Meinung

Die Namen in die Welt schreien

Sabine Brandes Foto: privat

Meinung

Die Namen in die Welt schreien

24 junge Männer in der Gewalt der Hamas sind wahrscheinlich noch am Leben - sie können und müssen durch ein Abkommen gerettet werden

von Sabine Brandes  28.04.2025 16:41 Uhr

Jetzt wissen wir es. Wir müssen nicht mehr rätseln, wie es ihnen geht. Wir können die verständliche wie auch illusorische Hoffnung ad acta legen, dass zumindest einige der Geiseln doch in mehr oder weniger menschlichen Verhältnissen in Gaza gefangen gehalten werden.

Die verschleppten Menschen, die noch immer dort sind, werden unter gänzlich inhumanen Bedingungen unter der Erde eingesperrt. Sie sind verletzt und krank, werden psychisch terrorisiert, ausgehungert und auf die grausamsten Weisen gefoltert.

All das ist durch Aussagen von freigelassenen Geiseln detailliert beschrieben worden. Und die Folgen der Folter sind in den Propagandavideos der Hamas sogar ersichtlich. Wie im Fall des jungen Soldaten Matan Angrest. Der mittlerweile 21-Jährige muss seit mehr als eineinhalb Jahren Höllenqualen in Gaza erleiden. Weil er als Soldat gekidnappt wurde, wird er noch viel schlimmer behandelt als alle anderen.

Lesen Sie auch

»Gebt sie endlich frei«, schreien die Angehörigen wieder und wieder in Richtung Hamas. Auf dem Platz der Geiseln, direkt an der Grenze, in der Knesset in Jerusalem und auf der ganzen weiten Welt stehen sie, die Bilder ihrer Liebsten in den Händen und flehen. Dass die sadistische Todeskult-Terrorgruppe sich erweichen lässt, darauf hoffen sie schon lange nicht mehr. Doch sie betteln um ein Abkommen mit ihr, damit dieser Alptraum endlich ein Ende hat. Denn sie wissen, dass ihre Liebsten noch gerettet werden können.

Manche Menschen hören sie an, die meisten ignorieren sie. So ist es nicht nur in anderen Ländern, so ist es auch hier in Israel. Viele Mitglieder der Regierungskoalition gehen nicht nur einfach weiter, wenn Familien der Geiseln in der Knesset um Aufmerksamkeit bitten, sie sprechen sich sogar offen gegen einen Deal für die Befreiung der Menschen aus.

Yuval Haran, der Schwager der ehemaligen Geisel Tal Shoham, sagte mir vor einer Weile, dass man »Tals Namen in die Welt schreien muss. Und die Namen aller anderen Geiseln auch. Wieder und wieder, an allen möglichen Orten der Welt, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.« Das dürfe auf keinen Fall geschehen. Denn davon, machte er mit ernstem Blick klar, würde sich Israel nie wieder erholen.

Für Yuval gab es zumindest teilweise ein Happy End. Es war unglaublich bewegend, ihn nach der Freilassung seines Schwagers Tal im Fernsehen sehen zu dürfen. Die Erleichterung nach der langen Zeit des Fürchtens, Bangens und Hoffens stand ihm ins Gesicht geschrieben, als er breit lachte und Freudentränen über seine Wangen liefen.

Vor wenigen Monaten noch gab es sehr viel Unklarheit, wie es den verbleibenden Geiseln in Gaza geht. Doch dann kamen Eli Sharabi, Yarden Bibas, Eliya Cohen, Omer Wenkert und andere aus der Gewalt der Hamas frei. Sie begannen uns zu erzählen, wie es dort wirklich ist. Sie sprechen, um die anderen zu retten. Und wir müssen ihnen zuhören und ihre Geschichten weitertragen.

24 Geiseln sind derzeit höchstwahrscheinlich noch am Leben, geben die israelischen Sicherheitsbehörden an. Alles junge Männer, die den Großteil ihres Lebens noch vor sich haben. »Wenn sie nicht bald freigelassen werden, sterben sie dort«, sagte Tal Shoham in einem Interview am Wochenende. Noch aber atmen sie, leiden unvorstellbare Qualen und warten jede Sekunde darauf, dass sie befreit werden. Das wissen wir jetzt.

Also schreie ich ihre Namen in die Welt: Matan Angrest, Elkana Bohbot, Edan Alexander, Avinatan Or, Yosef-Haim Ohana, Alon Ohel, Evyatar David, Guy Gilboa-Dalal, Binbin Yoshi, Rom Braslavski, Ziv Berman, Gali Berman, Omri Miran, Eitan Mor, Segev Kalfon, Nimrod Cohen, Pinta Nattapong, Maxim Herkin, Eitan Horn, Matan Zangauker, Bar Kupershtein, Ariel Cunio, David Cunio und Tamir Nimrodi.

Nicht nur Namen – Menschen!

Die Autorin ist Israel-Korrespondentin der Jüdischen Allgemeinen.

Jerusalem

Netanjahu weiterhin skeptisch gegenüber Iran-Deal

Ein Abkommen müsse weit über das Atomprogramm hinausgehen und auch Irans regionale Stellvertreterorganisationen einbeziehen, sagt der Ministerpräsident

 13.02.2026

Tel Aviv

Barak bedauert Kontakte zu Epstein und räumt problematische Formulierungen ein

Er habe im Rückblick »gründlicher urteilen« müssen und bedaure bereits das erste Treffen mit dem Investor im Jahr 2003, sagt der frühere Ministerpräsident

 13.02.2026

Öffentlicher Nahverkehr

Jetzt auch am Schabbat: Busverbindung von Tel Aviv zum Flughafen Ben Gurion

Die Linie 711, die bisher zwischen Tel Aviv und der Stadt Shoham unterwegs ist, wird künftig über den Flughafen geführt

 13.02.2026

Israel

Gesetz: Der 7. Oktober soll nicht »Massaker« heißen

Das Büro von Premierminister Netanjahu ließ das Wort für den Titel des Gedenktages streichen. Überlebende und Angehörige außer sich vor Wut

von Sabine Brandes  12.02.2026

Nahost

Israels digitale Front gegen Teheran

Hunderte Cyberattacken wurden in zwölf Monaten abgewehrt. Behörden sprechen von einer »ausgedehnten iranischen Kampagne«

von Sabine Brandes  12.02.2026

Westjordanland

Bericht: Autonomiebehörde zahlt weiterhin »Märtyrer-Renten«

Eigentlich hatte Mahmoud Abbas das Ende der international verurteilten »Pay for Slay«-Praxis verkündet. Laut einem Bericht von Palestinian Media Watch hat er gelogen

 12.02.2026

Gaza

Sicherheitsstillstand

Die Terrororganisation Hamas macht auch in der zweiten Phase des Waffenruhe-Abkommens klar, dass sie einer Entmilitarisierung nicht zustimmen wird

von Sabine Brandes  12.02.2026

Nachrichten

Botschafter, Kontrolle, Künstliche Intelligenz

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  12.02.2026

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026