Nathan Gelbart

Corona: Leben oder Existenzen retten?

Nathan Gelbart Foto: Thomas Ecke

Nathan Gelbart

Corona: Leben oder Existenzen retten?

Der Umgang mit Corona ist eine Gratwanderung, die große politische Weitsicht und Verantwortung erfordert

von Nathan Gelbart  06.08.2020 08:38 Uhr

Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt. So steht es im Talmud und in der Gravur eines Ringes aus Zahngold, den gerettete Holocaust-Überlebende Oskar Schindler aus Dankbarkeit überreichten. Ein Satz, der heute aktueller ist denn je und im Rahmen der Bekämpfung der weltweiten Covid-19-Pandemie als Begründung für weitreichende Einschränkungen der Freiheitsrechte angeführt wird.

Doch auch das Judentum kennt keine bedingungslosen Maximen ohne jegliche Abwägungen. Oskar Schindler handelte freiwillig und aus Überzeugung. Mit seinem Heldentum gefährdete er ausschließlich sich selbst.

narrativ Während Schindler mit seinen Taten nachweislich Menschenleben rettete, verlieren aktuell Millionen von Menschen die Existenzgrundlage für sich und ihre Familien in dem ihnen vorgegebenen Narrativ, durch ihren eigenen Existenzverlust Gesundheit und Menschenleben Dritter zu retten.

Das Virus polarisiert die Gesellschaft wie kaum ein anderes historisches Ereignis.

Trotz im Vergleich zur Gesamtsterblichkeit in Europa und in Israel niedriger Opferzahlen teilt und polarisiert das Virus unsere Gesellschaft wie kaum ein anderes historisches Ereignis.

Befürworter und Gegner der vielen Einschränkungen liefern sich erbittert Debatten mit jeweils schlüssigen Argumenten. Und wie so häufig in Krisen werden Sündenböcke ausgemacht: die Juden.

LEBENSKULTUR Leben, Gesundheit und wirtschaftliche Existenz, aber auch Lebensfreude sind untrennbare Bestandteile unserer demokratischen Lebenskultur und dürfen nicht grundlos geopfert werden. Eine Gratwanderung, die nicht immer leichtfällt und große politische Weitsicht und Verantwortung erfordert. Hierbei darf die Exekutive zu Recht das hierfür erforderliche Vertrauen einfordern.

Aber auch die vielen betroffenen Bürger müssen mit ihren kritischen Bedenken gehört werden, ohne als »asozial« oder Verschwörer gebrandmarkt zu werden. Hier darf insbesondere bei den Medien das zuweilen nicht immer vorhandene Fingerspitzengefühl und das Verständnis für viele Menschen angemahnt werden, deren Existenzsorgen größer sind als die Angst vor dem Virus.

Der Autor ist Rechtsanwalt in Berlin.

Meinung

Große Worte, leiser Rückzug – und Israel bleibt zurück

Für Israel war US-Präsident Trumps harte Linie gegen Iran eine sicherheitspolitische Rückendeckung. Jetzt, wo Trump den Rückzug angedeutet hat, entsteht ein strategisches und militärisches Vakuum

von Roman Haller  15.04.2026

Meinung

Wie die UN indirekt den Holocaust relativieren

Die kürzlich angenommene Resolution zur Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels ist ein Akt des geschichtspolitischen Revisionismus

von Jacques Abramowicz  15.04.2026

Meinung

Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hatte der jüdische Staat einen Verbündeten in der EU. Dennoch könnte dessen Abwahl eine Chance sein, das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen

von Domokos Szabó  14.04.2026

Essay

Schoa-Erinnerung ohne Juden

Gunda Trepp über ihren verstorbenen Ehemann Leo Trepp, die Vereinnahmung der Schoa und Wege jüdischen Erinnerns

von Gunda Trepp  14.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026

Meinung

Hoffentlich wird Viktor Orbán abgewählt

Am 12. April stehen in Ungarn Wahlen an. Unter seinem langjährigen Ministerpräsidenten ist das Land zu einem russischen U-Boot in der Europäischen Union geworden

von Joshua Schultheis  12.04.2026 Aktualisiert

Kommentar

Empathie für alle?

Dunja Hayali hat zu mehr Mitgefühl mit Betroffenen von Kriegen aufgerufen. Zu Recht. Was in den deutschen Medien jedoch kaum vorkommt: das Leid der Israelis, die unter dem ständigen Beschuss der Hisbollah stehen

von Jenny Havemann  10.04.2026

Iran-Krieg

Europa darf Israel nicht im Stich lassen

Während die USA und Israel der Bedrohung durch das Mullah-Regime militärisch begegneten, standen die Europäer an der Seitenlinie und übten Kritik. Die nun herrschende Feuerpause gibt ihnen Gelegenheit, ihre Haltung zu überdenken

von Rafael Seligmann  10.04.2026

Standpunkt

Die Militäroperation gegen das Mullah-Regime ist eine historische Chance

Ein Gastbeitrag von Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter (CDU) und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses

von Roderich Kiesewetter  06.04.2026 Aktualisiert