Canan Topçu

Erdoğans Israel-Hetze als Wahlkampftaktik

Canan Topçu Foto: privat

Canan Topçu

Erdoğans Israel-Hetze als Wahlkampftaktik

Dass das Oberhaupt eines Nato-Staates folgenlos Lügen verbreitet und ungehemmt Fakten verfälscht, hat nichts mit Unkenntnis von Geschichte, sondern mit politischem Kalkül zu tun

von Canan Topçu  13.03.2024 16:09 Uhr

Was verbindet die US-amerikanische Philosophin Judith Butler mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan? Diese Frage könnte der Beginn eines Witzes sein – eines Witzes, der Erdoğan sehr ärgern würde, weil er ausgerechnet mit einer Person gleichgesetzt wird, die die Existenz von nur zwei Geschlechtern ablehnt. Eines haben sie aber gemeinsam: Sie beharren darauf, dass es sich bei dem Angriff der Hamas am 7. Oktober nicht um Terrorismus handelt.

Die Hamas sei eine Befreiungsorganisation, daran halten der Staatsmann und die Gendertheoretikerin fest. Während etliche deutsche Medien Butlers Rede vor einer Woche in Paris – kaum dass sie über soziale Netzwerke in Umlauf gebracht wurde – aufgriffen und kommentierten, bleibt es erstaunlich ruhig nach Erdoğans Ansprache vom vergangenen Samstag.

Der türkische Staatspräsident stellte klar, dass sein Land ohne Wenn und Aber zur Hamas steht.

Anlässlich der Jahresversammlung der Stiftung zur Verbreitung von Wissenschaft sprach er als Ehrengast und nutzte seinen Auftritt, um klarzustellen, dass die Türkei ohne Wenn und Aber zur Hamas steht. Dass das Staatsoberhaupt diese Veranstaltung als Werbeblock für sich und seine islamistische Partei nutzte, die sich »weltweit« für die Palästinenser in Gaza einsetzt, mag mit den bevorstehenden Kommunalwahlen in der Türkei zu tun haben.

Warum Erdoğan eine mehr als zehn Minuten lange Hasstirade gegen Israel hielt und den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu mit Adolf Hitler gleichsetzte? Mit Unkenntnis von Geschichte hat das nichts zu tun, sondern mit politischem Kalkül, in das sich Größenwahn und Kränkung mischt. Dass das Oberhaupt eines Nato-Staates folgenlos Lügen verbreitet und ungehemmt Fakten verfälscht, ist ebenso ungeheuerlich und beunruhigend wie Erdoğans Beharren darauf, Hamas-Terroristen seien Mujaheddins.

Die Autorin ist Journalistin und lebt in Frankfurt am Main.

Elif Eralp

Meinung

Sprengsatz im Berliner Kessel

Was brodelt in der Berliner Linken – und warum wollen SPD und Grüne mit ihr regieren?

von Peter Hesse  19.10.2026

Susanne Stephan

Kommentar

Eines demokratischen Staates unwürdig

Israelische Behörden gehen immer rigoroser gegen Medienschaffende vor, die Kritik an der Regierung äußern. Diese Verbote schwächen am Ende die Demokratie und damit den jüdischen Staat als Ganzes

von Susanne Stephan  19.10.2026

Kommentar

»Wir sind keine Juden«: Die hässliche Fratze der französischen Krawalle

Es zeigt sich eine Querfront der Aggression, bei der sozialer Frust, postkolonialer Opfermythos und tiefsitzender Judenhass verschmelzen

von Ute Cohen  19.10.2026

Meinung

Flugabwehr bei VW? Aber ja!

Volkswagen, Rafael und die deutsch-israelische Rüstungskooperation

von Jan-Philipp Hein  18.10.2026

Kommentar

Ein Tag der Schande

Die Linkspartei, SPD und Grüne haben ihre Sondierungen beendet. Nun wollen sie in Berlin eine Regierung bilden

von Philipp Peyman Engel  17.10.2026

Kommentar

Deutsche Iran-Politik: Urkomische Dinge und pure Realitätsverweigerung

Der neue Botschafter der Bundesrepublik in Teheran, Axel Dittmann, produziert mit seinen Instagram-Videos unfreiwillig Realsatire

von Saba Farzan  16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Essay

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Irland

Ausgerechnet eine Antisemitismuskonferenz fällt dem Judenhass zum Opfer

In Dublin fand eine Tagung von Antisemitismusbeauftragten und jüdischen Vertretern statt. Ein Hotel verweigerte die Unterbringung. Für Irlands Gemeindevorsitzenden zeigt das, wie Antisemitismus sich immer wieder neu manifestiert

von Maurice Cohen  14.10.2026