Michael Thaidigsmann

EU: Immerhin klare Worte

Michael Thaidigsmann

Der künftige EU-Außenbeauftragte, Spaniens amtierender Außenminister Josep Borrell Fontelles, ist kein Neuling auf dem Brüsseler Parkett. Von 2004 bis 2006 war er Präsident des Europäischen Parlaments. Auch in Israel ist der Katalane kein Unbekannter. In einer Rede vor der Knesset sprach er 2005 davon, dass Israel wegen seiner Bevölkerungsstruktur und seiner demokratischen Verfasstheit ein »natürlicher Partner« Europas sei. Borrells Ex-Frau, die Mutter seiner Kinder, ist eine französische Jüdin. Er lernte sie 1969 bei einem Freiwilligeneinsatz in einem Kibbuz kennen.

BOTSCHAFT Begeisterungsstürme entfacht die Ernennung des 72-jährigen Politveteranen in Israel und bei jüdischen Organisationen dennoch nicht. In der Tradition der spanischen Sozia­listen steht er Israel kritisch bis ablehnend gegenüber. Als Außenminister versprach er, sich für die schnelle Anerkennung Palästinas einzusetzen. Der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem attestierte er, sie fördere nur »Netanjahus kriegerische Arroganz«.

Borrel lobte
Errungenschaften der
Islamischen Revolution.

Im Februar pries er dann per Twitter angebliche Errungenschaften der Islamischen Revolution. Dass der Iran Israel auslöschen wolle, sei doch »nichts Neues«, legte er nach. Damit müsse man leben. In den USA sah sich Borrell zudem Rassismusvorwürfen ausgesetzt. »Das Einzige, was die machen mussten, war, vier Indianer umzubringen«, fasste er 2018 den amerikanischen Einigungsprozess salopp zusammen

Kann so jemand Europas Außenpolitik im Nahen Osten neuen Elan geben? Zweifel sind erlaubt. Unter der aktuellen Außenbeauftragten Mogherini und ihrer Vorgängerin Ashton waren die Beziehungen zu Israel von gegenseitigem Misstrauen geprägt, was nicht nur der Regierung Netanjahu zuzuschreiben ist. Dennoch sollte man einen erfahrenen Politiker wie Borrell nicht nur an seinen markigen Worten messen, sondern an seinen Taten.

Der Autor ist freier Journalist in Brüssel.

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige

von Roman Haller  10.05.2026

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Essay

Wenn meine Töchter mich fragen

Am 8. Mai 1945 wurde der NS-Staat besiegt, aber nicht das Denken, das ihn ermöglicht hat. Der Hass wächst heute wieder. Werde ich meinen Kindern einmal sagen können, dass ich nicht geschwiegen, sondern widersprochen habe?

von Andreas Albrecht  08.05.2026

Meinung

Der »Tag des Sieges« und der Krieg heute

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges müssen wir die Geschichte neu aufrollen und hinterfragen, wie wir mit dem stets pompös begangenen 9. Mai umgehen sollen

von Irina Bondas  08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026

Meinung

Warum Erwin Rommel kein Vorbild für die Bundeswehr sein kann

Der Mythos vom ritterlichen »Wüstenfuchs« überlagert bis heute die wahre Geschichte hinter dem Nazi-General. Umso dringender ist eine Beschäftigung mit seiner Biografie

von Benjamin Ortmeyer  07.05.2026

Essay

Brandbeschleuniger Hass auf Israel: Der Gesetzgeber darf nicht länger wegschauen

Wer auf unseren Straßen »Tod Israel« ruft, kann bislang in der Regel ohne strafrechtliche Konsequenzen bleiben. Das zermürbt die Demokratie

von Volker Beck  07.05.2026

Meinung

Die Angst, als Jude erkannt zu werden

Der Lagebericht des Zentralrats offenbart, wie unsicher sich Juden in Deutschland fühlen. Eine Gemeindevorsitzende beschreibt, was das für den Alltag der jüdischen Gemeinschaft bedeutet

von Jeanne Bakal  07.05.2026