Meinung

Beleidigend und infam

Berichtet über Parallelwelten: Arye Sharuz Shalicar im Gespräch mit Nelly Kranz bei einer seiner Lesungen in Deutschland Foto: Marina Maisel

Vor genau zweieinhalb Wochen wurde in der »Haaretz« der Meinungsbeitrag »The Evil, New Apparition That Is Stalking Germany Today« von Ilana Hammerman veröffentlicht. Darin behauptet die Autorin, eine Diskussion mit Arye Sharuz Shalicar jüngst in Berlin über dessen neues Buch Der neu‐deutsche Antisemit. Gehören Juden zu Deutschland? Eine persönliche Analyse sei geprägt gewesen von »arroganter, giftiger und rassistischer Hetze vor allem gegen Muslime«.

Dies ist beleidigend und infam gegenüber Herrn Shalicar wie auch uns, den einladenden Organisationen, nämlich der Deutsch‐Israelischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg, dem Mideast Freedom Forum Berlin und der Jüdischen Volkshochschule Berlin. Es gab keinerlei rassistische Äußerungen auf unserer Veranstaltung; Shalicars angeblichen Rassismus hält Frau Hammerman für so selbstverständlich, dass sie nicht einmal ein einziges Beispiel für seine angeblichen antimuslimischen Hassreden anführt. Ebenfalls bedauerlich: Vor zwei Wochen beschwerten wir uns bei der Haaretz über Ilana Hammermans Artikel – eine Antwort haben wir bis heute nicht erhalten.

ERFAHRUNGEN Hammerman ignoriert die Erfahrungen, die Juden in Deutschland machen: nämlich, dass sie besonders oft von Muslimen angegriffen werden. Shalicar schildert ganz konkret das, was viele Juden hierzulande erleben müssen. Ist das Rassismus? Shalicar selbst berichtete an diesem Abend, wie ihm Muslime geholfen haben. Ist die Autorin nicht vielmehr selbst paternalistisch, wenn sie meint, es besser zu wissen, und die leider sehr realen Erfahrungen von Juden ignoriert?

Der Artikel enthält weitere Unwahrheiten über unseren Gast, unsere Veranstaltung wie auch über die politische Situation in Deutschland. So beklagt Frau Hammerman, dass man keine Lust hatte, mit ihr zu diskutieren. Vielleicht, weil sie die Teilnehmerin war, die am meisten sprach, und es ihr eben nicht um eine Diskussion, sondern ausschließlich um die Gelegenheit ging, ihre Thesen zu lancieren? Ebenso falsch ist die Behauptung, Shalicar ignoriere den Judenhass von rechts. Nach der Lektüre seines Buches müsste sie eigentlichen wissen, dass sich der Autor gegen rechten und gegen christlichen Antisemitismus ausspricht.

BDS dämonisiert Israel als Ganzes und weigert sich, den jüdischen Staat Israel anzuerkennen.

Das passt aber offensichtlich nicht in ihre Agenda. Frau Hammerman möchte das Märchen verbreiten, Israels rechte Regierung verunmögliche jede Kritik in Deutschland und zöge in Berlin die Strippen. Was dafür nicht passt, wird passend gemacht: Das fängt bei der Verunglimpfung des Autors an und beinhaltet die Behauptung, seine Lesereise sei angeblich vom Beauftragten der Bundesregierung für Antisemitismus bezahlt worden, was nicht der Fall ist.

DÄMONISIERUNG Die Autorin vermutet in Deutschland eine Verbotskultur, die sie an die Ära McCarthy erinnert. Dabei verkennt sie den zutiefst antisemitischen Charakter der anti‐israelischen Boykottkampagne BDS, die nicht nur Israel als Ganzes dämonisiert und delegitimiert, sondern sich auch weigert, den jüdischen Staat Israel anzuerkennen. Dem jüdischen Volk wird das abgesprochen, was jedem anderen zugestanden wird: das Recht auf Selbstbestimmung. Wenn das kein Antisemitismus ist, was dann?

Es geht weiter mit der Behauptung, der Leiter des Jüdischen Museums Berlin sei nach einem einzigen verfehlten Tweet durch israelischen Einfluss zum Rücktritt genötigt worden. Auch das ist falsch und wurde im Übrigen auf der Veranstaltung in einer Auseinandersetzung mit Frau Hammerman bereits richtiggestellt.

Richtig ist, dass Peter Schäfer als Leiter des Jüdischen Museums, nicht als Wissenschaftler, schon eine ganze Weile in der Kritik stand. Unter anderem ging es um seine Entscheidung, Vertreter des iranischen Regimes in das Museum einzuladen. Besagter Tweet war nur der Auslöser, nicht aber die Ursache.

BDS Auch das Bankkonto der »Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost« wurde nicht aus heiterem Himmel auf Basis unbegründeter Behauptungen gekündigt. Richtig ist, dass die »Jüdische Stimme« sich nicht von BDS distanzieren wollte, obwohl ihr die Gelegenheit dazu geboten wurde.

Vor zwei Wochen beschwerten wir uns bei der Haaretz über Hammermans Artikel – eine Antwort haben wir bis heute nicht erhalten.

Ilana Hammerman beendet ihren Artikel mit der Behauptung, Deutsche fürchteten sich davor, in Deutschland Kritik an der israelischen Regierung zu äußern. Das ist absurd, denn es wird in den deutschen Medien geradezu obsessiv Kritik an Israel geäußert. Der subjektive Eindruck besteht dennoch; er ist Ausdruck davon, wie sehr sich Deutsche von Juden verfolgt und zum Schweigen gebracht fühlen.

Es ist das Ziel der BDS‐Kampagne, und offenbar auch von Frau Hammerman, jegliche Veranstaltung zu stören, bei der Israelis sprechen, und zwar selbst dann, wenn es – wie in diesem Fall – gar nicht um Israel ging, sondern um Antisemitismus in Deutschland. Es spricht Bände, dass dabei mit Lügen und Falschdarstellungen gearbeitet wird, und es ist bedauerlich, dass die Haaretz ein solches Pamphlet abdruckt.

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