Maram Stern

Europa ist kriegsmüde

Maram Stern, Geschäftsführer des Jüdischen Weltkongresses Foto: Marco Limberg

Maram Stern

Europa ist kriegsmüde

Wohlfeile Appelle reichen im Gaza-Konflikt nicht aus

von Maram Stern  12.11.2018 18:39 Uhr

Geht’s da unten schon wieder los? Dieser Gedanke mag vielen in den Sinn gekommen sein, als sie Anfang der Woche die Schlagzeile lasen: »Israel greift Ziele in Gaza an«.

Europa hat zwar am Wochenende mit großem Tamtam des Endes des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren gedacht. Aber in Wahrheit ist es kriegsmüde. Nicht, weil es in militärische Konflikte verwickelt wäre, sondern weil aus dem Nahen Osten tagtäglich Meldungen von Toten und Verletzten auf uns einprasseln. Nur wenige machen sich noch die Mühe, genauer hinzusehen.

terrorangriffe Doch weder die Menschen in Israel noch jene im Gazastreifen genießen den Luxus, wegsehen zu können. Im Süden Israels schlagen seit mehr als einem Jahrzehnt immer wieder Geschosse ein, die von der Hamas von Gaza aus abgefeuert werden. Diese Woche geschieht das massiv: Granaten auf einen Bus, Raketen auf Wohngebiete. Das sind nicht verzweifelte Akte einzelner Palästinenser, sondern gezielte Terrorangriffe auf Zivilisten.

Das Grundproblem ist die Hamas. Seit einem Jahrzehnt beherrscht diese vom Westen zu Recht als Terrorgruppe eingestufte Organisation die Küstenenklave. Aber was unternimmt der Westen, was unternimmt die EU dagegen? Recht wenig, hat man das Gefühl.

hamas Statt politischen Druck auf die Islamisten aufzubauen und so auch den Menschen in Gaza zu helfen, erschöpft man sich in wohlfeilen Appellen an beide Seiten, auf Gewaltanwendung zu verzichten. Das reicht nicht. Und es zeichnet ein falsches Bild, wonach beide Seiten gleichermaßen verantwortlich seien. Der Aggressor ist nicht Israel, sondern die Hamas. Auf sie muss eingewirkt werden, damit das Blutvergießen ein Ende hat.

Es ist Pflicht des Staates Israel, seine Bürger zu verteidigen. Und Europa muss handeln. Auch im eigenen Interesse: Eine Wiederholung der judenfeindlichen Ausschreitungen, die wir hier während des letzten Gaza-Krieges 2014 erleben mussten, wäre unerträglich.

Der Autor ist stellvertretender Geschäftsführer des Jüdischen Weltkongresses (WJC).

Kommentar

Wir müssen unsere Kinder schützen

In Israel wurde ein 14-jähriger Junge bei Protesten gegen die Wehrpflicht von einem Bus erfasst und getötet. Hier reflektiert ein orthodoxer Rabbiner aus Jerusalem, was sich ändern muss

von Rabbiner Raphael Evers  12.01.2026

Meinung

Wo bleibt Deutschlands Unterstützung für die protestierenden Iraner?

Bisher äußerte sich der Bundeskanzler schmallippig zu den Protesten gegen die Mullahs. Es wird Zeit, dass er aus Europa Druck auf die Mullahs macht

von Saba Farzan  11.01.2026

Kommentar

Ärzte mit Grenzen

Die Waffen schweigen weitgehend in Gaza, der Informationskrieg tobt weiter. Ein besonders niederträchtiges Beispiel liefert »Ärzte ohne Grenzen«

von Wolf J. Reuter  10.01.2026 Aktualisiert

Kommentar

Ich gebe die Hoffnung für Brandenburg nicht auf

Nach dem Koalitionsbruch muss die Politik die Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen

von Alex Stolze  09.01.2026

Meinung

Instrumentalisiertes Leid kennt keine Moral

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana braucht es Mitgefühl und Respekt. Wer eine lokale Tragödie von existenzieller persönlicher Wucht für politische Deutungen missbraucht, handelt zynisch – und entwürdigt die Betroffenen.

von Nicole Dreyfus  08.01.2026

Kommentar

Keine großen Sorgen vor Mamdani, bitte

Hannes Stein über den neuen Bürgermeister von New York und die Herausforderungen, die der Job für den Israelhasser mit sich bringt

von Hannes Stein  07.01.2026

Kommentar

Erst Maduro, dann die Mullahs?

Der Sturz des venezolanischen Diktators ist auch eine glasklare Warnung an das iranische Regime. Israel und die USA könnten einen Beitrag dazu leisten, es zu Fall zu bringen

von Saba Farzan  07.01.2026

Analyse

Warum die Proteste im Iran auch eine Chance für unsere Sicherheit sind

Anschläge und Morde, verdeckte Handelsfronten, Identitätsdiebstahl und Sanktionsumgehung: Das Regime in Teheran ist auch in Europa zu einem hybriden Bedrohungsakteur geworden. Umso wichtiger ist es, die Regimegegner zu unterstützen

von Rebecca Schönenbach  04.01.2026

Kommentar

Der Edelpilz, der keiner ist

New Yorks neuer Bürgermeister Zohran Mamdani hat bereits die Anerkennung der IHRA-Definition durch die Stadtverwaltung und das Boykottverbot gegen Israel aufgehoben

von Louis Lewitan  02.01.2026