Satire

Hugo Chávez wäre stolz auf ihn

Venezuelas Diktator Nicolas Maduro bei einer Kundgebung in Caracas 2024 Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Für Nicolás Maduro ist die Sache klar: Es geht ein Gespenst um in Lateinamerika, das Gespenst des Zionismus. Eine ganz große Verschwörung ist gegen ihn im Gange, da ist sich der Nachfolger des legendären Hugo Chávez im Amte des Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela sicher.

Und er hat ja auch gute Gründe für seine Vermutung, denn alle Welt zweifelt nun Maduros Wiederwahl vergangene Woche an. Dabei hatte sich der Amtsinhaber doch mit 52 Prozent der abgegebenen Stimmen deutlich durchgesetzt; sein wichtigster Gegenkandidat, der steinalte und völlig unbekannte Diplomat Edmundo González, kam nur auf 43 Prozent. Das Ergebnis hatte Maduro im Vorfeld der Wahl unter notarieller Aufsicht ausgeknobelt, um sicherzustellen, dass die Zionisten es nicht manipulieren würden.

Was diese natürlich trotzdem taten, ¡carajo!

Allen voran Elon Musk, der eigentliche Herrscher Amerikas. Und US-Außenminister Antony Blinken erkannte gar Edmundo González als legitimen Präsidenten Venezuelas an. Wieder so ein typischer Move des Zionismus.

Schon im April dieses Jahres hatte Nicolás Maduro diesen Leuten die hässliche Maske vom Gesicht gerissen, als er nämlich sagte: »Der Zionismus ist die Speerspitze des Faschismus in der Welt und er dringt nach Lateinamerika vor.«

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Das schreckliche Gesicht Hitlers sei auf dem Gesicht Netanjahus zu sehen, dem »Kriegsverbrecher, Mörder der Völker«, sagte er damals. Und: »Wir haben Beweise dafür, wie der Zionismus die sozialen Netzwerke kontrolliert, in jedem Land wählt er die Kandidaten der extremen Rechten aus und wäscht ihnen das Gesicht, normalisiert sie und präsentiert sie als Führer.«

Es war natürlich kein Zufall, dass ausgerechnet der Hellseher Nicolás Maduro jetzt Opfer dieser zionistischen Machenschaften wurde und ihm die sicher geglaubte Wiederwahl gestohlen würde.

Die ganze Welt hat sich gegen den Wiedergänger des Befreiers Simon Bolivar verschworen, und die Zionisten ziehen an den Strippen. Dabei hatten selbst die internationalen Medien (das chinesische Staatsfernsehen zum Beispiel) zunächst Maduros Wiederwahl vermeldet. »Venezuela wählt Nicolás Maduro zum dritten Mal« hatte der deutsche »Stern« (ein zionistischer Name!) getitelt und dann (wohl auf massiven Druck hin) die Überschrift geändert.

Bei CNN wurde aus »Hear reelected Maduro speak following win« urplötzlich »Maduro speaks after his claimed victory«. Dass da etwas nicht mit rechten Dingen zuging, konnte sich jeder unbedarfte Busfahrer an drei Fingern abzählen, und Maduro weiß, wovon er spricht, denn er startete seine politische Karriere in Diensten der bolivarischen Revolution einst als Busfahrer.

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Ende letzter Woche nannte Nicolás Maduro öffentlich Ross und Reiter. »Der Zionismus unterstützt den Putsch in Venezuela auch durch Einflussnahme auf die sozialen Medien. Mein Wahlsieg ist das beste Zeichen dafür, dass eine Nation nach ihrer Unabhängigkeit, ihrer Würde und ihrer Zukunft strebt und dass die Welt nicht länger den Forderungen Washingtons und des neuen brutalen kapitalistischen Systems und des Faschismus folgt.«

Ein »Cyberputsch« gegen die revolutionäre Linke sei gerade im Gange, so der seit elf Jahren amtierende Staatschef. »Dieser Putsch wird von den Vereinigten Staaten, der extremen Rechten unter Mitwirkung von Elon Musk und dem grausamen kapitalistischen System angeführt.«

El Comandante Hugo Chávez, Bolivar hab ihn selig, musste damals, kurz vor seinem Tod 2013, als er Maduro zu seinem gewählten Nachfolger kürte, Zweifel an ihm haben. Denn unter Maduros Vorfahren sind sefardische Juden. Mit anderen Worten: Er hatte eine zionistische Oma.

Aber dieser Nicolás Maduro hat sich nun als lernfähig erwiesen. Er hat nicht nur bewiesen, dass er Wahlen manipulieren kann. Er spielt auch gekonnt auf der Klaviatur des Antisemitismus.

Hugo Chávez kann sich vor stolzgeschwellter Brust sicher nicht mehr im Grabe umdrehen.

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