Meinung

Außen hui, innen pfui: Trumps Umgang mit den Juden

Joshua Schultheis Foto: Charlotte Bolwin

Meinung

Außen hui, innen pfui: Trumps Umgang mit den Juden

Während sich der US-Präsident um die Juden in Israel verdient macht, leidet die jüdische Gemeinschaft im eigenen Land unter seiner autoritären Innenpolitik. Das sollte bei aller Euphorie über den Gaza-Deal nicht vergessen werden

von Joshua Schultheis  09.10.2025 16:23 Uhr

Israel ist im Trump-Fieber. Auf den Straßen Tel Avivs wehen die »Stars and Stripes« und lagerübergreifend überschlagen sich die Lobpreisungen für den US-Präsidenten. Zurecht: Dass das geschundene Land nach zwei Jahren Krieg nun auf Frieden und eine Rückkehr der verbliebenen Geiseln hoffen kann, ist insbesondere den Bemühungen Donald Trumps und seiner Diplomaten zu verdanken.

Doch während sich der Amerikaner um die Juden in Israel verdient macht, leiden die Juden im eigenen Land unter seiner autoritären Innenpolitik.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Seit Trumps zweitem Amtsantritt im Januar verhalten sich seine Beliebtheitswerte in den jüdischen Bevölkerungen Israels und der USA genau spiegelbildlich: dort Zweidrittel Zustimmung, hier Zweidrittel Ablehnung. Dabei führt der Präsident beständig den Kampf gegen Antisemitismus im Munde und begründet damit unter anderem sein repressives Vorgehen gegen amerikanische Eliteuniversitäten, die er beschuldigt, jüdische Studierende nicht ausreichend zu schützen.

Diesen Vorwurf gegen Harvard, Columbia und Co. teilen die amerikanischen Juden laut Umfragen zwar mehrheitlich, Trumps rabiate Methoden im Umgang mit dem Problem lehnen sie aber entschieden ab. Mehr noch: Etwa 70 Prozent halten den Präsidenten für einen Faschisten, eine knappe Mehrheit für einen Antisemiten.

Die Lage der größten jüdischen Diaspora ist nicht weniger als dramatisch. Während der Antisemitismus im Land seit dem 7. Oktober 2023 grassiert und sich zionistisch eingestellte Juden von den liberalen Institutionen und Eliten verraten fühlen, ist der konservative Präsident mehr Teil als Lösung der Misere. Die Juden Amerikas sind in der Zwickmühle.

Lesen Sie auch

Zuletzt zeigte sich das eindrücklich, als das Federal Bureau of Investigation (FBI) Anfang Oktober die Zusammenarbeit mit der Anti-Defamation League (ADL) aufkündigte. Die traditionsreiche jüdische NGO, die sich gegen Antisemitismus einsetzt, stuft auch eine Trump-nahe Organisation als extremistisch ein; offenbar Grund genug für FBI-Chef Kash Patel sie mit Terrororganisationen zu vergleichen und als Gefahr für die Amerikaner zu brandmarken. Die ADL reagierte kleinlaut und sprach lediglich vom »tiefen Respekt«, den man gegenüber dem FBI habe.

Trump hat die Einschüchterung zu seinem politischen Prinzip schlechthin gemacht. Das mag in Nahost zu Resultaten führen. Für die kleine Minderheit der Juden in den USA ist es dagegen eine Bedrohung. Das sollten die Israelis und der Rest der jüdischen Welt nicht vergessen – bei aller nachvollziehbarer Euphorie über den Trump’schen Gaza-Deal.

schultheis@juedische-allgemeine.de

USA

Ein Stadtneurotiker wird 90

Woody Allen steht als Autor, Regisseur und Schauspieler für einzigartige Filme. Doch bis heute überschatten Missbrauchsvorwürfe sein Lebenswerk

von Barbara Schweizerhof, Sophie Albers Ben Chamo  29.11.2025

Meinung

Wenn ein Botschafter Schoa-Überlebende zu Lügnern erklärt

Tom Rose, neuer US-Botschafter in Warschau, hat in einer Rede die Komplizenschaft Tausender Polen während des Holocaust bestritten. Das ist fatal für das Ansehen der USA

von Menachem Z. Rosensaft  29.11.2025

Großbritannien

Frauen haben Besseres verdient

Die Journalistin Marina Gerner beklagt in ihrem Buch fehlende Innovationen im Bereich Frauengesundheit – und eckt nicht nur mit dem Titel an

von Amie Liebowitz  28.11.2025

Kultur

André Heller fühlte sich jahrzehntelang fremd

Der Wiener André Heller ist bekannt für Projekte wie »Flic Flac«, »Begnadete Körper« und poetische Feuerwerke. Auch als Sänger feierte er Erfolge, trotzdem konnte er sich selbst lange nicht leiden

von Barbara Just  28.11.2025

Niederlande

Demonstranten stören Vorlesung in Gedenken an Nazi-Gegner

An der Universität Leiden erzwangen antiisraelische Studenten die Verlegung einer Gedächtnisvorlesung zum Andenken an einen Professor, der während der Nazi-Zeit gegen die Judenverfolgung protestiert hatte

von Michael Thaidigsmann  28.11.2025

Großbritannien

Verdächtiger nach Anschlag auf Synagoge in Manchester festgenommen

Der Angriff auf die Synagoge am Vorabend des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur sorgte international für Bestürzung. Jetzt wurde ein weiterer Tatverdächtiger festgenommen

von Burkhard Jürgens  27.11.2025

Bereit fürs ICZ-Präsidium: Noëmi van Gelder, Arthur Braunschweig und Edi Rosenstein (v.l.n.r.)

Interview

»Meinungsvielfalt gilt es auszuhalten« 

Am 8. Dezember wählt die Gemeindeversammlung der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich ein neues Präsidium. Ein Gespräch mit den Kandidaten über Herausforderungen an die Gemeinde, Grabenkämpfe und Visionen

von Nicole Dreyfus  27.11.2025

Schweiz

Antisemitismus auch in der queeren Szene benennen

Viele Jüdinnen und Juden fühlen sich teils unsicher, wenn in der queeren Szene über Israel gesprochen wird. Der Verein Keschet will das ändern

von Nicole Dreyfus  27.11.2025

Das Ausmalbuch "From the river to the sea" in einer Buchhandlung in Zürich.

Meinung

Mit Kufiya und Waffen

Ein Kinderbuch mit Folgen

von Zsolt Balkanyi-Guery  27.11.2025