Ralf Balke

Der Rechtsstaat und seine Feinde

Ralf Balke Foto: Marco Limberg

Ralf Balke

Der Rechtsstaat und seine Feinde

Dem israelischen Gesetz sind auch IDF-Soldaten unterworfen. Leider wollen das nicht alle akzeptieren

von Ralf Balke  05.08.2024 17:02 Uhr

Die gute Nachricht zuerst: Israel ist ein Rechtsstaat, und das soll auch in Kriegszeiten so bleiben. Wer als Armeeangehöriger gegen Gesetze verstößt, muss sich vor Gericht verantworten. Das gilt ebenfalls für die neun Soldaten, die am 29. Juli festgenommen wurden. Sie stehen im Verdacht, in Sde Teiman, einem Gefängnis für Kombattanten der Hamas, palästinensische Häftlinge misshandelt zu haben. Publik wurde das Ganze unter anderem über Whistleblower aus den eigenen Reihen.

Was daraufhin geschah, schockierte viele Beobachter. Ein bewaffneter Mob, aufgestachelt unter anderem von Amihai Eliyahu, Minister für religiöses und kulturelles Erbe, sowie dem Knessetabgeordneten Zvi Yedidia Sukkot stürmte erst Sde Teiman und dann die Militärbasis Beit Lid, wo sich das Militärgerichtshauptquartier befindet. Man vermutete die neun Soldaten dort, wollte sie wohl befreien.

Ausgerechnet Justizminister Yariv Levin ergriff die Partei derer, die das Gesetz in die eigene Hand nehmen wollten.

Verteidigungsminister Yoav Gallant verurteilte die Vorgänge auf das Schärfste und erklärte, dass selbst in schwierigen Zeiten das Gesetz für alle gilt. Deutliche Worte fand auch Generalstabschef Herzi Halevi, der von drohender Anarchie sprach, die die Sicherheit des Staates gefährde.

Es sollte nicht der einzige Schock sein. Ausgerechnet Justizminister Yariv Levin ergriff die Partei derer, die das Gesetz in die eigene Hand nehmen wollten. Er nannte die Verhaftung der neun Soldaten, die »heilige Arbeit« verrichtet hätten, eine »moralische Verzerrung«, die auf das Konto des Obersten Gerichtshofes gehe. Benjamin Netanjahu verurteilte ihr Vorgehen zwar, seine rechtsextremen Mitstreiter pfiff er aber nicht zurück. Dafür redete er von der politischen Gewalt, die von zwei Seiten ausgehen würde, und setzte die Protestler vom 29. Juli mit den Demonstranten gegen seine »Justizreform« gleich.

Wer glaubte, der Premier und seine Entourage hätten nach dem 7. Oktober ihren Plan von einer Entmachtung des Obersten Gerichtshofs ad acta gelegt, hat sich offenkundig geirrt. Denn die schlechte Nachricht lautet: Wie der bewaffnete Mob wollen auch sie den Rechtsstaat demontieren.

Der Autor ist Journalist und Historiker.

Statistik

Knapp 111.000 Holocaustüberlebende leben in Israel

Sie sind alt und sie werden weniger: Heute leben noch etwa 111.000 Holocaustüberlebende in Israel. Fast ein Drittel von ihnen ist über 90 Jahre alt, fast zwei Drittel von ihnen sind Frauen

 15.04.2026

Nahost

Iran droht USA mit Angriffen

Die USA blockieren Schiffe mit Ziel iranischer Häfen. Teheran droht mit Konsequenzen für die fragile Waffenruhe

 15.04.2026

Studie

Israelische Forscher sehen Zusammenhang zwischen Corona-Infektion und Lungenkrebs

Das Spike-Protein des Coronavirus könnte nach Angaben der Autoren schädliche Prozesse im Lungengewebe auslösen

 15.04.2026

Streit

Israel wirft Südkoreas Präsidenten vor, Massaker an Juden zu verharmlosen

Lee Jae-Myung zog einen Vergleich zwischen einem angeblichen Vorgehen Israels gegen palästinensische Kinder und dem Holocaust. Das Jerusalemer Außenministerium bezeichnet dies als »inakzeptabel«

 15.04.2026

Meinung

Wie die UN indirekt den Holocaust relativieren

Die kürzlich angenommene Resolution zur Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels ist ein Akt des geschichtspolitischen Revisionismus

von Jacques Abramowicz  15.04.2026

Jerusalem

Mossad-Chef: Einsatz gegen Iran erst mit Regime Change beendet

»Unsere Mission ist noch nicht beendet«, sagt David Barnea

 15.04.2026

Diplomatie

Prosor kritisiert israelischen Minister wegen Merz-Schelte

Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hatte dem Bundeskanzler nach dessen Kritik an der Siedlungspolitik vorgeworfen, Juden vorschreiben zu wollen, wo sie leben sollen

 14.04.2026

Umfrage

Große Mehrheit jüdischer Israelis unterstützt Fortsetzung des Krieges gegen Hisbollah

Befragt wurden Bürger auch zu den Streitkräften und der Regierung von Benjamin Netanjahu

 14.04.2026

Nahost

Historische Verhandlungen zwischen Israel und Libanon

Zum ersten Mal seit mehr als 40 Jahren führen Beirut und Jerusalem direkte Gespräche auf politischer Ebene. Können sie zu einem Durchbruch im aktuellen Konflikt führen?

von Amira Rajab, Cindy Riechau  14.04.2026