Meinung

Israel braucht einen neuen Plan

Joshua Schultheis Foto: Charlotte Bolwin

Meinung

Israel braucht einen neuen Plan

Die Zweifel sind zur Gewissheit geworden: Einen vollständigen militärischen Sieg über die Hamas wird es nicht geben

von Joshua Schultheis  23.01.2025 12:59 Uhr

Es sind inszenierte Bilder. Und doch: Kann so eine Terrorgruppe aussehen, die militärisch weitgehend geschlagen ist? Der Waffenstillstand in Gaza war kaum in Kraft, da zeigten arabische Medien Hamas-Kämpfer in Parade-Uniformen, die auf Pick-up-Trucks an jubelnden Menschenmengen vorbeifahren.

Allein, dass die Hamas in der Lage war, das Abkommen mit Israel nicht nur auszuhandeln, sondern – bisher zumindest – auch umzusetzen, zeigt, dass es sich nicht um eine versprengte Guerilla-Bande ohne funktionierende Kommandostrukturen handelt. Genau das hatte der ehemalige israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant im Herbst noch behauptet.

Der israelischen Armee ist es offensichtlich nicht gelungen, relevante Gebiete im Gazastreifen nachhaltig zu befrieden.

Doch der israelischen Armee ist es offensichtlich nicht gelungen, relevante Gebiete im Gazastreifen nachhaltig zu befrieden, und die Amerikaner gehen davon aus, dass die Hamas fast jeden ihrer getöteten Terroristen durch neue Rekruten ersetzen konnte. Nach 15 Monaten Krieg, der Zerstörung weiter Teile Gazas, 400 getöteten und über 2000 verwundeten israelischen Soldaten sowie unstrittig vielen Tausend toten palästinensischen Zivilisten ist das eine verheerende Bilanz. Sie ist so verheerend, dass sie Israels Politik und Militär zu einem Umdenken in ihrer Strategie bewegen müsste.

Die drei Kriegsziele der israelischen Regierung lagen nach dem, was am 7. Oktober 2023 geschehen war, auf der Hand: die Hamas vernichten, alle Geiseln nach Hause bringen und dafür sorgen, dass von Gaza nie wieder eine Gefahr für Israel ausgeht. Doch von Anfang an gab es Bedenken, ob das erste Ziel überhaupt zu erreichen sei.

Die Zweifel sind zur Gewissheit geworden: Einen vollständigen militärischen Sieg über die Hamas wird es nicht geben. Es ist Zeit, darüber nachzudenken, das erste Kriegsziel zugunsten der anderen beiden – Freiheit für die Geiseln und Sicherheit für Israel – aufzugeben. Das mag die Quadratur des Kreises sein, aber für welches Szenario gilt das nicht? Um aus diesem Krieg wieder herausfinden, braucht Israel jetzt einen neuen Plan.

schultheis@juedische-allgemeine.de

Meinung

Iranischer Staatsterror: Zeit zu handeln, Herr Bundeskanzler!

Die Islamische Revolutionsgarde des Iran wollte den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft zufolge Josef Schuster und Volker Beck ermorden lassen. Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben

von Michael Thaidigsmann  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Meinung

Das entspricht nicht der Essenz unseres Landes!

Man muss keine Sympathie für die Aktivisten der Gaza-Flotille haben, um die Art abzulehnen, wie Itamar Ben-Gvir mit ihnen umgegangen ist. Der Minister hat dem Ansehen Israels geschadet

von Sarah Cohen-Fantl  21.05.2026

Meinung

Die Jewrovision sendet ein Signal

Bei dem Musikwettbewerb haben die Teilnehmer auch immer wieder den grassierenden Antisemitismus thematisiert. Die Politik muss die Angst jüdischer Kinder und Jugendlicher endlich ernst nehmen

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Essay

Wie die »New York Times« Israel verteufelt

Der Autor Nicholas Kristof überzieht Israel in einem Meinungsbeitrag mit ungeheuerlichen Vorwürfen. Doch belastbare Beweise für seine Behauptungen legt er nicht vor – und schadet damit dem Journalismus

von Daniel Neumann  19.05.2026

Meinung

Die Israel-Allergie der ARD

Douze Points für Israel - und dann Schweigen

von Guy Katz  17.05.2026

Meinung

Ein Mutmacher in trüben Zeiten

Die Abstimmung für Noam Bettan beim Eurovision Song Contest zeigt, dass sich die Bürger nicht so einfach von israelfeindlicher Propaganda beeinflussen lassen

von Daniel Killy  17.05.2026

Meinung

Orden für den Botschafter: Wie Leo XIV. Irans Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026