Meinung

Naiv ist, wer liked

Eines muss man der Hamas lassen: Dank ihrer PR-Strategie gelingt es ihr immer wieder, weltweit Millionen Menschen für die Verbreitung ihrer Propaganda zu mobilisieren. Jüngster Coup, der den Terroristen in die Hände spielt, ist die Verbreitung eines KI-generierten Bildes, das die Ästhetik eines Filmplakats hat und mit großen Lettern von der Welt verlangt, auf Rafah zu schauen.

All Eyes on Rafah – und die Welt tut es!

Sie richtet ihre Augen auf Rafah, aber nur vermeintlich. Wer von den 45 Millionen, die das Bild bisher auf Instagram, Facebook und X erreicht hat, setzt sich mit den Palästinensern wirklich auseinander? Geht es nicht vielmehr um die eigene Haltung und um den salonfähig gewordenen Groll gegen Israel?

Es spielt schon keine Rolle mehr, ob es ein Filmstar, eine Sportgröße, eigene »Freunde« oder alte Kommilitonen sind: Mittlerweile fühlt sich beinah jede und jeder bemüßigt, seine politische Positionierung zum Leid der Palästinenser laut und unvermittelt kundzutun. Es ist augenfällig, dass wer bis anhin noch nicht zum Krieg in Gaza Stellung genommen, endlich die Gelegenheit hat, dies zu tun – mit dem simplen »Du bist dran«-Klick. Auf diese Weise Empathie auszudrücken, ist viel niederschwelliger und braucht weniger Überwindung, als Unis zu besetzen oder judenfeindliche Parolen auf Hetz-Demos zu verbreiten, geschweige denn Palästina als Staat anzuerkennen.

Der POV von Millionen Social Media-Nutzern in den letzten TagenFoto: ja

Aber ist man sich dabei bewusst, dass man die Hetze im Schneeballsystem weiterpostet? Kaum! Als Ursprung dessen gilt ein Account in Malaysia. Gemäß verschiedener Medien hat der Nutzer »@shahv4012« den Post »All Eyes on Rafah« in Umlauf gebracht. Er verbreitet auf seinem Instagram-Profil propalästinensische und hetzerische antiisraelische Beiträge. Das dürfte den wenigsten Nutzerinnen und Nutzern bewusst gewesen sein, die den Beitrag aus Betroffenheit mit der palästinensischen Zivilbevölkerung geteilt haben.

Auch nicht, dass unter der akribisch angeordneten Zeltstadt ein Netz von Tunneln besteht, wo vergewaltigte Frauen und verelendete Männer festgehalten werden, wenn sie denn überhaupt noch am Leben sind.

Somit geht die Rechnung auf und die Weltöffentlichkeit erliegt einer einfachen PR-Masche: Der Terror des 7. Oktobers ist längst in Vergessenheit geraten und die Welt kann ohne schlechtes Gewissen auf Rafah schauen. Die Hamas lacht sich dabei ins Fäustchen, weiß sie doch, gekonnt mit der Klaviatur westlicher Empathien zu spielen und das menschliche Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung, für das die Terroristen verantwortlich sind, für Propagandazwecke zu missbrauchen.

Aber das hilft der eigenen Zivilbevölkerung auch nicht. Wer dies versteht, soll bitte nicht auf »Du bist dran«-Buttons drücken.

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