Ramona Ambs

Maria könnte heute in Gaza nicht einmal im Stall überleben

Ramona Ambs Foto: privat

Es war dieses Jahr zu Weihnachten schwer en vogue: die »Heilige Familie« vor der Kulisse einer zerbombten Straße in Gaza. Auf Banksy-Fanseiten und an deutschen Kirchen konnte man dieses Motiv entdecken. Vor dem Dom in Worms sah das konkret so aus: Auf einer Leinwand sieht man ein durch Bomben zerstörtes Dorf, eine palästinensische Familie, die offensichtlich ihr Zuhause verloren hat, und davor drapiert steht die »Heilige Familie« aus Metall, ebenfalls ohne Obdach.

Durch diese Verbindung solle deutlich werden, dass es nicht darum gehe, Partei für die eine oder andere Seite in diesem Konflikt zu ergreifen, schreibt die Wormser Zeitung und zitiert Probst Tobias Schäfer: »Gott ergreift Partei, und zwar für alle Menschen, die leiden müssen, ganz gleich aus welchem Grund, welcher Nationalität und Religion. Leid ist nicht teilbar, ebenso wenig wie die Sehnsucht nach Frieden.«

Das klingt so warm, wohlig und weich wie ein Badeschwamm. Und ist auch genauso glitschig. Denn Frieden ohne Wahrheit und Gerechtigkeit ist nicht mal ein frommer Wunsch, sondern ein rosa Kleister, mit dem man die Realität zutünchen kann.

Solche Friedens-Ideologien dienen nur dem eigenen Wohlgefühl, und nicht den Menschen vor Ort. Zur Wahrheit gehört nämlich, dass die »Heilige Familie« - eine jüdische Familie(!) - bei den derzeitigen Machtverhältnissen in Gaza nicht mal in einem Stall überleben könnte.

Maria würde man vermutlich das Kind wegnehmen und sie vergewaltigen; Josef wäre günstigstenfalls in einen Hamastunnel verschleppt worden. Das ist die Realität. Eine solche Installation findet man aber vor keiner
Kirche. Würde ja auch das Friede-Freude-Eierkuchen-Feeling enorm irritieren und das offenbar ewig gefühlte Bild der Juden als Gottesmörder stören.

Am Schlimmsten aber ist, dass derlei romantische Verklärung auch auf Kosten der Kinder in Gaza geht, die ja nun wirklich leiden. Und die es verdient haben irgendwann in einem stabilen demokratischen Land aufzuwachsen- und nicht in einer Gesellschaft, wo es für Kinder angepasste Sprengstoffgürtel in Waffenlagern gibt, die man zwischen Schulen, Moscheen und Krankenhäusern platziert.

Kommentar

Antisemitismus im »Safe Place«: Die Kunstakademie Düsseldorf macht’s möglich

Eine Kunstakademie sollte Räume für kritisches Denken öffnen - aber nicht für Ideologien, die Menschenfeindlichkeit salonfähig machen

von Nicole Dreyfus  02.02.2026

Meinung

Antisemitismus auf Sendung

RTL zeigte ein Video zu einem »Betrüger-Gen« von Gil Ofarim – ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag. Nun wird das Video offline genommen. Doch das ist nur das Minimum an Konsequenzen

von Ayala Goldmann  03.02.2026 Aktualisiert

Meinung

Teilzeit ist kein »Lifestyle«

Der Wirtschaftsflügel der CDU und Bundeskanzler Merz wollen, dass die Deutschen mehr arbeiten. Sie missachten damit die vielfältigen Lebenswirklichkeiten der Menschen

von Günter Jek  02.02.2026

Meinung

Warum der Begriff »Davidstern-Skandal« unpassend ist

Die Formulierung beschreibt den Vorfall nicht nur falsch, sie deutet ihn auch als ein jüdisches Vergehen

von Martin Krauß  30.01.2026

Meinung

Warum es auch schwerfällt, die gelbe Schleife abzulegen

Zwei Jahre und drei Monate lang haben Menschen auf aller Welt mit der gelben Schleife ihre Solidarität mit den am 7. Oktober 2023 nach Gaza verschleppten Geiseln gezeigt. Nun können wir sie endlich ablegen

von Sophie Albers Ben Chamo  29.01.2026

Meinung

Die Täter müssen sich schämen

Ein Missbrauchsskandal erschüttert derzeit die jüdische Gemeinschaft Deutschlands. Wer solche Taten besser verhindern will, muss Betroffene in die Lage versetzen, angstfrei über ihre schrecklichen Erfahrungen sprechen zu können

von Daniela Fabian  29.01.2026

Meinung

Wenn Entwicklungspolitik Hamas-Propaganda übernimmt

Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) tätigt faktisch falsche Aussagen und übernimmt zentrale Narrative der palästinensischen Terrororganisation. Und dies ist nur die Spitze des Eisberges

von Sacha Stawski  29.01.2026

Meinung

Was würden Saba und Safta sagen?

Sie würden uns zurufen: »Wehrt euch gegen diesen Hass! Schließt euch mit denen zusammen, die in Deutschland bisher schweigen, aber dennoch die Mehrheit darstellen«

von Avitall Gerstetter  28.01.2026

Kommentar

Ein Schmock kommt selten allein

Im »Dschungelcamp« scheint Gil Ofarim in bester Gesellschaft. Doch was hat er aus seiner Lüge in der »Davidstern-Affäre« gelernt?

von Ayala Goldmann  27.01.2026