Michael Thaidigsmann

Auf Distanz zu Israel

Michael Thaidigsmann Foto: privat

Deutschland ist unter Israelis weitaus populärer als Israel unter Deutschen. Das hat eine repräsentative Umfrage der Bertelsmann-Stiftung ergeben. Demnach hatten 46 Prozent der Befragten in Deutschland eine positive Meinung über Israel, 34 Prozent eine schlechte. Israelis schauten dagegen zu 63 Prozent mit Wohlwollen auf Deutschland und seine Bürger.

Die Erkenntnis verwundert angesichts der jüngeren deutschen Geschichte doch etwas. Doch die Frage, ob sich aus der Schoa eine besondere Verantwortung für Israel ableiten lasse, bejahten nur gut ein Viertel der deutschen Befragten. Dagegen meinte rund die Hälfte der hiesigen Umfrageteilnehmer, man müsse endlich einen »Schlussstrich« ziehen unter die NS-Zeit. Ein Viertel fand sogar, die Juden hätten auf der Welt zu viel Einfluss. Die viel gerühmte deutsche Gedenkkultur, sie zeigt Risse.

Ein Viertel der Befragten fand, die Juden hätten auf der Welt zu viel Einfluss.

Und während eine große Mehrheit in Israel sich von Deutschland Unterstützung erhofft (57 Prozent der befragten Israelis äußerten sich dementsprechend), findet die überwiegende Zahl der Deutschen, die Bundesregierung müsse im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern eine neutrale Haltung einnehmen.

Die Zahlen sind ernüchternd. Überraschend kommen sie nicht. Die von Berliner Politikern gern mit stolzgeschwellter Brust vorgetragene Maxime von Israels Sicherheit als deutscher »Staatsräson« verfängt bei vielen Bürgern nicht. Die Deutschen blicken mit Distanz und Skepsis, aber gleichzeitig auch mit enormen Erwartungen auf Israel. Deshalb passt die ausgewogene Überschrift (»Zwischen Verbundenheit und Entfremdung«), den die Stiftung ihrer Studie verpasst hat, letztendlich ganz gut.

Trotz allem: Die meisten Deutschen und Israelis wünschen sich ein gutes bilaterales Verhältnis. Das sollte Ansporn sein, künftig einiges anders und vor allem besser zu machen.

thaidigsmann@juedische-allgemeine.de

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Kommentar

Landtagswahlkampf mit Israelfeindlichkeit

Mit einem vielleicht auf den ersten Blick unschuldigen Satz macht das BSW Stimmung. Gegen den einzigen jüdischen Staat, die »Zionisten« und damit die Juden

von Imanuel Marcus  06.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  06.08.2026

Meinung

»Blaue Moschee« als Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus?

Nach der Schließung des eng mit dem iranischen Regime verflochtenen »Islamischen Zentrums Hamburg« wird über die künftige Nutzung des Ortes diskutiert

von Ulrike Becker  06.08.2026

Vorurteile

Können wir mal reden?

Warum persönliche Begegnungen und Gespräche heute wichtiger sind denn je – insbesondere beim Thema Israel

von Sabine Brandes  06.08.2026

Meinung

Danke, Boy George!

Wie die 80er-Jahre-Ikone gegen alle Widerstände für Israel eintritt, verdient unseren Dank

von Sophie Albers Ben Chamo  05.08.2026

Kommentar

Politische Pünktchensammler

Ewig bewegte Palästina-Aktivisten wie Javier Bardem und israelische Politiker nutzen den Massenansturm auf Ceuta für politisch unwürdige Spielchen

von Nils Kottmann  04.08.2026

Kommentar

Sánchez’ alter, antisemitischer Trick

Wer trägt die Verantwortung für die jüngste Katastrophe in Ceuta? Ausnahmsweise wohl nicht »die Zionisten«

von Rafael Seligmann  02.08.2026

Meinung

Die Vereinten Nationen und ihre obsessive Fixierung auf den jüdischen Staat

Warum der Staatengemeinschaft ihre Heuchelei und Doppelmoral eher früher als später zum Verhängnis werden wird

von Daniel Neumann  01.08.2026