Michael Wolffsohn

Europa braucht Amerika – weiterhin

Der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn Foto: imago

Michael Wolffsohn

Europa braucht Amerika – weiterhin

Die Forderungen, eine europäische Armee aufzubauen, werden sich als Totgeburt erweisen

von Michael Wolffsohn  22.11.2018 08:20 Uhr

Selbst die größten EU-Staaten sind machtpolitisch als Einzelakteure Fliegengewichte. Deshalb ist der Vorschlag einer »echten Europäischen Armee« zunächst überzeugend. Ist mit »Europa« nur die EU gemeint und/oder alle europäischen NATO-Mitglieder? Entscheidend ist die Antwort auf die transatlantische Gretchenfrage: »Wie hältst du’s mit den USA?«

Macrons und Merkels
Vorschlag entkoppelt
uns von den USA.

Im Gegensatz zum deutsch-westeuropäischen Hauptstrom in Politik, Gesellschaft und Medien setze ich die USA nicht mit Trump gleich. Die Trumps kommen und gehen, aber die sicherheitspolitische Abhängigkeit Europas, der EU und der NATO-Mitglieder hängt auf absehbare Zeit allein von den USA ab – und nicht von den großsprecherischen Parolen europäischer Politiker. Diese verkünden seit Jahrzehnten, »mehr für die Sicherheit« tun zu wollen. Gesprochen und versprochen haben sie viel, eingehalten jedoch wenig. In diesem Punkt ist sogar Donald Trump zuzustimmen.

DROGE Dass »die« europäischen Politiker nicht »geliefert« haben, ist keineswegs in erster Linie deren Schuld. Sie und die Bürger Europas wissen: »Wenn’s hart auf hart kommt, holen die Amis für uns die Kastanien aus dem Feuer.« Das wiederum ermöglicht unser Wohlbefinden durch staatliche Sozial- und Wohlfahrtspolitik. Die ist längst Droge und Kitt europäischer Gesellschaften. Kein Politiker schafft und will eine diesbezügliche Entziehungskur. Deshalb gleicht der Vorschlag einer »echten« Europäischen Armee einer Totgeburt. So war es aus anderen Gründen 1954, so wird es wieder sein.

Vater und Mutter dieser gedanklichen »Wiederauferstehung« sind Emmanuel Macron und Angela Merkel. Beide unterstellen, unverhohlen polemisch, den USA (vor allem Trump), die Sicherheit Europas nicht mehr garantieren zu wollen. Aber jenseits der »Trumpologie«, die der Frage nachgeht, ob der Mann meint, was er sagt, irren sie. Denn geostrategisch brauchen die USA selbst ein schwaches Europa. Macrons und Merkels Vorschlag entkoppelt uns von den USA. Das gleicht sicherheitspolitischem Selbstmord. Leider hat Trump auch hier recht: Europa sollte zuerst seine NATO-Pflichten erfüllen.

Der Autor ist Historiker und lehrte an der Hochschule der Bundeswehr in München.

Analyse

Der strategische Fehler Teherans – und die Chance auf eine neue Ordnung im Nahen Osten

Wie der Krieg gegen das iranische Regime die Machtverhältnisse der Region dauerhaft verändern könnte

von Sacha Stawski  12.03.2026

Kommentar

Chamenei und die VIP-Lounge im Paradies

»VIP?«, fragt ein Engel durch den Türspalt. »Gewiss. Ich bin der Erhabene Führer«, sagt er ungeduldig

von Louis Lewitan  12.03.2026

Lanz und Precht

»Irgendwie so bombt man sich das Ganze am Ende zurecht«

In ihrem wöchentlichen Podcast versuchen sich Talkmaster Markus Lanz und Philosoph Richard David Precht an einer Analyse der Hintergründe des Irankriegs – und scheitern gewaltig

von Michael Thaidigsmann  11.03.2026

Meinung

Jüdisches Leben gehört zum Ländle

Nach der Wahl in Baden-Württemberg kann die jüdische Gemeinschaft darauf vertrauen, auch künftig einen zuverlässigen Partner in der Landesregierung zu haben. Einzig das gute Abschneiden der AfD bereitet Sorgen

von Barbara Traub  11.03.2026

Meinung

Die Revolutionsgarde muss jetzt verboten werden!

Trotz Listung auf der EU-Terrorliste kann der verlängerte Arm des iranischen Regimes in Deutschland weiter seine Propaganda verbreiten. Um das zu unterbinden, muss die Bundesregierung endlich ein Betätigungsverbot verhängen

von Sophie Albers Ben Chamo  11.03.2026

Kommentar

Der Iran-Krieg könnte das Ende der amerikanisch-israelischen Allianz bedeuten

Noch folgt im Kampf gegen das Mullah-Regime eine gute Nachricht auf die andere. Doch sobald der Krieg in die schwierige Phase übergeht, werden auch die Beziehungen zwischen Jerusalem und Washington auf die Probe gestellt werden

von Hannes Stein  09.03.2026

Meinung

Knaulkorb für den Zentralrat

In einem »taz«-Kommentar von Susanne Knaul wird der Zentralrat der Juden und sein Präsident Josef Schuster aufgefordert, beim Thema Iran »einfach mal die Klappe« zu halten

von Michael Thaidigsmann  06.03.2026 Aktualisiert

Meinung

Der Iran, der Krieg und das Völkerrecht

Das Völkerrecht soll Menschen schützen. Wenn es zum Selbstzweck erhoben und höher gewichtet wird, als die Schicksale der Entrechteten, verliert es seinen Sinn

von Tobias Kühn  04.03.2026

Meinung

Wie die Kirche beim Thema Iran die Orientierung verliert

Ein Kommentar von Daniel Neumann

von Daniel Neumann  02.03.2026