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Zwischen Marvel und Netflix

Shawn Levy vor der Vorführung von »Deadpool & Wolverine« am 11. Juli in London Foto: picture alliance / Millie Turner/Invision/AP

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Zwischen Marvel und Netflix

»Stranger Things« und »Deadpool & Wolverine«: Starregisseur Shawn Levy im Porträt

von Patrick Heidmann  31.07.2024 17:15 Uhr Aktualisiert

Wenn die Rede ist von den erfolgreichsten Hollywood-Regisseuren der vergangenen 20 Jahre, fallen einem viele Namen ein. Doch Shawn Levy kommt einem vermutlich nicht unbedingt in den Sinn. Dabei ist der gebürtige Kanadier genau das: kommerziell spielt er längst ganz oben mit, nicht zuletzt dank der von ihm inszenierten Nachts im Museum-Trilogie mit Ben Stiller in der Hauptrolle. Und auch in Sachen Fleiß ist er Spitzenklasse.

Nun läuft seine Superheldenkomödie Deadpool & Wolverine auf der großen Leinwand, die dem Vorverkauf nach zu urteilen einer der ganz großen Kino-Kassenhits des Jahres werden dürfte, ist das sein 13. langer Spielfilm allein seit 2003.

Seinen Weg zum Film fand Levy, der 1968 als Sohn jüdischer Eltern in Montreal geboren wurde, zunächst über die Schauspielerei. Er studierte an der renommierten Yale University und stand parallel bereits für drittklassige Horrorfilme mit Titeln wie Zombie Nightmare, aber auch einen kanadischen Fernsehfilm über Liberace vor der Kamera. Nach seinem Umzug nach Los Angeles war er in den 90er-Jahren dann auch im Komödienhit Made in America sowie einzelnen Episoden von Serien wie Beverly Hills 90210 oder 21 Jump Street zu sehen.

Vom Schauspieler zum Regisseur

Nach einem Master-Studiengang im Fach Filmproduktion wechselte Levy schließlich hinter die Kamera und arbeitete zunächst als Regisseur für diverse Jugend- und Genreserien. Die Vorliebe für Geschichten, die idealerweise Groß und Klein gleichermaßen ansprechen und viel Humor sowie gerne auch ein paar Fantasy-Elemente mitbringen, ist ihm bis heute erhalten geblieben. Deadpool & Wolverine (von dem für die Presse vor Redaktionsschluss zunächst nur rund 20 Minuten zu sehen waren) ist dafür das beste Beispiel.

Vom Der rosarote Panther-Remake und der Familienkomödie Im Dutzend billiger über besagte Nachts im Museum-Filme oder Date Night – Gangster für eine Nacht mit Steve Carell und Tina Fey und dem Überraschungshit Free Guy – dass es Levy mit seinen Arbeiten, für die er längst auch mit seiner eigenen Produktionsfirma 21 Laps Entertainment verantwortlich zeichnet, weniger um Kunst als um den Massengeschmack geht, ist unübersehbar.

Was nicht heißt, dass nicht auch individuelle Präferenzen in seinem Werk erkennbar sind. Immer wieder etwa arbeitet er mehrfach mit Schauspielern zusammen, die seine Wellenlänge teilen: neben Stiller standen zum Beispiel auch Steve Martin, Owen Wilson, Tina Fey und zuletzt Ryan Reynolds (für den Deadpool & Wolverine der dritte Levy-Film ist) häufiger vor seiner Kamera.

Aus der Reihe von Komödien und Action-Abenteuern sticht ein Film heraus, der für Levy erkennbar eine sehr spezielle Angelegenheit gewesen ist. 2014 brachte er Sieben verdammt lange Tage in die Kinos, eine Romanverfilmung nach Jonathan Tropper, über vier erwachsene Geschwister, die nach dem Tod des Vaters gemeinsam mit ihrer Mutter Schiwa sitzen.

»Meine Brüder und Schwestern waren für mich da«

Familie ist in allen Arbeiten des Filmemachers, der als Produzent von Denis Villeneuves Arrival auch schon für den Oscar nominiert war, ein zentrales Thema. Doch diese prominent besetzte, schwarzhumorige Tragikomödie war für ihn ein besonders persönliches Projekt. »In den dunkelsten Momenten meiner Kindheit und Jugend waren meine Brüder und Schwestern für mich da«, verriet er damals dem Magazin Entertainment Weekly. »Sie waren meine Zeugen und meine Unterstützung und brauchten mich genauso wie ich sie.«

Was die popkulturelle Relevanz angeht, ist keines von Levys Projekten so erfolgreich und prägend wie Stranger Things.

Mit Alles Licht, das wir nicht sehen, der Miniserie nach dem Roman von Anthony Doerr, brachte Levy eine weitere Arbeit an den Start, die ihm speziell am Herzen lag. Jahrelang versuchte er, die Geschichte einer jungen blinden Französin und eines deutschen Soldaten, die sich 1944 in der Hochphase des Zweiten Weltkriegs begegnen, zu verfilmen, selbst als die Rechte bei anderen Produzenten lagen.

»Der Hass auf jüdische Menschen war nicht nur ein kurzer Moment in unserer Geschichte«

Dass der Vierteiler schließlich im November 2023 Premiere feierte, nur wenige Wochen nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober, verlieh ihm eine ganz besondere Bedeutung, wie Levy damals zu Protokoll gab: »Die Geschichte ist keine über den Holocaust, aber sie spielt während des Krieges, in dem er verübt wurde. Und ich gebe zu, dass für mich als jüdischen Kanadier, der inzwischen US-Staatsbürger ist, die Ereignisse der vergangenen Wochen in diesem Kontext besonders herzzerreißend waren. Denn es ist so offenkundig, dass der Hass auf jüdische Menschen eben nicht nur ein kurzer Moment in unserer Geschichte war.«

Was die popkulturelle Relevanz angeht, ist allerdings keines von Levys Projekten so erfolgreich und prägend wie Stranger Things. Als 2015 die kaum bekannten Duffer-Brüder mit ihrer Idee für eine 80er-Jahre-Horrorserie über eine Gruppe Kids bei 21 Lapse Entertainment anklopften, vertraute der Vater von vier Kindern auf seinen eigenen Geschmack (»emotional, warmherzig, un-zynisch«) – und griff zu.

Vier Staffeln später (in denen er auch acht Episoden selbst inszenierte) gehört Stranger Things längst zu den meistgesehenen Streaming-Produktionen aller Zeiten. Die fünfte und letzte Staffel wird aktuell gedreht und ist für kommendes Jahr angekündigt.

Derweil ist Levy allerdings schon damit beschäftigt, seine Erfolgsgeschichte um das nächste Kapitel zu erweitern: wenn nichts dazwischen kommt, wird er kommendes Jahr nichts Geringeres als einen neuen Star Wars-Film inszenieren.

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