Meinung

Hoffentlich wird Viktor Orbán abgewählt

Joshua Schultheis Foto: (c) IRAPROHOROVA

Meinung

Hoffentlich wird Viktor Orbán abgewählt

Am 12. April stehen in Ungarn Wahlen an. Unter seinem langjährigen Ministerpräsidenten ist das Land zu einem russischen U-Boot in der Europäischen Union geworden

von Joshua Schultheis  04.04.2026 20:57 Uhr

In den wenigsten europäischen Hauptstädten wird man Viktor Orbán eine Träne nachweinen, sollte er die ungarischen Parlamentswahlen am 12. April verlieren. Das Land erwirtschaftet lediglich 1,1 Prozent der Wirtschaftsleistung der Europäischen Union, zwingt unter seinem langjährigen Ministerpräsidenten den Staatenverbund aber immer wieder in den politischen Stillstand.

Aktuell blockiert Orbán unter vorgeschobenen Gründen einen 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU für die Ukraine, obwohl es für das von Russland angegriffene Land um nicht weniger als das eigene Überleben geht. Die »Washington Post« berichtet derweil, dass Orbáns Außenminister Péter Szijjártó regelmäßig Informationen aus vertraulichen EU-Sitzungen an Russland weitergegeben haben soll.

Die Juden Ungarns sind geteilter Meinung, wenn es um ihren Ministerpräsidenten geht.

Der bestreitet dies, ins Bild passt es aber nur zu gut: Ungarn ist zu einem russischen U-Boot in Europa geworden. Für die EU ist das Mitgliedsland nicht nur eine Last, sondern ein Sicherheitsrisiko.

Und aus jüdischer Sicht? Orbán kann darauf verweisen, dass sich in keinem anderen EU-Land die jüdische Gemeinschaft so sicher fühlt wie in Ungarn. Dennoch sind die Juden des Landes geteilter Meinung, wenn es um ihren Ministerpräsidenten geht. So kritisiert ihn etwa der Dachverband ungarischer Gemeinden Mazsihisz wegen seiner Verharmlosung der Rolle Ungarns in der Schoa und der antisemitisch konnotierten Kampagne gegen den jüdischen Unternehmer George Soros.

Zudem ist die häufig angeführte Nähe Orbáns zu Israel eher mit seiner Freundschaft zu Premierminister Benjamin Netanjahu zu erklären als mit seiner Liebe zum jüdischen Staat.

Lesen Sie auch

Es spricht also viel dafür, dem Herausforderer Péter Magyar bei der Wahl die Daumen zu drücken. Mit ihm würde Ungarn wieder ein konstruktiver Akteur in der EU werden und das Land den Weg zurück zur Rechtsstaatlichkeit einschlagen. Anstalten, den Juden Ungarns oder Israel den Rücken zu kehren, macht Magyar nicht. Hoffentlich werden sich am Wahlsonntag die Umfragen bewahrheiten: In denen führt Magyar derzeit nämlich vor Orbán.

schultheis@juedische-allgemeine.de

Großbritannien

Brandanschlag in London: Untersuchungshaft für Verdächtige

Mehrere Krankenwagen eines jüdischen Rettungsdienstes in Golders Green werden in Brand gesetzt. Vor Gericht erschienen nun drei Verdächtige

 04.04.2026

USA

So wild wie Doja Cat

Sie ist der einzige weibliche jüdische R&B-Superstar – und eine der erfolgreichsten Rapperinnen unserer Zeit

von Sarah Thalia Pines  04.04.2026

London

Jüdische Londoner fühlen sich von Aktivisten eingeschüchtert

Rund 40 Personen seien in ein jüdisch geprägtes Wohngebiet gezogen, hätten Parolen wie »Völkermord« skandiert und gefordert, der Staat Israel müsse verschwinden, sagen Augenzeugen

 01.04.2026

Nepal

Sederabend auf Rekordniveau

Wie Kathmandu zur Bühne einer der größten Pessachfeiern der Welt wurde

von Matthias Messmer  31.03.2026

Winnipeg

Jüdischer Anti-Zionist wird Chef der sozialdemokratischen NDP

Avi Lewis delegitimiere einen wesentlichen Teil jüdischer Identität, sagen jüdische Organisationen in Kanada

 31.03.2026

Österreich

Hamas-Narrative im ORF?

Für die Österreichische Medienbehörde ist klar, dass der ORF den Krieg im Gazastreifen in einer ausgestrahlten TV-Dokumentation verzerrt hat

von Nicole Dreyfus  30.03.2026

Porträt

Challa vom Prinzen

Idan Chabasov wurde mit seinen kunstvollen Zopfkreationen auf Instagram berühmt. Sein simples Rezept: Mehl, Wasser, Hefe und Verbundenheit zur jüdischen Gemeinschaft. Seine ersten Challot hat er in Berlin gebacken

von Nicole Dreyfus  29.03.2026

Gesa Ederberg

»Globaler und vielfältiger«

Die Berliner Rabbinerin über ihre neue Präsidentschaft der »Rabbinical Assembly«, amerikanische Kollegen und europäischen Elan

von Mascha Malburg  29.03.2026

Großbritannien

Wegen Hamas-Lob: Polizei nimmt Ärztin zum fünften Mal fest

Immer wieder machte die britisch-palästinensische Medizinerin Rahmeh Aladwan mit antisemitischer Hetze von sich reden. Doch auch dieses Mal wurde sie nicht in Haft genommen

 27.03.2026