Ayala Goldmann

documenta: Israelis nach Kassel einladen!

Ayala Goldmann, Redakteurin Feuilleton Foto: Ayala Goldmann

Ayala Goldmann

documenta: Israelis nach Kassel einladen!

Weigern sich Boykott-Fans, mit Israelis zusammenzuarbeiten, kann auf ihre Teilnahme getrost verzichtet werden

von Ayala Goldmann  20.01.2022 08:11 Uhr

Um die Kasseler Kunstschau documenta ist fünf Monate vor ihrem Beginn ein Streit entbrannt, in den sich auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth eingeschaltet hat. Dem indonesischen Kuratorenteam ruangrupa wird vorgeworfen, es habe eine palästinensische Organisation eingebunden, die Boykotte gegen Israel unterstützt. Auch in Gremien der documenta säßen, so der begründete Vorwurf, Freunde der laut Bundestag antisemitischen BDS-Bewegung.

Widerspruch kam im Namen der Kunstfreiheit: Sobald man Künstler mit Verbindungen zur arabischen Welt oder zum »globalen Süden« einlade, treffe man auf Menschen, die eine andere Haltung zum BDS hätten als die offiziellen Leitlinien bundesdeutscher Politik, schrieb Elke Buhr, Chefredakteurin des Kunstmagazins »Monopol«. Wer damit nicht klarkomme, müsse sich von der Idee einer internationalen Ausstellung verabschieden.

KUNSTFREIHEIT Doch diese Argumentation greift zu kurz. Dass es Boykotte sind, die eine Einschränkung der Kunstfreiheit befördern, zeigte sich soeben in Australien: Das Sydney-Festival wurde von Dutzenden Künstlern boykottiert, weil die israelische Botschaft einen Tanzauftritt der Sydney Dance Company, choreografiert von dem Israeli Ohad Naharin, gesponsert hatte. Die Festivalleitung knickte ein – und entschuldigte sich bei den Künstlern!

Damit es in Deutschland nicht so weit kommt, ist die Debatte über die documenta dringend nötig. Aus Claudia Roths Behörde verlautete, sie habe mit ihrer Besprechung mit den documenta-Machern »das Problembewusstsein schärfen« wollen. Nun will der Aufsichtsrat der Kunstschau über das Thema beraten. Das ist zu begrüßen.

Es wäre mehr als naheliegend, bei der documenta 15 nicht nur erinnerungspolitisch oder im Rahmen von Foren zu diskutieren, sondern auch israelische Künstler einzuladen.

Es wäre aber mehr als naheliegend, bei der documenta 15 nicht nur erinnerungspolitisch oder im Rahmen von Foren zu diskutieren, sondern auch israelische Künstler (und zwar keine BDS-Aktivisten) einzuladen – zumal die Auswahl der Teilnehmer nicht abgeschlossen ist.

Dann müssten die Boykott-Fans Farbe bekennen: Weigern sie sich, mit Israelis zusammenzuarbeiten, kann auf ihre Teilnahme an einer mit deutschem Geld finanzierten Ausstellung getrost verzichtet werden.

goldmann@juedische-allgemeine.de

Meinung

London belohnt die Verweigerungshaltung der Palästinenser

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht

von Daniel Neumann  08.09.2026

Meinung

Die Wähler sind selbst schuld

Die AfD macht die etablierten Parteien verächtlich und höhlt so die Demokratie aus. Doch die eigentliche Verantwortung für die Misere trägt der Souverän

von Michael Thaidigsmann  08.09.2026

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  08.09.2026

Kommentar

Und nun?

Bloße Empörung über den Wahlsieg der rechtsextremen AfD ist billig und wohlfeil. Es sollte endlich auch über die Gründe ihrer Popularität gesprochen werden. Die Parteien der Mitte müssen endlich aufwachen

von Philipp Peyman Engel  07.09.2026

Kommentar

Warum es eine Brandmauer gegen die Linkspartei braucht

Wenn eine Brandmauer nur auf einer Seite steht, brennt es von der anderen rein. Über diese offene Seite müssen wir reden

von Nelly Eliasberg  06.09.2026

Kommentar

Wladimir Putin setzt auf unsere Langsamkeit

Konsulatsschließungen fangen keine Drohnen ab, Sanktionen schützen keinen Flughafen. Deutschland muss gegenüber Russland endlich eine härtere Gangart einschlagen

von Sergey Lagodinsky  04.09.2026

Medien

Wie »Die Zeit« den fanatischen Israelhasser Zohran Mamdani zur politischen Lichtgestalt umdeutet

von Regula Stämpfli  03.09.2026

Meinung

Ärmer durch die Wohngeldreform

Bereits heute ist mehr als die Hälfte der jüdischen Zuwanderer im Rentenalter auf Grundsicherung angewiesen. Die Reform drängt ausgerechnet jene dorthin zurück, die es mit eigener Lebensleistung geschafft haben, ihr zu entkommen

von Günter Jek  03.09.2026

Justiz

Meinungsfreiheit ist kein Freibrief: Zur Leugnung des Existenzrechts Israels

Eine Klarstellung von Nathan Gelbart

von Nathan Gelbart  01.09.2026