESC vor großen Herausforderungen. Der ESC ist auch in diesem Jahr politisch stark aufgeladen und wird vom Krieg in Gaza überschattet.

Die Basler Polizei bekräftigt, ein detailliertes Sicherheitskonzept erarbeitet zu haben. Sie wirkt, als wüsste sie, was zu tun wäre im Falle einer Eskalation. Doch sie bestätigte auch ganz klar: Yuval Raphael wird keinen zusätzlichen Schutz von der Polizei erhalten. Man behandle alle ESC-Teilnehmenden gleich, hieß es an der Medienkonferenz am Montag. Ist sich die Schweizer Polizei der Gefahr, die von gewaltverherrlichenden und -bereiten Gruppen ausgeht, auch bewusst?

Es sind keine harmlos Protestierende, sondern radikale Gruppierungen, die aus dem Ausland anreisen werden, um mit ihren Hasstiraden den ESC zu überschatten. Die Nähe Basels zu Frankreich und Deutschland lockt viele militante Demonstranten zum ESC. Dieselben Akteure wie beim letztjährigen Wettbewerb in Malmö oder bei den Olympischen Spielen in Paris rufen auch in Basel zum Boykott der Veranstaltung auf, weil Israel daran teilnimmt.

Auf Social-Media-Kanälen werden Protestaktionen angekündigt, in der Basler Innenstadt ist an verschiedenen Orten das veränderte ESC-Logo, ein Herz in den palästinensischen Farben, anzutreffen – mit dem Schriftzug »ESCalate for Palestine«, überall Sprayereien und Plakate, die Israel Genozid vorwerfen. Ausgerechnet in Basel, wo 1897 auf dem ersten Zionistenkongress der Grundstein für einen jüdischen Staat gelegt wurde. Ausgerechnet da wird nun von gewaltbereiten Gruppierungen verlangt, dass Israel von der Landkarte gestrichen wird.

Lesen Sie auch

Dem Aufruf zur Gewalt muss jedoch mit Null-Toleranz begegnet werden. Es darf an diesem Mega-Anlass zu keinerlei Grenzverletzungen oder gar Gewaltausschreitungen kommen. Es geht dabei nicht nur um die Sicherheit Basels, sondern um die der Schweiz und ihrer Bevölkerung. Es braucht wenig, damit der ESC erneut zur Propaganda-Veranstaltung von Israelhassern und Terrorverherrlichern verkommt. Bereits in Malmö wurde er als Plattform für politische Proteste missbraucht. Die Schweizer Sicherheitsbehörden sollten nicht zulassen, dass eine Atmosphäre der Gewalt entstehen kann, in der sich die Bevölkerung – und dazu gehören auch Jüdinnen und Juden – nicht mehr sicher fühlt.

Die Universitätsbesetzungen in den vergangenen Monaten haben auch in der Schweiz gezeigt, was passiert, wenn allzu duldsam mit Gewaltaufrufen umgegangen wird. Die Eskalation ist dann nicht mehr zu bremsen. Solche Situationen schrecken auf und führen zu weiterer Gewalt. Was bringt es da, wenn die Interpretinnen und Interpreten am ESC von Liebe und Frieden singen? Wenn der Kontext, in dem der ESC stattfindet, für politische Zwecke und Stimmungsmache missbraucht wird? Sicherheit darf keine Zitterpartie sein!

dreyfus@juedische-allgemeine.de

New York

Resiliente Einhörner

Während Bürgermeister Zohran Mamdani gegen Premier Benjamin Netanjahu wettert, bekommen israelische Start-ups ein neues Zuhause

von Sophie Albers Ben Chamo  29.07.2026

Toronto

Solidarität nach Angriffen: Lange Schlangen vor jüdischen Bagel-Läden

Nach Angriffen auf zwei Filialen der jüdischen Bäckereikette Kiva’s Bagel Bar kaufen Bewohner dort ein. Zeitgleich feuerte ein Unbekannter Schüsse auf das US-Konsulat ab

 29.07.2026

Jerusalem

Frühere Staatschefinnen fordern Strafen für israelische Siedler

Die frühere Präsidentin Irlands, Mary Robinson, und die frühere Premierministerin Neuseelands, Helen Clark, forderten unter anderem ein Verbot des Handels mit Waren illegaler Siedlungen

 29.07.2026

Judenhass

Antisemitismus weltweit auf Höchststand seit mehr als drei Jahrzehnten

Die Untersuchung erfasst die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungen außerhalb Israels, darunter Deutschland

 29.07.2026

Griechenland

Israelische Touristen auf Kreta von israelfeindlichem Mob attackiert

Auf der Insel Kreta soll eine Gruppe israelischer Touristen mit Flaschen und einem Luftgewehr angegriffen worden sein

 28.07.2026

USA

Comedy mit Kriegsbemalung

In ihrer Heimat ist das Stand-up-Naturtalent Iliza Shlesinger gerade auf Tour. Für den Rest gibt es Netflix

von Sarah Thalia Pines  28.07.2026

Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Innerhalb von 20 Minuten werden in der kanadischen Metropole zwei Anschläge auf die Bäckereikette Kiva’s Bagel verübt

 27.07.2026

Großbritannien

Zwischen Skepsis und Hoffnung

Die jüdische Gemeinschaft sieht den neuen Premier Andy Burnham kritisch – er will die Nahostpolitik des Landes ändern

von Rudolf Hönnige  23.07.2026

Meinung

Ist der neue jüdische Außenminister nur ein Feigenblatt?

Großbritanniens neuer Premier Andy Burnham hat Ed Miliband zum Außenminister ernannt. Dass nun ein jüdischer Politiker für die Nahostpolitik zuständig ist, könnte auch ein Feigenblatt sein

von Michael Thaidigsmann  21.07.2026